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AG-TAGUNG
Die Entstehung kosmischer Strukturen
von Stefan Deiters
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8. September 2026

München und Garching zählen zu den bedeutendsten Zentren der astronomischen Forschung in Deutschland. In dieser Woche veranstaltet die Astronomische Gesellschaft in Garching ihre traditionelle Herbsttagung. Einer der Höhepunkte sind gleich zu Beginn die Preisverleihungen: Die renommierte Karl-Schwarzschild-Medaille erhielt diesmal Prof. Dr. Marta Volonteri.

AG

Prof. Dr. Marta Volonteri hält in Garching die Schwarzschild-Vorlesung. Foto: Stefan Deiters [Großansicht]

Das Treffen der deutschsprachigen Astronominnen und Astronomen findet traditionell im September statt - in diesem Jahr in Garching. Die Stadt gilt als eines der Zentren der astronomischen Forschung in Deutschland, finden sich hier doch nicht nur die Max-Planck-Institute für Astrophysik und extraterrestrische Physik, sondern auch das Hauptquartier der europäischen Südsternwarte ESO. Thema der Tagung in diesem Jahr ist "Building Blocks of Cosmic Structure",  Ausrichter ist das Max-Planck-Institut für Astrophysik und der Exzellenzcluster Origins.

Traditionell beginnen die Tagungen der AG mit der Verleihung der höchsten Auszeichnung, die die Astronomie im deutschsprachigen Raum zu vergeben hat: die Karl-Schwarzschild-Medaille. Mit dieser wurde heute Marta Volonteri, Directrice de Recherche am Institut d’Astrophysique de Paris. Hervorgehoben wurden ihre wegweisenden Beiträge zum Verständnis der Entstehung und Entwicklung massereicher Schwarzer Löcher sowie ihrer Rolle bei der Entwicklung des Universums. Über ihre Arbeit berichtete die Schwarzschild-Preisträgerin anschließend auch in der traditionellen Schwarzschild-Vorlesung.

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Ohne Software geht es heute in der astronomischen Forschung nichts: Komplexe Programme machen die Auswertung von Beobachtungsdaten durch Vergleich mit theoretischen Modellen erst möglich. Aus diesem Grund verleiht die Astronomische Gesellschaft auch regelmäßig einen Astrophysikalischen Softwarepreis. Diesen erhielt in diesem Jahr Prof. Dr. Cornelis P. Dullemond für die Konzeption, Entwicklung und langjährige Betreuung der Strahlungstransport-Software RADMC-3D, ein einflussreiches und weit verbreitetes Softwarepakete der modernen Astrophysik. Es bietet Forschenden einen leistungsfähigen Rahmen zur Modellierung des Strahlungstransports in Gas und Staub sowie zur Erzeugung synthetischer Beobachtungsdaten, die direkt mit astronomischen Messungen verglichen werden können.

Für Forschende, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen, ist der Ludwig-Biermann-Förderpreis gedacht. Das Preisgeld soll einen Forschungsaufenthalt an einem Institut der Wahl ermöglichen. In diesem Jahr erhielt Caroline Gieser die Auszeichnung für ihre herausragenden Beiträge zum Verständnis der physikalischen und chemischen Prozesse, die die Sternentstehung bestimmen. Durch die Kombination modernster Beobachtungen mit fortgeschrittener astrochemischer Modellierung lieferten ihre wegweisenden Untersuchungen massereicher Sternentstehungsgebiete erstmals Beobachtungsbeschränkungen für die Dichte- und Temperaturstrukturen massereicher protostellarer Kerne und zeigten, wie sich die chemische Entwicklung nutzen lässt, um die frühesten Phasen der Sternentstehung nachzuverfolgen. 

Der  Promotionspreis 2026 verlieh die AG an Maximilian Häberle für seine Beiträge zur Erforschung Schwarzer Löcher und stellarer Systeme. Im Rahmen seiner Promotion erstellte er einen bislang einzigartigen astrometrischen Katalog mit Daten von mehr als 1,4 Millionen Sternen in Omega Centauri, dem massereichsten Sternhaufen der Milchstraße. Dabei identifizierte er eine kleine Population besonders schneller Sterne im Zentrum des Haufens und konnte zeigen, dass ihre Bewegungen nur durch die Existenz eines Schwarzen Lochs mittlerer Masse mit mehr als 8000 Sonnenmassen erklärt werden können. Diese Entdeckung wäre der erste eindeutige Nachweis eines Schwarzen Lochs mittlerer Masse.

Mit dem Bruno-H.-Bürgel-Preis werden alle zwei Jahre herausragende Beiträge für die astronomische Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet. Der Preis ging in diesem Jahr an Florian Freistetter für seine erfolgreichen Bücher, Podcasts, Blogs und Live-Auftritte. Der Hans-Ludwig-Neumann-Preis ging an Klaus Hünig für sein lebenslanges Engagement für eine innovative und praxisorientierte astronomische Bildung. Hünig ist heute einer breiteren Öffentlichkeit als Kopf hinter den Bausätzen und Modellen aus dem AstroMedia-Verlag bekannt.

Der letzte Preis des ersten Vormittags der Tagung ging an Alexander Leukert und Leon Heinisch vom Isolde-Kurz-Gymnasium Reutlingen, die bereits den Bundeswettbewerb "Jugend forscht" im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften gewonnen hatten und nun mit einem Sonderpreis der Astronomischen Gesellschaft ausgezeichnet wurden. In ihrem Projekt hatten sie untersucht, ob sich die Bahnen von Satelliten vorhersagen lassen, die sich zwischen einem Planeten und dessen Monden befinden.

In den kommenden Tagen gibt es in Garching nun ein vielfältiges Programm. Neben Vorträgen im großen Plenum wird auch diese AG-Tagung wieder von sogenannten Splinter-Treffen bestimmt. Sie bieten den Rahmen für Vorträge zu spezielleren Themen. Sie sind vielfach auch ein Forum für junge Astronominnen und Astronomen, die mit ihren Diplom- und Doktorarbeiten zum ersten Mal vor ein größeres Fachpublikum treten und so Erfahrungen im Präsentieren von wissenschaftlichen Ergebnissen sammeln können.

Eine weitere Tradition von AG-Tagungen ist es - praktisch als Dankeschön an die gastgebende Stadt - einen öffentlichen Abendvortrag am jeweiligen Tagungsort zu veranstalten. Am Donnerstag, dem 10. September 2026, um 20 Uhr berichtet Harald Lesch über "Die größte Geschichte aller Zeiten - das Universum". Der Eintritt ist frei.

Die Astronomische Gesellschaft wurde 1863 in Heidelberg gegründet und war bis nach dem Ersten Weltkrieg die einzige größere internationale astronomische Vereinigung. Diese Rolle übernahm später die Internationale Astronomische Union (IAU). Heute ist die AG ein Zusammenschluss von Astronominnen und Astronomen aus den deutschsprachigen Ländern und setzt sich verstärkt für die Förderung jüngerer Wissenschaftler, für die Vernetzung von Astronomen, die Ausbildung von Lehrern und die Öffentlichkeitsarbeit ein.

Forum
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siehe auch
150 Jahre Astronomische Gesellschaft: "Was für eine tolle Wissenschaft!" - 26. September 2013
 
Links im WWW
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