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ASTEROIDEN
Der Geburtsort von Bennu, Ryugu und Co.
Redaktion / idw / Pressemitteilung der ETH Zürich
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24. September 2026

Der Asteroid Bennu entstand wahrscheinlich nicht weit draußen im Sonnensystem, sondern in einer besonderen Übergangszone nahe der sogenannten Wasser-Eis-Grenze, als Jupiter selbst gerade wuchs. Das ergab die Analyse von Probenmaterial des Asteroiden, das im Rahmen der Mission OSIRIS-REx zur Erde gelangt ist. Auch der Asteroid Ryugu und CI-Meteoriten dürften in diesem Bereich entstanden sein.

Bennu

Der Asteroid Bennu, aufgenommen von der Sonde OSIRIS-REx. Bild: NASA / Goddard / University of Arizona[Großansicht]

Der Asteroid Bennu kreist in 1,2 Jahren einmal um die Sonne und nähert sich der Erde alle sechs Jahre auf rund 300.000 Kilometer. Diesen Umstand nutzte die NASA aus, um vom dem Himmelskörper Material zu gewinnen. In einer spektakulären Aktion sammelte die amerikanische Raumfahrtbehörde im Jahr 2023 mit ihrer Sonde OSIRIS-REx (die Abkürzung steht für "Origins Spectral Interpretation Resource Identification Security – Regolith Explorer") Proben von der Oberfläche des Asteroiden. Am 24. September 2023 landete der Probenbehälter mit rund 120 Gramm Asteroidenmaterial in der Wüste von Utah.

Von dort kam eine kleine, aber wertvolle Probe an die ETH Zürich: Maria Schönbächler, Professorin für Isotopengeochemie, erhielt ein halbes Gramm für Analysen. Das Labor der ETH-Forscherin begann sofort mit den Untersuchungen. Die Untersuchungen sind mittlerweile abgeschlossen. Sie zeigen nicht nur, welchen chemischen Fingerabdruck die Bennu-Mineralien tragen, sondern bieten auch neue Einsichten zur Entstehung unseres Sonnensystems.

Die ETH-Forschenden analysierten Isotope von Eisen, Titan und Chrom. Isotope sind Atome desselben Elements, die allerdings unterschiedlich schwer sind. Zusammengenommen bilden sie einen chemischen Fingerabdruck, den die Forschenden zur Bestimmung der Herkunft und bis zu einem gewissen Grad des Alters des Asteroiden nutzen können. Diese Messungen zeigen: Titan und Eisen sind in Bennu einheitlich verteilt. Sie deuten zudem darauf hin, dass Bennu einige nahe Verwandte hat: den Asteroiden Ryugu und die sogenannten CI-Meteoriten, eine Klasse von ursprünglichen, kohlenstoffreichen Gesteinskörpern, die auf der Erde nur sehr selten gefunden werden. Alle drei Himmelskörper haben einen gleichartigen Isotopen-Fingerabdruck, was darauf hinweist, dass sie im demselben kosmischen Staubreservoir entstanden. Sie unterscheiden sich bezüglich ihrer Isotopenzusammensetzung auch deutlich von anderen bekannten Asteroiden, Meteoritengruppen und Planeten.

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Bisher ging man davon aus, dass Asteroiden wie Bennu in den äußeren Regionen des Sonnensystems und erst spät in der Entwicklung unseres Sonnensystems gebildet wurden. Die neuen Daten sprechen gegen beide dieser Ansichten. Am wahrscheinlichsten ist, dass der Geburtsort von Bennu, Ryugu und auch der CI-Meteoriten nahe an der Wasser-Eis-Linie lag. Diese Grenze markiert den Ort, wo Wasserdampf gefriert. Hier, vor 4,5 Milliarden Jahren, vermischten sich Materialien aus der inneren und äußeren Region des sich ausgestaltenden Sonnensystems. Das Eis wiederum fungierte als Klebstoff, der feinste Staubteile miteinander verband.

"Bennu ist ein Mischling: Das Material passt weder eindeutig zum inneren noch zum äußeren Sonnensystem", sagt Schönbächler. Er trage Merkmale von beiden Regionen und sei in einer besonderen Zone entstanden, in der sich Materialströme aus beiden Regionen vermischten. Schönbächler und ihr Team schlagen daher folgendes Szenario vor, bei dem der Gasriese Jupiter eine Schlüsselrolle einnimmt. Dieser Gasriese entstand sehr früh durch Gravitationskräfte aus einer Staubwolke, nur eine Million Jahre nach der Geburt unserer Sonne. Rund um das Zentralgestirn bildete sich dann eine kreisende Scheibe aus Staub und Gas sowie Wassereis, in der sich weitere Planeten und Asteroiden durch ständige Materialaufnahme formierten. Durch sein schnelles Wachstum wirkte Jupiter wie ein Brückenpfeiler in dieser Scheibe: Er blockierte fast alles grobe Material, während feiner Staub aus verschiedenen Regionen der kreisenden Scheibe um ihn herumströmte und sich gleichmäßig in der Übergangszone nahe der Wassereis-Linie durchmischte. In dieser Region bildeten sich dann die Vorläufer von Bennu, Ryugu und den CI-Meteoriten.

Dieses Szenario erklärt zudem, warum das Material von Bennu wasserreich ist: Das Eis in der Nähe verdampfte, und ein Teil des Wasserdampfes kondensierte genau da wieder, wo sich Bennu bildete. Zugleich sorgte Jupiters Einfluss dafür, dass Bennu vor allem aus feinem Staub entstand. Das erklärt, weshalb Bennus Material chemisch dem der Sonne so ähnlich ist: der feine Staub, der in der Scheibe um die junge Sonne kreiste, wurde gründlich durchmischt – ein wenig wie feiner Staub zu Hause, der mit der Zeit einfach überall hinkommt. "Bennu könnte uns den besten Einblick in die ursprüngliche Mischung chemischer Elemente bieten, aus der die Gesteinsplaneten entstanden sind", so Schönbächler. Bennu sei ein sehr ursprünglicher Asteroid. Sein Material stamme aus der Geburtszeit unseres Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren und habe sich seither kaum verändert.

Durch die geochemische Analyse von Bennu verbessern die Forschenden das Verständnis wie unser Sonnensystem entstand und unter welchen Bedingungen sich Planeten bildeten. Weil Bennu reich an Wasser und organischem Material ist, liefert er zudem wichtige Puzzleteile zur Frage, wie die junge Erde zu den Bausteinen des Lebens kam.

"Wir fragen uns nun, ob weitere Asteroiden dieselbe Isotopensignatur besitzen wie Bennu und Ryugu", so Schönbächler. Offen ist auch, wie stark der junge Jupiter tatsächlich dazu beitrug, dass sich nur feine Staubpartikel zusammenklumpten. Weitere Forschungen wird künftig mehr Klarheit bringen. Die Untersuchungen am Bennu-Material sind abgeschlossen. Die ETH-Professorin wartet nun gespannt auf die japanische Sammelmission, die Ende Oktober dieses Jahres zum Marsmond Phobos gestartet wird. "Das wäre spannend, von diesem Material Proben zur Analyse in meinem Labor zu bekommen", sagt sie und wird sich sicherlich bei der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa dafür bewerben. Allerdings braucht sie etwas Geduld: Die Kapsel mit dem Phobos-Material dürfte erst 2031 zur Erde zurückkehren.

Über ihre Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Fachzeitschrift Science Advances erschienen ist.

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Links im WWW
Schönbächler, M. et al. (2026): Nucleosynthetic constraints on the origin of Bennu and CI-like asteroids, Sci. Adv., 12, eaei9107
ETH Zürich
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