Anzeige
 Home  |  Nachrichten  | Frag astronews.com  | Bild des Tages  |  Kalender  | Glossar  |  Links  | Forum  | Über uns    
astronews.com  
Nachrichten

astronews.com
astronews.com

Der deutschsprachige Onlinedienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt

Home  : Nachrichten : Teleskope : Artikel [ Druckansicht ]

 
NANCY GRACE ROMAN
Neues Weltraumteleskop erfolgreich gestartet
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie
astronews.com
31. August 2026

Das NASA-Weltraumteleskop Nancy Grace Roman ist gestern erfolgreich ins All gestartet. Eine seiner Hauptaufgaben ist die Erforschung von Dunkler Materie und Dunkler Energie. Ein zweiter Schwerpunkt sind extrasolare Planeten. Einige will man auch direkt mit einem Koronographen abbilden. Ein wichtiger Beitrag dazu stammt aus Deutschland.

Roman

Künstlerische Darstellung des Weltraumteleskop Nancy Grace Roman. Bild: NASA Goddard Space Flight Center / Scientific Visualization Studio [Großansicht]

Das NASA-Weltraumteleskop Nancy Grace Roman ist gestern nach einer Bauzeit von rund zehn Jahren vom Kennedy Space Center in Florida an Bord einer Trägerrakete des Typs Falcon Heavy von SpaceX ins All gestartet. Eine Hauptaufgabe des Teleskops während seines mindestens fünf Jahre dauernden Betriebs ist die Erforschung der Geschichte des Weltalls sowie der Beiträge Dunkler Materie und Dunkler Energie zur Expansion und zur Entstehung der großräumigen Struktur des Kosmos. Dabei ergänzen sich die Messungen mit denen des Weltraumteleskops Euclid der Europäischen Weltraumorganisation ESA, das seit 2023 ähnliche Ziele verfolgt.

Zusätzlich wird Roman viele neue Exoplaneten entdecken, wobei unter anderem das Messinstrument CGI (Coronagraph Instrument) zum Einsatz kommt, an dessen Entwicklung und Bau das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg als einziger direkter deutscher Partner der NASA maßgeblich beteiligt ist. Das Team am MPIA hat unter der Leitung von Oliver Krause aus der Abteilung "Planetenentstehung und Exoplaneten" zentrale optomechanische Elemente für das CGI, die Precision Alignment Mechanisms (PAM), geplant, entwickelt, gefertigt und getestet. Die Firma von Hoerner & Sulger in Schwetzingen hat den Bau unterstützt.

"Das CGI an Bord des Weltraumteleskops Roman ist das anspruchsvollste optische Beobachtungsinstrument, das bislang im Weltall zur Forschung eingesetzt wurde", sagt Krause. Weiterhin beteiligt sich das MPIA an der Entwicklung der Auswertesoftware für die technischen und wissenschaftlichen Daten sowie an der Vorbereitung der Beobachtungen. Die Messungen werden durch ein NASA-Gremium, das Community Participation Program (CPP) koordiniert, dessen Kernteam Krause als lokaler Projektleiter angehört. Von Seiten des MPIA verantwortet Wolfgang Brandner im CPP die Beobachtungen zum Nachweis von Gasplaneten im sichtbaren Licht und Gaël Chauvin wirkt bei den Beobachtungsvorbereitungen mit.

Anzeige

Während der Inbetriebnahme des Teleskops werden die Mitglieder des CCP rund um die Uhr an der Datenauswertung arbeiten. "Durch die weltweite Verteilung des CPP mit Mitgliedern in den USA, Japan und Europa können unsere Datenanalysten ihre Aufgaben jedoch während der normalen Arbeitszeit erledigen", sagt Brandner. Im Regelbetrieb werden alle Daten dann unmittelbar nach der Verarbeitung im Roman Science Support Center der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Mit dem CGI wird ein innovatives Instrumentendesign getestet, das die direkte Abbildung und die Spektroskopie von Exoplaneten auf engen Umlaufbahnen um ferne Sterne ermöglicht. Seine optischen Elemente – Masken, verformbare Spiegel und Sensoren – werden das störende Sternlicht ausblenden, sodass das schwache, von den Planeten reflektierte Licht für die Forschung sichtbar wird. Ziel des CGI ist es, Planeten und Staubscheiben um nahe Sterne im sichtbaren Licht aufzunehmen.

Thomas Henning, Direktor der Abteilung in der Zeit, in der die MPIA-Arbeiten am Roman-Teleskop initiiert wurden, sagt: "Dadurch lassen sich Gasplaneten untersuchen, die älter und kälter sind und ihren Stern auf engeren Bahnen umkreisen als die warmen, jungen Riesenplaneten, die bisher durch direkte Abbildung entdeckt wurden." Dafür kombiniert das CGI erstmals zwei gängige Beobachtungstechniken für den Einsatz im All: die Koronografie und die adaptive Optik.

Koronografen werden verwendet, um mithilfe spezieller Masken helle Objekte auszublenden und so schwächere Himmelskörper in ihrer Nähe sichtbar zu machen. Allerdings führen die eingesetzten Masken rund um die abgeblendeten Sterne gewöhnlich zu starken Bildartefakten. Deswegen finden Astronominnen und Astronomen mit dieser Methode fast ausschließlich Riesenplaneten aus Gas, ähnlich dem Jupiter, die in relativ großer Entfernung vom Zentralstern ihre Bahnen ziehen.

Für kleinere Planeten mit engeren Umlaufbahnen müssen die Störeffekte verringert werden. Aus diesem Grund verfügt das CGI zusätzlich über eine adaptive Optik, die einen höheren Helligkeitskontrast zwischen Stern und Planeten ermöglicht. Diese Technik finden wir üblicherweise in Teleskopen am Erdboden. Dort hilft sie, Störungen in der Abbildung durch Luftunruhen in der Erdatmosphäre zu eliminieren. Für Weltraumkameras stellt die benötigte Rechenleistung allerdings eine neue Herausforderung dar.

Das CGI ist so konstruiert, dass es einen Planeten nachweisen kann, dessen naher Mutterstern eine Milliarde Mal so hell ist, was in etwa dem Unterschied zwischen Jupiter und der Sonne entspricht. Gegenüber den heutigen Fähigkeiten entspricht das einer bis zu tausendfachen Verbesserung. Ein eingebauter Spektrograf ermöglicht sodann, die Zusammensetzung der Atmosphäre dieser Planeten zu erforschen. Damit das gelingt, müssen die vom MPIA gefertigten PAMs eine außerordentlich hohe Genauigkeit und Stabilität bei der Positionierung der optischen Elemente wie Filter, Koronografen und Spiegel während mehrerer Stunden gewährleisten.

Im Betrieb dürfen die PAMs über acht Stunden hinweg maximal um einen Winkel von 40 Millibogensekunden verkippen (3,6 Millionen Millibogensekunden entsprechen einem Winkelgrad). Das entspricht einem Winkel, den man erhält, wenn man von Heidelberg aus die Größe eines Menschen in Los Angeles wahrnehmen könnte. Bei einem erfolgreichen Abschluss der CGI-Mission könnte die verwendete Technologie für zukünftige Weltraumteleskope, etwa das Habitable Worlds Observatory, weiter optimiert werden. Die direkte Abbildung einer zweiten Erde wäre dann in greifbarer Nähe.

Das Teleskop wird nicht die Erde umkreisen, sondern am sogenannten zweiten Lagrange-Punkt des Systems Erde-Sonne stationiert sein. Es ist dort ungefähr 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Die Inbetriebnahme des Teleskops wird ungefähr drei Monate dauern, mit den ersten Bildern rechnet man bei der NASA Anfang des kommenden Jahres.

Das Weltraumteleskop Nancy Grace Roman (zunächst entwickelt als Wide-Field Infrared Survey Telescope, WFIRST) wurde unter der Leitung der NASA entwickelt. Das Teleskop ist nach der Astronomin Nancy Grace Roman benannt, die jahrzehntelang astronomische Forschungsprogramme der NASA leitete. Unter anderem war sie für die wissenschaftliche Planung des Weltraumteleskops Hubble verantwortlich. Der Durchmesser des Hauptspiegels beträgt 2,4 Meter und ist ähnlich dem des Hubble-Weltraumteleskops.

Forum
Neues Weltraumteleskop Nancy Grace Roman erfolgreich gestartet.  Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
NASA: Vorgeschlagene Kürzungen bedrohen astrophysikalische Forschung - 14. April 2025
Nancy Grace Roman Space Telescope: Auf dem Weg zur Entdeckung der zweiten Erde - 15. August 2024
Links im WWW
Max-Planck-Institut für Astronomie
In sozialen Netzwerken empfehlen
 
 
Anzeige
astronews.com 
Nachrichten Forschung | Raumfahrt | Sonnensystem | Teleskope | Amateurastronomie
Übersicht | Alle Schlagzeilen des Monats | Missionen | Archiv
Weitere Angebote Frag astronews.com | Forum | Bild des Tages | Newsletter
Kalender Sternenhimmel | Startrampe | Fernsehsendungen | Veranstaltungen
Nachschlagen AstroGlossar | AstroLinks
Info RSS-Feeds | Soziale Netzwerke | astronews.com ist mir was wert | Werbung | Kontakt | Suche
Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Cookie-Einstellungen
     ^ Copyright Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999-2023. Alle Rechte vorbehalten.  W3C
Diese Website wird auf einem Server in der EU gehostet.

© astronews.com / Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999 - 2020
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


URL dieser Seite: https://www.astronews.com:443/news/artikel/2026/08