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Teilchendetektor entdeckt solare Neutrinos mit niedriger Energie
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität Münster astronews.com
25. August 2026
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der
XENON-Kollaboration haben erstmals niederenergetische solare Neutrinos
beobachtet, die im Teilchendetektor XENONnT an Elektronen streuen. Die Messung
erweitert die Grenze direkter Neutrino-Beobachtungen bis hinunter zu
Neutrino-Energien von etwa 17 Kiloelektronenvolt (keV) – der niedrigsten jemals
erreichten Neutrino-Energieschwelle.

Das XENONnT-Observatorium ist in 1.400
Metern Tiefe installiert. Es liegt unter dem
Gran-Sasso-Gebirgsmassiv im Gran-Sasso-Labor des
Nationalen Instituts für Kernphysik in Italien.
Foto: Henning Schulze Eißing [Großansicht] |
Dutzende Milliarden Neutrinos, die durch Kernfusion in der Sonne entstehen,
durchdringen pro Sekunde jeden Quadratzentimeter der Erde – und unserer Körper.
Obwohl Neutrinos zu den am häufigsten von der Sonne emittierten Teilchen
gehören, ist ihr Nachweis eine der größten experimentellen Herausforderungen in
der Teilchenphysik. Der Grund liegt in ihren äußerst schwachen Wechselwirkungen.
Da Neutrinos einen einzigartigen Zugang zu astrophysikalischen Fragestellungen
und zu "neuer Physik" bieten, werden weltweit einige spezielle Detektoren für
Neutrinos betrieben.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der XENON-Kollaboration haben nun
erstmals niederenergetische solare Neutrinos beobachtet, die im Teilchendetektor
XENONnT an Elektronen streuen. Die Messung erweitert die Grenze direkter
Neutrino-Beobachtungen bis hinunter zu Neutrino-Energien von etwa 17
Kiloelektronenvolt (keV) – der niedrigsten jemals erreichten
Neutrino-Energieschwelle. Die Energieschwelle gibt das Limit dessen an, was ein
Detektor nachweisen kann.
Der Detektor steht im Gran-Sasso-Labor des Nationalen Instituts für
Kernphysik in Italien. An dem Experiment sind rund 30 internationale
Forschungseinrichtungen beteiligt, darunter im deutschsprachigen Raum die
Universitäten Freiburg, Heidelberg, Mainz, Münster, das Max-Planck-Institut für
Kernphysik in Heidelberg und das Karlsruher Institut für Technologie sowie die
Universität Zürich. Das nun gemessene Signal wurde von "pp-Neutrinos" dominiert,
die bei den Proton-Proton-Fusionsreaktionen entstehen, welche die Sonnenenergie
erzeugen und den größten Teil der solaren Neutrinoemission ausmachen.
Ursprünglich wurde der Detektor XENONnT für die Suche nach den hypothetischen
Teilchen der Dunklen Materie in unserer Galaxie konzipiert. Nach der Beobachtung
sogenannter kohärenter elastischer Neutrino-Kern-Streuung an hochenergetischen
Sonnenneutrinos zeigt die neue Messung, dass derselbe Detektor komplementäre
Aspekte der Neutrino-Physik untersuchen kann, während er gleichzeitig seine
Suche nach Dunkler Materie fortsetzt.
XENONnT entwickelt sich somit zu einem der weltweit empfindlichsten
Observatorien für seltene Wechselwirkungen von Teilchen bei niedrigen Energien.
Sein Herzstück ist eine zweiphasige Xenon-Zeitprojektionskammer, ein Detektor
mit 5,9 Tonnen hochreinem flüssigem Xenon zur Messung von Teilchenspuren. Das
Observatorium ist in 1400 Metern Tiefe unter dem Gran-Sasso-Gebirgsmassiv
installiert. Der zentrale Detektor ist von zwei Wasser-Cherenkov-Detektoren
umgeben, die Neutronen und Myonen aus der kosmischen Strahlung als Störsignale
("Untergrundsignale") identifizieren. Dadurch ist er in der Lage, die winzigen
Lichtblitze und Ionisationssignale zu rekonstruieren, die entstehen, wenn ein
Teilchen mit dem Xenon im Detektor in Wechselwirkung tritt.
Die Beobachtung des schwachen, niederenergetischen Neutrinosignals erforderte
nicht nur eine Reduktion der Untergrundsignale des Detektors auf ein bislang
unerreichtes Reinheitsniveau, sondern auch deren präzise Quantifizierung. Über
Jahre hinweg hat die XENON-Kollaboration Pionierarbeit bei der Entwicklung von
Techniken geleistet, um Störsignale durch umfangreiche Materialauswahl und ein
spezielles Kryodestillationssystem zu unterdrücken, das Radon kontinuierlich aus
dem Xenon entfernt. Die Kollaboration identifizierte und quantifizierte jeden
relevanten Untergrundbeitrag bei außergewöhnlich niedrigen Zerfallsraten,
darunter Beta-Zerfälle von Blei- und Krypton-Isotopen, kleinere Beiträge durch
Gammastrahlung aus den Detektormaterialien sowie andere untergeordnete
Komponenten.
XENONnT gibt einen Einblick in die Zukunft der Physik seltener Ereignisse.
Die Technologien, die für den Bau und Betrieb eines der "reinsten"
Teilchendetektoren entwickelt wurden, legen den Grundstein für die nächste
Generation von Flüssig-Xenon-Observatorien. Das geplante XLZD-Experiment, dessen
Xenonmasse etwa zehnmal größer ist als die von XENONnT, soll die Suche nach
Dunkler Materie auf ein bislang unerreichtes Sensitivitätsniveau vorantreiben.
Gleichzeitig wird XLZD niederenergetische Sonnenneutrinos mit außergewöhnlicher
Präzision messen und neue Möglichkeiten in der Neutrinophysik sowie die
Erforschung weiterer extrem seltener Prozesse eröffnen.
Die aktuellen Ergebnisse wurden in einem Seminar im italienischen
Untergrundlabor LNGS des Nationalen Instituts für Kernphysik (INFN) in Italien
vorgestellt.
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