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Auch unsere Sonne ist zu Superflares fähig
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung astronews.com
10. September 2026
Sonnenähnliche Sterne können in gigantischen
Strahlungsausbrüchen mehr Energie freisetzten als Billionen Wasserstoffbomben.
Jetzt wurden neue Hinweise dafür präsentiert, dass auch unsere Sonne zu solchen
Superflares fähig ist. Sonnenflecken können dabei häufig Ausgangspunkte von
Strahlungsausbrüchen sein. Der riesige Sonnenfleck von 1947 etwa hatte genug
Energie, einen Superflare auszulösen.

Historische Handzeichnung des großen
Sonnenflecks, der im April 1947 auf der Sonne zu
sehen war.
Bild: Mount Wilson Observatory [Großansicht] |
Die Sonne ist zu Großem fähig. In gewaltigen Ausbrüchen schleudert sie immer
wieder Teilchen und Strahlung ins All. Für technische Infrastruktur auf der Erde
kann das solare Bombardement gefährlich sein: Beispielsweise können Satelliten
und Transformatoren in Umspannwerken Schaden nehmen. Eine eindrucksvolle
Kostprobe ihrer Fähigkeiten bot die Sonne im Jahr 1859. Der Sonnensturm, der
beim sogenannten Carrington-Ereignis auf die Erde traf, war so stark, dass
Polarlichter bis in die Karibik zu sehen waren und die Empfängereinheiten in
Telegrafenämtern Funken sprühten.
Doch kann die Sonne noch mehr? Kann sie noch heftiger toben und sogenannte
Superflares erzeugen? Das sind Strahlungsausbrüche, die mehr Energie freisetzen
als Billionen Wasserstoffbomben und bisher direkt nur auf fernen Sternen
beobachtet wurden. Dieser Frage gehen Forschende des Max-Planck-Instituts für
Sonnensystemforschung (MPS) und der University of Colorado in einer
jetzt vorgestellten Studie nach. Darin finden sie einen weiteren Hinweis auf das
eruptive Können unseres Sterns.
Die Energiemenge, welche die Sonne bei einem Flare freisetzt, lässt sich nur
außerhalb der Erdatmosphäre direkt messen oder indirekt aus Daten und Aufnahmen
von Raumsonden ermitteln. Beides ist erst seit Beginn des Weltraumzeitalters vor
etwa 70 Jahren möglich. Seitdem hat es keinen Superflare gegeben. Doch dieser
Zeitraum ist bloß ein Wimpernschlag im Leben unseres 4,6 Milliarden Jahre alten
Sterns. "Einiges spricht dafür, dass auch die Sonne in großen Abständen
Superflares erzeugen kann. Einen direkten Beweis gibt es allerdings nicht",
erklärt MPS-Wissenschaftlerin Natalie Krivova.
Solche Hinweise liefert etwa ein Blick auf die viele tausend Sterne
umfassende "Peer-Group" der Sonne. Ende 2024 konnten Forschende des MPS zeigen,
dass es auf Sternen, die der Sonne in entscheidenden Eigenschaften ähneln, etwa
einmal im Jahrhundert zu einem Superflare kommt. Auch natürliche Archive solarer
Aktivität sprechen für das stürmische Temperament unseres Sterns: Vereinzelte,
kurzzeitige und außergewöhnlich starke Anstiege der Konzentrationen radioaktiver
Isotope in historischen Baumstämmen oder in den Bohrkernen aus dem ewigen Eis
der Arktis deuten darauf hin, dass die Erde in der Vergangenheit immer wieder
dem besonders starken Beschuss hochenergetischer Sonnenteilchen ausgesetzt war.
Ob die extremen Teilchenausbrüche mit Superflares einhergingen, ist unklar.
Ein Flare selbst, egal wie stark, hinterlässt keine langfristigen Spuren. "Nach
derzeitigem Forschungsstand treten extreme Teilchenausbrüche und besonders
heftige Strahlungsausbrüche oft, aber nicht immer gemeinsam auf", erläutert
MPS-Forscher Valeriy Vasilyev.
In ihrer neuen Studie gingen die Forschenden um Krivova nun einen neuen
Weg, das Wutpotential der Sonne auszuloten. Dabei werteten sie Messdaten aus,
welche die NASA-Raumsonde Solar Dynamics Observatory von 2010 bis 2016
aufgenommen hatte. Das Team setzte die freigesetzte Energiemenge der 300
stärksten Flares in diesem Zeitraum in Beziehung zur Größe der dazugehörigen
aktiven Region auf der sichtbaren Oberfläche der Sonne. Dies sind Gebiete, in
der das Magnetfeld besonders stark und komplex strukturiert ist.
Aktive Regionen gehen mit Sonnenflecken, dunklen Bereichen auf der
Sonnenoberfläche, einher und gelten als mögliche Ausgangsorte für Eruptionen.
"Natürlich wussten wir, dass es im Beobachtungszeitraum zu keinem Superflare
gekommen war", erklärt Krivova. "Aber die statistische Beziehung, die wir
zwischen freigesetzter Energie und Größe der aktiven Region gefunden haben,
dürfte sich zu stärkeren Ereignissen hin fortsetzen lassen", fügt sie hinzu.
In einem zweiten Schritt wandten sich die Forschenden den größten, bekannten
Sonnenflecken zu, die unseren Stern bisher überzogen haben. "Sonnenflecken
werden schon seit etwa 400 Jahren systematisch und regelmäßig erfasst", so
MPS-Wissenschaftler Theodosios Chatzistergos. "Sie bieten uns eine weitere
Möglichkeit, in die Geschichte unseres Sterns zu schauen." Aus der Größe des
Sonnenflecks konnten die Forschende auf die Größe der dazugehörigen aktiven
Region schließen – und so auf die Stärke einer möglichen Eruption.
Dabei interessieren sich vor allem für die seltenen Ausreißer mit besonders
hoher Energie. Einer der größten Sonnenflecken, den die Sonne seit Beginn
systematischer Sonnenbeobachtungen gezeigt hat, war der große Sonnenfleck vom
April 1947. Er überdeckte etwa 0,6 Prozent der sichtbaren Sonnenscheibe; sein
Durchmesser war etwa 40-mal so groß wie der der Erde. Einen Superflare gab es
damals nicht. Aber die neue Studie beweist, dass ein Sonnenfleck dieser Größe in
statistisch selten Fällen einen Superflare auslösen kann.
"Unsere Sonne hat Superflare-Potential. Sie kann gewaltige Sonnenflecken
erzeugen, die im Prinzip Ausgangspunkt extremster Strahlungsausbrüche sein
können", so Krivova. Ob es einen solchen Superflare auf der Sonne tatsächlich
gegeben hat? Das bleibt weiterhin ein Geheimnis unseres Sterns.
Über ihre Studie berichtet das Team in einem Fachartikel, der in den
Philosophical Transactions of the Royal Society A erschienen ist. In der
gleichen Zeitschrift wurde zudem ein Übersichtsartikels zu diesem Thema
publiziert.
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Krivova,
N. et al. (2026): Empirical
flare energy limits for the largest historical sunspots, Phil. Trans.
R. Soc. A, 384, 20250290
Vasilyev, V.,
Usoskin, I. & Krivova, N. (2026): Linking solar magnetism, extreme
solar particle events and stellar superflares, Phil. Trans. R. Soc. A,
384, 20250261 Max-Planck-Institut für
Sonnensystemforschung
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