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Geburtsort von Beta Pictoris b bleibt rätselhaft
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie astronews.com
30. Juli 2026
Mit dem modernisierten Instrument GRAVITY+ wurde jetzt die
Atmosphäre des jungen Riesen-Gasplaneten Beta Pictoris b untersucht. Ziel war
es, dessen Ursprung und atmosphärische Variabilität besser zu verstehen. Dabei
erhielt man zwar deutlich bessere Messwerte, doch es ergaben sich auch
Hinweise darauf, dass das angewandte Verfahren nicht viel über den
Entstehungsort des Gasriesen verrät.

Künstlerische Darstellung von Beta Pictoris
b.
Bild: ESO / L. Calçada [Großansicht] |
Das junge und unfertige Planetensystem des 23 Millionen Jahre alten Sterns
Beta Pictoris (kurz: Beta Pic) hat sich zu einem Paradebeispiel für
zirkumstellare Staubscheiben entwickelt und beherbergt mindestens drei
Riesen-Gasplaneten. Beta Pic b wurde bereits 2008 mittels direkter Bildgebung
entdeckt und ist mit etwa elf Jupitermassen der massereichste dieser Planeten.
Er umkreist seinen Zentralstern auf einer weiten Umlaufbahn und benötigt dafür
etwa 23 Jahre.
Astronominnen und Astronomen des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA)
in Heidelberg, Deutschland, des Observatoire de la Côte d’Azur (OCA) in
Nizza, Frankreich, sowie weiterer Partner haben jetzt Beta Pic b mit dem
kürzlich modernisierten Instrument GRAVITY+ beobachtet. Dabei interessierten sie
sich insbesondere für den Ursprung des Planeten sowie eine mögliche
atmosphärische Variabilität. Das Instrument ist an das Very Large Telescope
Interferometer (VLTI) angeschlossen, das von der Europäischen Südsternwarte
ESO am Paranal-Observatorium in Chile betrieben wird. GRAVITY+ ist eine
Erweiterung des ursprünglichen GRAVITY-Instruments und verfügt über eine
verbesserte adaptive Optik.
Das Team wendete eine Methode an, die vor einigen Jahren vorgeschlagen wurde,
um den Geburtsort von Planeten in planetenbildenden Scheiben zu bestimmen: Durch
die Messung des relativen Häufigkeitsverhältnisses zwischen zwei verschiedenen
Varianten von Kohlenstoff (C), nämlich die Kohlenstoff-Isotope 12C
und 13C, die im Kohlenmonoxidgas
(CO) der Atmosphäre von Beta Pic b gebunden sind, sollte sich ableiten lassen,
ob der Planet außerhalb oder innerhalb einer Region der Scheibe entstand, in der
Kohlenmonoxid als Eis vorlag. Der Radius, an dem die Temperatur niedrig genug
ist, damit Gas zu Eis gefriert, wird im Allgemeinen als Schneelinie bezeichnet.
Unter Berücksichtigung der Strahlung des Zentralsterns, der die Scheibe von
innen aufheizt, ließe sich dies direkt in die Entfernung zum Stern übersetzen,
in der der Planet entstand.
MPIA-Wissenschaftler Matthieu Ravet hatte bei einem früheren Versuch zur
Bestimmung des Verhältnisses zwischen 12CO und dem etwas schwereren
13CO mit dem ursprünglichen GRAVITY-Instrument ein vergleichsweise
niedrigen Wert ermittelt. Die Forschenden vermuteten bereits damals, dass
GRAVITY eventuell unzureichend war, um die entscheidenden Signale in diesem
Datensatz sauber aufzulösen, und mahnten zur Vorsicht bei der Interpretation.
Folgt man dennoch der Logik des oben genannten Szenarios, so deutet dieser Wert
darauf hin, dass Beta Pic b in der äußeren Scheibe jenseits der Schneelinie
gewachsen sein könnte, indem er eher CO-Eis statt CO-Gas ansammelte.
Mit einer Entfernung von etwa 10 Astronomischen Einheiten von seinem
Zentralstern, eine Astronomische Einheit ist der mittlere Abstand zwischen Sonne
und Erde, zieht Beta Pic b seine Bahn derzeit jedoch eindeutig weiter innen,
zwischen dem Stern und der Schneelinie, wo CO vorwiegend als Gas hätte vorliegen
sollen. Unter der Annahme, dass das Ergebnis korrekt ist, hätte dieser Befund
darauf hingewiesen, dass Beta Pic b durch die Scheibe gewandert sein könnte.
Mithilfe von GRAVITY+ leiteten Antonia von Stauffenberg, Doktorandin am MPIA,
und ihr Team nun ein aktualisiertes und präziseres 12CO/13CO-Häufigkeitsverhältnis
in der Atmosphäre von Beta Pic b ab, das deutlich höher liegt als der frühere
Wert. Während 12CO klar nachgewiesen wurde und dessen Anteil
vergleichsweise einfach zu bestimmen ist, erfordert die Messung von 13CO
einen wesentlich komplexeren Ansatz. Interessanterweise stimmt das Verhältnis
mit dem Wert überein, der auch im Rahmen einer anderen Studie ermittelt wurde,
die ein anderer Instrument verwendet hat.
Zudem fanden die Astronominnen und Astronomen subtile Hinweise darauf, dass
die vom Planeten empfangene Strahlung im Laufe der Zeit schwankt. Trotz der
geringen statistischen Signifikanz scheinen die vorherrschenden Veränderungen
mit der Rotationsperiode des Planeten von etwa 8,7 Stunden verknüpft zu sein.
Sollte sich dies bestätigen, könnte es auf Wolken oder chemische Prozesse in der
Atmosphäre von Beta Pic b hindeuten. Weitere empfindlichere Beobachtungen sind
jedoch erforderlich, um das Ergebnis abzusichern. "Die Fähigkeit, sowohl
Isotopologe als auch eine potenzielle rotationsbedingte Variabilität mithilfe
bodengebundener Beobachtungen eines Planeten wie Beta Pictoris b präzise
einzugrenzen, demonstriert die außergewöhnliche Datenqualität, die mit dem
modernisierten Instrument GRAVITY+ erreicht wird", so von Stauffenberg.
Im vorgeschlagenen Modell zur Bestimmung des Geburtsortes rückt das neue,
präzisere 12CO/13CO-Häufigkeitsverhältnis Beta Pic b nun
eindeutig in den wärmeren, inneren Bereich der ursprünglichen protoplanetaren
Scheibe. Dies stimmt auch mit dem aktuellen Standort des Planeten überein.
Weiterhin deckt sich das Verhältnis weitgehend mit Werten, die üblicherweise im
Sonnensystem und im interstellaren Medium (ISM) zu finden sind, welches den Raum
zwischen den Sternen in der Milchstraße erfüllt. Die überwältigende Mehrheit von
etwa einem Dutzend junger Riesen-Gasplaneten, die hinsichtlich ihres
CO-Verhältnisses untersucht wurden, weist ähnliche Werte auf.
Diese Übereinstimmung könnte allerdings eine schlechte Nachricht sein. Denn
das Kohlenstoff-Isotopenverhältnis verliert damit seine erhoffte Aussagekraft
für die Bestimmung des Geburtsorts eines Planeten. Die wahrscheinlichste
Erklärung dafür ist, dass mögliche Unterschiede während der Planetenentstehung
schlicht zu gering sind, um mit dieser Methode erfasst zu werden. Damit ist das
12CO/13CO-Verhältnis derzeit nicht aussagekräftig genug,
um spezifische Rückschlüsse auf die jeweilige Entstehungsumgebung eines Planeten
zu ziehen.
Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass die aktuelle Theorie die chemischen
Prozesse im CO-Eis in solchen Staubscheiben noch nicht vollständig erfasst. Dann
würde das 12CO/13CO-Verhältnis schlicht keinen messbaren
Unterschied zwischen der milderen Gasumgebung und den eiskalten Außenbereichen
abbilden. Vorerst behalten die Riesenplaneten mit ausgedehnten Umlaufbahnen das
Geheimnis ihrer Entstehung also für sich. Um die verschiedenen
Entstehungsszenarien künftig sauber voneinander zu trennen, braucht die
Astronomie neue Analysemethoden – und GRAVITY+ dürfte bei deren Entwicklung und
Überprüfung eine Schlüsselrolle spielen.
Über ihre Beobachtungen berichtet das Team in einem Fachartikel der in der
Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen ist.
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