|
Gemeinsame Bewerbung von Sardinien und der Lausitz
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Technischen Universität Dresden astronews.com
20. Juli 2026
Wo soll das Einstein Telescope entstehen, das ab
Mitte der 2030er Jahre neue Maßstäbe bei der Beobachtung von Gravitationswellen
setzen soll? Jetzt haben deutsche und italienische Forschungseinrichtungen
vereinbart, für den Aufbau des Einstein Telescope zu kooperieren.
Geplant sind zwei L-förmige Messanlagen für Gravitationswellen – eine in der
Lausitz und eine auf Sardinien.

So könnten die unterirdischen Tunnel des Einstein
Telescope auf Sardinien und in der Lausitz einmal aussehen.
Bild: INFN, Communication Office [Großansicht] |
Die Kandidatenregionen Lausitz und Sardinien gehen ihren gemeinsamen Weg zum
Einstein Telescope (ET) konsequent weiter: Führende deutsche und
italienische Wissenschaftseinrichtungen haben am 17. Juli 2026 in Nuoro auf
Sardinien eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet und damit eine gemeinsame
Bewerbung für die europäische Forschungsinfrastruktur beschlossen. Auf deutscher
Seite wird die Kooperation von der Technischen Universtität Dresden (TUD) und
dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) getragen. Zu den italienischen
Partnern gehören das Istituto Nazionale di Fisica Nucleare (INFN), das Istituto
Nazionale di Astrofisica (INAF) sowie das Istituto Nazionale di Geofisica e
Vulcanologia (INGV).
Die Vereinbarung bildet die Grundlage für die wissenschaftliche
Zusammenarbeit im Rahmen der sogenannten "Doppel-L"-Konfiguration, bei der das
Einstein Telescope künftig aus zwei komplementären L-förmigen Interferometern
bestehen soll – einem in der Lausitz und einem auf Sardinien. "Es ist ein
weiterer Schritt unserer Partnerschaft als Standortbewerber bei der Realisierung
des europäischen Großprojekts Einstein Telescope", so Sachsens
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow. "Sardinien und Sachsen arbeiten zusammen
an einer Vision für diese einzigartige Forschungsinfrastruktur. Die zwischen
führenden italienischen und deutschen Wissenschaftseinrichtungen besiegelte
Vereinbarung unterstützt unsere gemeinsame Kandidatur für ein geteiltes
unterirdisches Gravitationswellen-Messgerät und fördert die Zusammenarbeit über
nationale Grenzen hinweg."
"Die Kooperationsvereinbarung ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der
Lausitz hin zu einem Standort für das Einstein Telescope", betont auch
Professorin Ursula M. Staudinger, Rektorin der TU Dresden. "Sie unterstreicht
den europäischen Gedanken dieses einzigartigen Forschungsprojekts und steht für
unseren Anspruch, wissenschaftliche Exzellenz über Ländergrenzen hinweg zu
gestalten. Als Exzellenzuniversität bringt die TUD ihre Stärken in den Bereichen
Hochleistungsrechnen, KI-gestützte Datenanalyse, Optoelektronik und
Präzisionsmesstechnik ein. Zugleich bietet das ET die große Chance, diese
Schlüsseltechnologien wissenschaftlich und technologisch weiterzuentwickeln. Wir
unterstützen diese gemeinsame europäische Bewerbung mit ganzer Kraft."
"Wir werden künftig in Europa beim Einstein Telescope noch enger
zusammenarbeiten", so Prof. Christian Stegmann, wissenschaftlicher Co-Leiter der
Machbarkeitsstudie für das zukünftige Einstein Telescope in der Lausitz an der
TU Dresden. "Diese Zusammenarbeit reicht weit über die eigentliche
Forschungsinfrastruktur an den beiden Standorten in der Lausitz und auf
Sardinien hinaus. Sie verbindet Wissenschaft, Innovation und Menschen in ganz
Europa."
"Wir sind überzeugt, dass die Umsetzung des Einstein Telescope in
Form von zwei L-förmigen Interferometer-Detektoren die besten Voraussetzungen
für den Erfolg des Projekts schafft", ist auch Prof. Antonio Zoccoli, Präsident
des INFN, überzeugt. "Diese Vision geht über die Zusammenarbeit der beiden
Kandidatenstandorte hinaus und ebnet den Weg für eine wirklich europäische
Forschungsinfrastruktur, die alle Partner in den Aufbau eines bedeutenden
verteilten Netzwerks für die Gravitationswellenforschung einbindet.“
Mit der Vereinbarung setzen die Partner ein deutliches Signal für den
gemeinsamen Aufbau einer europäischen Spitzenforschungsinfrastruktur. Das
Einstein Telescope zählt zu den wichtigsten Forschungsinfrastrukturvorhaben
Europas und ist zugleich eines der priorisierten Großvorhaben des
Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die
Kooperationsvereinbarung knüpft an die Absichtserklärung an, die der Freistaat
Sachsen und die Autonome Region Sardinien im Januar 2026 unterzeichnet haben.
Das Einstein Telescope ist die geplante europäische
Forschungsinfrastruktur der nächsten Generation zur Beobachtung von
Gravitationswellen. Mit einer gegenüber heutigen Detektoren deutlich höheren
Empfindlichkeit soll es neue Einblicke in die Entstehung Schwarzer Löcher und
Neutronensterne, die Entwicklung des Universums sowie grundlegende physikalische
Fragestellungen ermöglichen. Für den Bau der Forschungsinfrastruktur gibt es
derzeit drei international anerkannte Kandidatenregionen: die Lausitz, Sardinien
sowie die Euregio Maas-Rhein. Die Standortentscheidung wird für die zweite
Hälfte des Jahres 2027 erwartet.
|