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Ein Experimentallabor im Erdorbit
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
2. Oktober 2026
Mit zahlreichen anderen Kleinsatelliten ist gestern im
Rahmen der Mission Transporter 18 auch der deutliche Satellit ATHENE-1 von der
Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gestartet. Die Steuerung
erfolgt durch das nationale Raumfahrtkontrollzentrum des DLR in
Oberpfaffenhofen. Mit dem Satelliten sollen verschiedene Technologien auf ihre
Weltraumtauglichkeit getestet werden.

Start der
Transporter-18-Mission von SpaceX am gestrigen
Donnerstag um 20:32 Uhr MESZ.
Foto: SpaceX [Großansicht] |
Der Technologiedemonstrator ATHENE-1 wurde gestern erfolgreich vom
US-amerikanischen Weltraumbahnhof Vandenberg Space Force Base in
Kalifornien gestartet. Der von der OHB-Tochter LuxSpace gemeinsam mit der
Universität der Bundeswehr München entwickelte und gebaute Kleinsatellit hob im
Rahmen der Transporter-18-Mission an Bord einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ab
und wurde planmäßig in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht. Gesteuert wird der
Satellit vom Nationalen Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des Deutschen Zentrums
für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. In Forschungsarbeiten des
GSOC sollen unter anderem neue Betriebskonzepte zur weitergehenden
Automatisierung erprobt werden. Zudem stellt das DLR zwei Instrumente an Bord
des Satelliten bereit.
ATHENE-1 ist das zentrale Element des Forschungsprojekts SeRANIS (Seamless
Radio Access Networks for Internet of Space), das von der Universität der
Bundeswehr München geleitet und vom Zentrum für Digitalisierungs- und
Technologieforschung der Bundeswehr (dtec.bw) gefördert wird. Ziel des Projekts
ist es, innovative Technologien schneller von der Forschung in die praktische
Anwendung zu überführen und deren Nutzen für zukünftige Weltraumfähigkeiten zu
demonstrieren.
Mit dem erfolgreichen Start beginnt die operative Phase der Mission. Das GSOC
stellt die erforderliche Bodeninfrastruktur für die Übertragung von
Telemetriedaten, die Übermittlung von Befehlen sowie die Überwachung und
Steuerung des Satelliten bereit. "Das GSOC in Oberpfaffenhofen ist als
Satellitenkontrollzentrum die zentrale Schnittstelle zwischen Satellit und dem
Bodensegment", sagt Dr. Anke Pagels-Kerp, DLR-Bereichsvorständin Raumfahrt.
"Gleichzeitig erforschen wir am GSOC die Abläufe und Methoden für die
Satellitenkontrolle von morgen, die hochautomatisiert von einer viel größeren
Satellitenanzahl in Megakonstellationen bis hinunter in niedrige Umlaufbahnen
geprägt sein wird. ATHENE-1 ist eine ideale Erprobungsplattform, um diese
zunehmende Automatisierung von Steuerungsabläufen real im All zu erproben."
Der knapp 300 Kilogramm schwere Satellit ATHENE-1 wird als Technologie- und
Erprobungsplattform für insgesamt 15 wissenschaftliche Experimente dienen. Das
DLR beteiligt sich mit dem Laserkommunikations-Terminal Cube1G sowie dem
Instrument LITE (Laser Interferometer for Thermal Expansion measurements) für
die Messung thermisch induzierter Verformungen neuer Materialien.
Im Fokus der Mission stehen neue Technologien für satellitengestützte
Kommunikation und Vernetzung, Aufklärung und Sensorik, Navigation sowie
KI-gestützte Datenverarbeitung direkt im Orbit. Zu diesen Technologien zählen
unter anderem Mobilfunksysteme der sechsten Generation (6G), Laserkommunikation
und das Internet der Dinge (IoT). Zudem werden Verfahren zur Erkennung,
Lokalisierung und Abwehr von Störungen erprobt, die zur Erhöhung der Resilienz
satellitengestützter Navigations- und Kommunikationssysteme beitragen sollen.
Darüber hinaus ermöglicht die Mission die Erprobung neuer Ansätze der
intelligenten Signal- und Datenverarbeitung sowie zukünftiger Anwendungen im
Sicherheitsbereich.
"Als wir SeRANIS vor sechs Jahren ins Leben gerufen haben, war unser Ziel,
neue Schlüsseltechnologien möglichst früh unter realen Bedingungen im Weltraum
zu erproben. Mit dem erfolgreichen Start von ATHENE-1 wird diese Vision
Realität. Die sicherheitspolitische Entwicklung der vergangenen Jahre konnten
wir nicht vorhersehen – aber das flexible Missionsdesign hat es uns ermöglicht,
auch neue Fragestellungen aufzunehmen", sagt Prof. Andreas Knopp, Initiator und
Programmleiter von SeRANIS an der Universität der Bundeswehr München.
Technologisch steht ATHENE-1 zudem für den Wandel hin zu Software-definierten
und rekonfigurierbaren Satellitensystemen. Die in der Mission erprobten
Technologien sollen es ermöglichen, Funktionen und Anwendungen auch nach dem
Start an neue Anforderungen anzupassen. Dadurch können Satelliten flexibler auf
neue Standards, Einsatzszenarien oder Störungen reagieren. "Der erfolgreiche
Start von ATHENE-1 ist ein bedeutender Meilenstein für das gesamte Projektteam
und ein starkes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Zusammenarbeit von
Wissenschaft und Industrie", sagt Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender von OHB.
"Mit der Mission schaffen wir die Grundlage, um entscheidende Erkenntnisse für
künftige Kommunikations-, Navigations- und Sicherheitsanwendungen zu gewinnen.
Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig
technologische Souveränität und resiliente Weltraumsysteme geworden sind."
Die ATHENE-1-Mission basiert auf der modularen Kleinsatellitenplattform
Triton-X Heavy von LuxSpace in Kombination mit einer von der Universität der
Bundeswehr München entwickelten multifunktionalen Experimentalnutzlast, deren
Integration am OHB-Standort Oberpfaffenhofen erfolgte. Für die Durchführung der
Startkampagne war OHB Orbital Access verantwortlich.
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