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HAYABUSA2#
Hochgeschwindigkeitsvorbeiflug an Mini-Asteroid Torifune
Redaktion / Pressemitteilung des DLR
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14. Juli 2026

Die japanische Raumsonde Hayabusa2 passierte am 5. Juli 2026 den 450 Meter großen Asteroiden (98943) Torifune. Der Vorbeiflug fand in circa einem Kilometer Distanz mit einer Geschwindigkeit von 18.000 Kilometern pro Stunde statt. Die Sonde soll 2031 am vermutlich nur elf Meter durchmessenden Asteroiden 1998 KY26 ankommen.

Torifune

Asteroid Torifune, aufgenommen mit der optischen Fernnavigationskamera (ONC-T). Bild: JAXA, The University of Tokyo, Chiba Institute of Technology, Tokyo University of Science, National Institute of Advanced Industrial Science and Technology, Paris Observatory, Instituto de Astrofísica de Canarias [Großansicht]

Am 5. Juli 2026 schoss die japanische Asteroidenmission Hayabusa2# sehr nah und mit einer extrem hohen Geschwindigkeit von etwa fünf Kilometern pro Sekunde (18.000 Kilometer pro Stunde) am Asteroiden Torifune vorbei. Dabei kam die Sonde dem Asteroiden sehr nahe und hatte nur einen Kilometer Entfernung zum Mittelpunkt des etwa 450 Meter großen Asteroiden. Währenddessen wurden Fotos aufgenommen und physikalische Messungen durchgeführt. Ziel der jetzt als Hayabusa2# beziehungsweise Hayabusa2 SHARP (die Abkürzung steht für "Small Hazardous Asteroid Reconnaissance Probe") bezeichneten Mission ist es, im Rahmen zukünftiger Projekte zur Abwehr potenziell für die Erde gefährlicher Asteroiden grundlegende Daten für eine Abwehr-Technologie zu gewinnen. Insbesondere geht es darum, die Sonde so präzise so zu steuern, dass sie auf kleinen Himmelskörpern kontrolliert einschlagen könnte, um ihn mit einem solchen "kinetischen Impuls" von einem Kollisionskurs mit der Erde abzubringen. Hayabusa2# sollte allerdings nicht auf Torifune einschlagen, sondern – präzise navigiert – nach dem Vorbeiflug Kurs auf den Asteroiden 1998 KY26 nehmen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist wissenschaftlich an Hayabusa2# beteiligt. Die ursprüngliche Mission Hayabusa2 wurde im Dezember 2014 an Bord der Trägerrakete H-IIA Nr. 26 gestartet. Die Sonde erreichte den kilometergroßen Asteroiden Ryugu im Juni 2018 und erzielte eine Reihe weltweit einzigartiger Ergebnisse, darunter die Erzeugung eines künstlichen Kraters auf der Oberfläche des kleinen Himmelskörpers durch eine Detonation. Am 3. Oktober 2018 landete der gemeinsam vom DLR und der französischen Weltraumagentur CNES entwickelte Lander MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout) mit vier wissenschaftlichen Instrumenten auf Ryugu, davon drei Experimente aus Deutschland. Hayabusa2 kehrte im Dezember 2020 zur Erde zurück und lieferte erfolgreich Proben des Asteroidenmaterials ab. Das DLR-Institut für Weltraumforschung untersuchte einige der Körner von Ryugu.

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Hayabusa2 verblieb nach Abschluss der ursprünglichen Mission vollkommen intakt im Weltraum auf einer Umlaufbahn um die Sonne. Das erlaubte den Beginn der "erweiterten Mission" – Hayabusa2# SHARP. Am 5. Juli 2026 erreichte das Raumfahrzeug sein "Zwischenziel", den Asteroiden Torifune, und führte Beobachtungen durch. Der Vorbeiflug zielte darauf ab, eine hochpräzise Bahnsteuerung zu demonstrieren und Technologien zu entwickeln, die für die Durchführung gezielter Bahnänderungen an einem Asteroiden einsetzbar sind. Das zweite Ziel der Mission Hayabusa2# SHARP ist ein weiteres Rendezvous mit einem Asteroiden im Jahr 2031, um dort Erkundungen anzustellen. Ziel ist dann der winzige Planetoid 1998 KY26.

Initiativen wie diese spielen eine wichtige Rolle beim Schutz der Erde vor Asteroideneinschlägen, also der "Planetenabwehr" oder im Englischen "Planetary Defence" und tragen dazu bei, das Risiko von Asteroideneinschlägen in Zukunft zu mindern. Unter Planetenabwehr versteht man Bemühungen, sich der Erde nähernde Asteroiden und andere Himmelskörper frühzeitig zu identifizieren und zu überwachen sowie Maßnahmen zu ergreifen, um Schäden zu verhindern, falls die Gefahr einer Kollision mit der Erde besteht. Da solche Einschläge von Himmelskörpern eine Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellen würden, die über nationale Grenzen hinausgeht, werden diese Bemühungen im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit unter Federführung der Vereinten Nationen vorangetrieben.

Gegenwärtig weiß man von rund 12.000 Asteroiden im Katalog der 140 Meter und größeren Asteroiden und etwa 32.000 kleineren Asteroiden, dass sie als "Near Earth Objects" (NEOs) Flugbahnen haben, die sich mit der Bahn der Erde um die Sonne schneiden oder ihr sehr nahekommen. Etwa 2.500 von diesen Asteroiden fallen in die Kategorie "potenziell gefährlich" (Englisch: Potentially Hazardous Asteroids, PHA). Sie sind mindestens 140 Meter groß und kommen der Erdumlaufbahn bis auf 7,5 Millionen Kilometer nahe. Das entspricht etwa dem 20-fachen Abstand Erde-Mond. Die Bahnen dieser PHAs sind in der Regel sehr genau bekannt und werden permanent überwacht. Gegenwärtig gibt es keinen PHA, der in absehbarer Zeit mit der Erde kollidieren würde. Allerdings kann schon das Eindringen eines unter 100 Meter großen Asteroiden in die Erdatmosphäre massive Schäden auf der Erde anrichten.

Hayabusa2# wird vor allem aus den folgenden zwei Perspektiven zur planetaren Verteidigung beitragen: Der Vorbeiflug am 5. Juli 2026 am Asteroiden Torifune wurde mit einer extrem hohen Geschwindigkeit sehr nah am Asteroiden vorbei durchgeführt. Ziel solcher Manöver ist es, grundlegende Daten für die Technologie zu gewinnen, die erforderlich ist, um eine Sonde so präzise zu steuern, dass sie gezielt mit kleinen Himmelskörpern kollidieren könnte, um deren Bahn zu verändern. Das zweite Ziel dieser "erweiterten Mission" ist die Erforschung ultrakleiner und schnell rotierender Asteroiden.

Nach Torifune wird die Raumsonde im Jahr 2031 den Asteroiden 1998 KY26 erreichen, dessen Durchmesser auf etwa elf Meter geschätzt wird und der extrem schnell rotiert. Ein Tag auf 1998 KY26 dauert nur 5,4 Minuten. Da das Risiko besteht, dass solche kleinen Himmelskörper den Durchflug durch unsere Atmosphäre überstehen und mit der Erde kollidieren oder in geringer Höhe durch den Atmosphäreneintritt explodieren könnten, stellt das Verständnis der physikalischen Struktur dieser schnell rotierenden kleinen Körper – beispielsweise, ob es sich um monolithisches Gestein oder um ein Aggregat aus Gesteinsbrocken mit vielen Hohlräumen zwischen den Gesteinsfragmenten handelt – äußerst wichtige Daten für künftige Maßnahmen zur Vermeidung von Einschlägen auf der Erde dar. Zuletzt wurde am 9. Juni bestätigt, dass im Anflug auf Torifune der Betrieb der Ionenantriebe am 6. Juni 2026 um 18:33 Uhr MESZ erfolgreich abgeschlossen wurde. Torifune wurde mit der Kamera von Hayabusa2# zwischen dem 20. und 21. Juni aus sieben Millionen Kilometer Distanz gesichtet.

Seit der Rückkehr der Wiedereintrittskapsel zur Erde im Dezember 2020 hat das Hayabusa2#-Projektteam die erweiterte Mission durchgeführt. Im Verlauf der erweiterten Mission kam es bei drei der vier Ionenantriebe – A, C und D – zu einem unerwarteten Anstieg der Neutralisator-Spannung, was auf eine Leistungsminderung hindeutet. Infolgedessen wurde ausschließlich das Ionenantriebsmodul B betrieben, um den Vorbeiflug an Torifune am 5. Juli um 18:30 Uhr japanischer Zeit (11.30 Uhr in Mitteleuropa), zu realisieren. Bis zum 9. Juni hat der Ionenantrieb B insgesamt 8143 Betriebsstunden erreicht. Damit hat das Ionenantriebssystem bereits einen Gesamtimpuls erreicht, der etwa 20 Prozent über dem der Motoren der ersten Hayabusa-Mission liegt, mit der 2009 der Asteroid Itokawa erreicht und beprobt wurde. Nach dem Vorbeiflug an Torifune wird das Ionenantriebsteam mit den Vorbereitungen für den im Dezember 2027 geplanten Vorbeiflug an der Erde beginnen, bei dem die Flugbahn in Richtung des Asteroiden 1998 KY26 umgelenkt wird.

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