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PHYSIK-NOBELPREIS
Nobelpreis für den Vater des Neutrino-Observatoriums IceCube
von Stefan Deiters
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6. Oktober 2026

Ein Forscher aus dem Bereich der Astroteilchenphysik bekommt den diesjährigen Nobelpreis für Physik: Wie die schwedische Akademie der Wissenschaften heute in Stockholm bekannt gab, geht der mit zwölf Millionen Schwedischen Kronen dotierte Preis an den in Belgien geborenen Neutrinoforscher Francis Halzen, den wissenschaftlichen Vater des IceCube-Neutrino-Observatoriums in der Antarktis.

Halzen

Prof. Francis Halzen, Physik-Nobelpreisträger 2026. Bild: Niklas Elmehed / Nobel Prize Outreach [Großansicht]

 Der 1944 geborene Francis Halzen arbeitet heute an der Universität Wisconsin–Madison in den USA und erhielt den Preis "für seine entscheidenden Beiträge zum Neutrino-Observatorium IceCube und zur Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs". Neutrinos sind überall, sind aber extrem schwer zu detektieren: Sie haben keine elektrische Ladung und fast keine Masse und durchdringen in der Regel Materie unbemerkt - auch die Erde und jeden Menschen. Nur äußerst selten kommt es dabei zu einer Kollision mit einem Atomkern.

Eine wichtige Neutrinoquelle ist unsere Sonne, Neutrinos kommen aber auch aus anderen Regionen des Weltraums und können auf diese Weise ein neues Licht auf die Objekte und die hochenergetischen Vorgänge werfen, durch die sie entstanden sind. Dazu muss man sie allerdings erst einmal nachweisen. Halzen erkannte, dass sich das Eis am Südpol für die Beobachtung von Neutrinos nutzen lassen könnte. 1988 stellte er diese Idee erstmals der Fachöffentlichkeit vor: Wenn ein Neutrino mit einem Atomkern kollidiert, erzeugt es einen Lichtblitz, der von Sensoren im klaren Gletschereis erfasst werden könnte. Das Eis am Südpol würde dazu ideale Voraussetzungen bieten, zudem sei die Region geologisch stabil. Die Idee fand bald die Unterstützung anderer Forscher und bald wurde mit ersten Tests von Sensoren im Eis und schließlich der Bau des Observatoriums begonnen.

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In der Astrophysik war schon seit Längerem bekannt, dass es im Universum natürliche Teilchenbeschleuniger gibt, die Teilchen mit Energien aussenden, die bis zu einer Million Mal höher sind als die, die in Laboren auf der Erde erreicht werden können. Unklar war allerdings, um was für Quellen es sich handelte und welche Prozesse beteiligt sind. Neutrinos mit extrem hohen Energien entstehen in denselben Umgebungen wie andere Teilchenarten, erreichen uns im Gegensatz zu anderen Teilchen allerdings ohne ihre Richtung zu ändern oder Energie zu verlieren. Daher enthalten sie Informationen, die auf andere Weise nicht verfügbar sind.

Da diese kosmischen Neutrinos aber – anders als die Neutrinos von der Sonne – sehr selten sind, ist ein enormes Eisvolumen erforderlich, um eine ausreichende Anzahl von Kollisionen zu beobachten. IceCube umfasst einen ganzen Kubikkilometer Eis und wurde 2011 fertiggestellt. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher entdeckten schon bald nach Beobachtungsbeginn die ersten hochenergetischen Neutrinos. Einige Jahre später war man sich sicher, dass die detektierten Neutrinos tatsächlich von weit außerhalb unseres Sonnensystems kamen. Nun galt es die Quellen dieser Neutrinos aufzuspüren. Und auch dies gelang: So ließ sich beispielsweise ein mit IceCube nachgewiesenes Neutrino zu einem supermassereichen Schwarzen Loch in einer fernen Galaxie zurückverfolgen, dem ein Stern zu nahe gekommen und dann von dessen gewaltiger Schwerkraft zerstört worden war.

"Francis Halzen hat ein internationales Team aus Forschern und Ingenieuren geleitet, das uns ein fantastisches Instrument beschert hat. Seine Beharrlichkeit und seine wissenschaftliche Weitsicht haben den Weg für eine neue Art der Astronomie geebnet", sagt Mark Pearce, Vorsitzender des Nobelpreiskomitees für Physik bei der Verkündung des Preisträgers.

Die von IceCube kontinuierlich erfassten Neutrino-Wechselwirkungen werden den Forscherinnen und Forschern auch in Zukunft neue Erkenntnisse über die sehr speziellen Regionen liefern, in denen hochenergetische Neutrinos entstehen können – und könnten sogar bisher unbekannte kosmische Phänomene aufdecken. IceCube wurde modernisiert und aufgerüstet, so dass es auch weiterhin in der ersten Liga der Neutrino-Observatorien mitspielen können wird. 

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siehe auch
IceCube: Neutrino-Observatorium am Südpol mit neuen Sensoren - 17. Februar 2026
IceCube: Neutrino-Flugbahnen in Echtzeit detektieren - 2. September 2025
IceCube: Kosmische Neutrinos aus der Milchstraße identifiziert - 4. Juli 2023
IceCube: Energiereiche Neutrinos aus dem Zentrum von Messier 77 - 8. November 2022
IceCube: Das erste Neutrino von einem zerrissenen Stern - 23. Februar 2021
IceCube: Kosmisches Neutrino mit Rekordenergie - 4. August 2015
Neutrinos: Teleskop im Eis misst Oszillationen - 27. März 2015
IceCube: Neutrinos aus dem fernen All - 21. November 2013
IceCube: Weltgrößtes Neutrino-Teleskop fertiggestellt - 20. Dezember 2010
 
Links im WWW
The Nobel Prize
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