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Saturnmond könnte lebensfreundlicher sein als gedacht
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Freien Universität Berlin astronews.com
29. September 2026
Der Saturnmond Enceladus ist vielleicht lebensfreundlicher als
angenommen. Das ergab eine jetzt vorgestellte Studie, in deren Rahmen
umfangreiche Laborexperimente durchgeführt worden waren. Eine zweite Studie
lässt vermuten, dass mögliches Leben zudem deutlich leichter entdeckt werden
könnte als gedacht. Eine gute Nachricht für künftige Missionen zu Enceladus.

Der Saturnmond Enceladus in einer Aufnahme der
NASA-Sonde Cassini.
Foto: NASA / JPL-Caltech / Space
Science Institute [Großansicht] |
Wie groß sind die Chancen, außerirdisches Leben in unserem Sonnensystem zu
finden? Eine jetzt erschienene Studie unter Leitung des Planetologen der Freien
Universität Berlin, Prof. Dr. Frank Postberg, zeigt, dass sich die Bestandteile
des unter einer Eiskruste verborgenen Ozeans des Saturnmondes Enceladus leichter
nachweisen lassen, als bislang gedacht. Eine weitere Studie legt zudem nahe,
dass bestimmte Mikroorganismen mit den Bedingungen in Ozean des Enceladus besser
zurechtkommen könnten als angenommen, was die Chancen erhöht, Spuren des Lebens
auf dem Saturnmond zu finden.
Enceladus gilt als einer der vielversprechendsten Orte für die Suche nach
außerirdischem Leben in unserem Sonnensystem. Unter seiner dicken Eiskruste
verbirgt sich ein globaler Ozean aus flüssigem Wasser, darunter liegt ein
Gesteinskern. Aus Rissen in der Eiskruste am Südpol schießen gewaltige, vom
Ozean gespeiste Fontänen aus Wasserdampf und winzigen Eispartikeln mehrere
hundert Kilometer weit ins All. Die NASA-Raumsonde Cassini durchflog
diese Fontänen mehrfach und analysierte ihre Zusammensetzung. Der Enceladus-Ozean
ist damit das einzige außerirdische "Gewässer", von dem bislang Material direkt
untersucht werden konnte. Nachgewiesen wurden unter anderem Salze und organische
Verbindungen. Frühere Cassini-Analysen lieferten zudem Hinweise auf
hydrothermale Prozesse am Meeresboden und weitere wichtige Voraussetzungen für
lebensfreundliche Bedingungen.
Die neue Studie liefert nun überraschende Erkenntnisse darüber, was mit dem
Ozeanwasser auf seinem Weg ins All geschieht. Mithilfe von Cassini-Daten,
jahrelangen Laborexperimenten und theoretischen Modellierungen konnten die
Forschenden diesen Prozess rekonstruieren. Durch platzende Gasblasen an der
Ozeanoberfläche entstehen kleine Tröpfchen. Sie werden von Wasserdampf durch
Spalten in der Eiskruste Richtung Weltall getragen. Anders als bislang
angenommen, gefrieren sie nicht schlagartig, sondern langsam. Dabei trennen sich
ihre Bestandteile (auch zuvor gelöste) voneinander: Salze und organische Stoffe
sammeln sich an unterschiedlichen Stellen im gefrierenden Tröpfchen. Auch werden
z. B. zuvor gelöste Salzarten wie Natriumchlorid (Kochsalz) und Natriumkarbonate
voneinander getrennt.
Auf dem Weg nach oben beschleunigen die gefrorenen Tröpfchen auf
Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Kilometer pro Stunde. Stoßen sie gegen die
Wände der Eisspalten, zerbrechen sie in nur wenige Mikrometer große Fragmente
bevor sie in All hinausschießen. Viele dieser Eispartikel enthalten dadurch
überwiegend eine einzige der zuvor abgetrennten Substanzen – diese jedoch in
stark erhöhter Konzentration. "Enceladus übernimmt damit gewissermaßen einen
Teil der Probenvorbereitung, für die wir in einem chemischen Labor auf der Erde
erheblichen Aufwand betreiben würden", so Postberg. "Die Bestandteile des Ozeans
werden voneinander getrennt und zugleich in einzelnen Eispartikeln stark
angereichert."
Dieser Mechanismus ist bei der Untersuchung von Enceladus‘ Eisfontänen nicht
nur für die Charakterisierung des Ozeans als möglichen Lebensraum hilfreich,
sondern auch besonders interessant für die Suche nach Biosignaturen, also
messbaren Hinweisen auf Leben. Befände sich mikrobielles Material in einem
Ozeantröpfchen, könnte es beim Gefrieren von anderen Bestandteilen getrennt
werden. Nach dem Zerbrechen wäre es möglicherweise nur in wenigen Eispartikeln
enthalten – dort jedoch vergleichsweise rein und in hoher Konzentration. "Für
die Suche nach Leben ist das eine gute Nachricht", sagt Postberg. "Künftige
Raumsonden müssten zwar beim Durchflug durch Enceladus‘ Eisfontänen viele
einzelne Eispartikel untersuchen. Träfen sie aber auf eines mit mikrobiellem
Material, könnten sich Biosignaturen darin mit bereits verfügbarer Messtechnik
besonders gut erkennen lassen." Der Befund könnte für künftige
Weltraum-Missionen zu Enceladus, wie die derzeit in Planung befindliche
L4-Mission der ESA, von großer Bedeutung sein, die dort gezielt nach Spuren von
Leben suchen soll.
Bereits frühere Laborstudien an der Freien Universität Berlin haben gezeigt,
dass sich Zellmaterial in einzelnen ausgestoßenen Eispartikeln mit geeigneten
Instrumenten grundsätzlich nachweisen ließe. Aber könnte Leben auf Enceladus
überhaupt existieren? Auch dazu gibt es neue Erkenntnisse: Zeitgleich erschien
eine weitere Studie unter Leitung der Ludwig-Maximilians-Universität in München,
an der auch Postberg und sein Kollege Dr. Nozair Khawaja beteiligt war. Die Forschenden stellten dafür im Labor die
nahezu sauerstofffreie, stark alkalische (pH-Werte 10 bis 11) und karbonathaltige Umgebung des Enceladus-Ozeans und deren hydrothermale
Wechselwirkung mit dem Gestein des Ozeanbodens nach. Anschließend setzten sie
den Mikroorganismus Methanothermococcus okinawensis diesen Bedingungen aus. Er
gehört zu den methanbildenden Archaeen – Einzellern, die auf der Erde etwa an
heißen Tiefseequellen vorkommen. Sie kommen ohne den auf Enceladus raren
Sauerstoff aus und benötigen für ihren Energiestoffwechsel Wasserstoff und
Kohlendioxid.
Das überraschende Ergebnis: In einem normalerweise für die Mikroorganismen
optimalen Nährmedium konnten sie bei den für Enceladus ermittelten hohen
pH-Werten nicht überleben, da es an gelöstem Kohlendioxid fehlt. Unter den im
Labor nachgebildeten Enceladus-Bedingungen vermehrten sie sich dagegen trotz der
für sie eigentlich viel zu hohen pH-Werte weiter. Sie nutzten den auf Enceladus
durch die Gesteinswechselwirkung generierten Wasserstoff als Energiequelle und
produzierten Methan. Selbst mit den sehr geringen Mengen Kohlendioxid kamen sie
zurecht, da die speziellen Bedingungen auf Enceladus zu einer überraschenden
Anpassung ihres Stoffwechsels führten. "Damit haben wir wirklich nicht gerechnet",
so Khawaja. "Es war ein
Experiment bei dem wir einen solchen Erfolg für unwahrscheinlich gehalten
haben."
Zusammen zeichnen die beiden Studien
damit ein neues Bild: "Auf Enceladus könnten die besonderen geochemischen
Eigenschaften auch bei hohen pH-Werten einen der ältesten bekannten irdischen
Stoffwechselwege des Lebens ermöglichen. Das heißt bei weitem nicht, dass es
dort tatsächlich Leben gibt", betont Postberg. "Aber falls doch, so zeigt
unsere erste Studie, dass künftige Raumsonden nun gute Chancen haben könnten, in
einigen ausgestoßenen Eispartikeln seine Spuren zu entdecken".
Die Ergebnisse der beiden Studien sind in zwei Fachartikeln erschienen, die in der
Fachzeitschrift
Science Advances veröffentlicht wurden.
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