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VLT
Ein neuer Planet im Beta-Pictoris-System
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie
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15. Juli 2026

Um Beta Pictoris wurde durch direkte Abbildung ein weiterer, sehr lichtschwacher Planet entdeckt. Beta Pictoris d gehört damit zu den masseärmsten Exoplaneten, die je von der Erde aus direkt abgebildet wurden. Der Planet hatte sich jahrelang in den Daten verborgen. Beta Pictoris ist erst das zweite System, in dem mehr als zwei Planeten direkt abgebildet werden konnten.

Beta Pictoris d

VLT-Aufnahme des neu entdeckten Planeten Beta Pictoris d, der den Stern Beta Pictoris umkreist. Die Position des Sterns ist in der Mitte des Bildes markiert; sein Licht wurde jedoch während der Datenverarbeitung herausgerechnet, um die unmittelbare Umgebung sichtbar zu machen. Der neue Planet ist mit einem Pfeil gekennzeichnet.  Bild: ESO / B. Sutlieff, M. Bonse et al. [Großansicht]

Ein internationales Forschungsteam hat einen dritten Planeten entdeckt, der den Stern Beta Pictoris umkreist. Der neue Planet Beta Pictoris d ist einhundertmal lichtschwächer als Beta Pictoris b – der erste in diesem System nachgewiesene Planet – und gehört zu den masseärmsten Exoplaneten, die jemals von der Erde aus direkt abgebildet werden konnten. Nachdem das Team den Planeten mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO und dessen neuem Instrument ERIS aufgespürt hatte, machten die Forschenden unter der Leitung von Ben Sutlieff von der University of Edinburgh in Schottland und Markus Bonse von der ESO und dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme eine weitere Entdeckung: Der Planet hatte sich bereits in anderen Beobachtungsdaten verborgen, die über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren gesammelt worden waren.

Unabhängig davon wies ein weiteres Team unter der Leitung von Aidan Gibbs von der University of California in San Diego denselben Planeten mithilfe des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) nach. Beide Ergebnisse ergänzen sich hervorragend. "Während wir im direkten Licht von Beta Pictoris d fundamentale Eigenschaften wie seine Temperatur und Masse bestimmen können, entschlüsseln die Webb-Spektren die Atmosphäre des Planeten. Sie zeigen Signaturen von Methan, Kohlenmonoxid und Wasserdampf", erklärt Elisabeth Matthews vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA), die maßgeblich an der atmosphärischen Interpretation der VLT-Beobachtungen beteiligt war.

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Dieser Fund war eine Überraschung, denn das Team hatte das Beta-Pictoris-System eigentlich im Visier, um Helligkeitsschwankungen des Planeten Beta Pictoris b zu untersuchen. Bei der Analyse der Aufnahmen stießen die Astronominnen und Astronomen jedoch auf ein weiteres Signal abseits von Beta Pictoris b, das die Forschung in eine völlig neue Richtung lenkte. Um die Entdeckung abzusichern, durchforstete das Team das wissenschaftliche Datenarchiv der ESO. In diesen historischen Aufnahmen, die bis zu elf Jahre zurückreichen, wurden sie tatsächlich fündig: Der neu entdeckte Planet war auf mehreren Bildern zu sehen – auf einem davon hob er sich nur hauchdünn vom blendenden Schein seines größeren Nachbarn Beta Pictoris b ab. Planet d hatte offenbar über ein Jahrzehnt lang mit der Astronomie Verstecken gespielt.

Beta Pictoris d ist, wie die beiden anderen Planeten des Systems, ein Gasriese ähnlich wie Jupiter oder Saturn. Während die beiden anderen Himmelskörper jeweils etwa die zehnfache Jupitermasse aufweisen, bringt Beta Pictoris d nur die 2,4-fache Masse von Jupiter auf die Waage. Damit ist er einer der leichtesten Planeten, die je direkt von der Erde aus fotografiert wurden. Da seine Größe die des Jupiters nur um etwa 30 Prozent übertrifft, dürfte Beta Pictoris d den Gasriesen unseres eigenen Sonnensystems deutlich ähnlicher sein als die meisten anderen bekannten Exoplaneten.

Allerdings zieht der neue Planet seine Bahn in weitaus größerer Entfernung als jeder bekannte Gasriese in unserem Sonnensystem oder im Beta-Pictoris-System selbst. Sein Bahnradius von 26 Astronomischen Einheiten (eine astronomische Einheit entspricht dem mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne, also 149,6 Millionen Kilometern) würde ihn in unserem Sonnensystem genau zwischen Uranus und Neptun platzieren. Für einen Umlauf benötigt er 91 Jahre.

Mit einer geschätzten Oberflächentemperatur von rund 325 Grad Celsius ist Beta Pictoris d wesentlich heißer als die Gasplaneten unseres Sonnensystems. Das liegt am geringen Alter des Beta-Pictoris-Systems, das auf etwa 23 Millionen Jahre geschätzt wird. Die Planeten sind durch ihre Entstehung noch aufgeheizt und strahlen weiterhin Wärme ab, während sie sich unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammenziehen. Im Laufe der Zeit wird auch Beta Pictoris d abkühlen, so wie es einst bei Jupiter und Saturn der Fall war. Verglichen mit vielen anderen direkt abgebildeten Gasriesen ist dieser Planet jedoch relativ kühl und strahlt im Vergleich zu seinem Mutterstern extrem schwach.

Um die Entdeckung eines Planeten zweifelsfrei zu bestätigen, müssen Forschende normalerweise neue, zeitintensive Folgebeobachtungen durchführen. "Dieses System war jedoch bereits so intensiv untersucht worden, dass in den Wissenschaftsarchiven der ESO und des JWST zahlreiche Aufnahmen vorlagen", sagt Iain Hammond vom MPIA, der die Beobachtungsdaten aus einem ganzen Jahrzehnt gesichtet und ausgewertet hat. "Als wir wussten, wo wir nach dem potenziellen neuen Planeten suchen mussten, zeigte sich, dass er sich die ganze Zeit über in den Daten verbarg."

Diese Entdeckung ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine Politik der frei zugänglichen Forschungsdaten (Open Data) der Wissenschaft nützt und sie voranbringt. Beta Pictoris ist nach HR 8799 erst das zweite System, in dem mehr als zwei Planeten direkt abgebildet werden konnten. "Systeme mit mehreren direkt abgebildeten Exoplaneten sind der 'Heilige Gral' der beobachtenden Astronomie. Sie verraten uns sehr viel darüber, wie sich unterschiedliche Planeten unter exakt denselben Entstehungsbedingungen entwickeln", betont Sutlieff. "Dieser neue Planet ist besonders wertvoll, da er Teil eines Drei-Planeten-Systems ist und zu einer Sterngruppe gehört, deren Alter sehr präzise bestimmt ist", ergänzt Matthews. "Das bietet uns die seltene Gelegenheit, die Atmosphären von Planeten in einer kontrollierten Umgebung direkt miteinander zu vergleichen und zu verstehen, wie der Stern, den sie umkreisen, ihre Entstehung und Entwicklung beeinflusst. Wir haben festgestellt, dass die Atmosphäre von Beta Pictoris d verblüffende Ähnlichkeiten mit der von 51 Eri b aufweist – einem Planeten, der derselben Sterngruppe angehört."

Beta Pictoris d löst zudem ein langjähriges Rätsel innerhalb seines Heimatsystems: Er besitzt genau die richtige Masse und befindet sich an der exakten Position, um die ungewöhnliche Form der umgebenden Trümmerscheibe zu erklären. Diese Staub- und Gesteinsscheibe besteht aus den Überbleibseln der Planetenentstehung. Der Erfolg dieser Entdeckung macht Mut für künftige Suchkampagnen nach schwach leuchtenden Planeten, die sich auf bestehenden Aufnahmen verborgen halten könnten. Neue Impulse erhofft sich die Fachwelt unter anderem vom Extremely Large Telescope der ESO, sowie vom Koronografen an Bord des Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskops der NASA, dessen Start für den 30. August dieses Jahres geplant ist.

Über die Entdeckung berichtet das Team in einem Fachartikel der in der Zeitschrift The Astrophysical Journal Letters erschienen ist.

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siehe auch
GRAVITY: Direkter Blick auf Beta Pictoris c - 7. Oktober 2020
TESS: Drei Kometen um Beta Pictoris - 22. Mai 2019
HARPS: Zwei Kometenfamilien um Beta Pictoris - 23. Oktober 2014
ALMA: Kometenkollisionen um Beta Pictoris? - 7. März 2014
Beta Pictoris: Bewegung eines Exoplaneten beobachtet - 10. Juni 2010
Beta Pictoris: Erste Planetenbeobachtung schon 1981? - 31. März 2009
Hubble: Die Staubscheiben von Beta Pictoris - 28. Juni 2006
Ferne Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach extrasolaren Planeten
Links im WWW
Sutlieff, B. J. et al. (2026): Direct Imaging Discovery of Giant Exoplanet β Pictoris d: A Decade-Long Game of Hide-and-Seek, ApJL, 1006, L10
Max-Planck-Institut für Astronomie
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