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EROSITA
Neuer Katalog enthält doppelte Anzahl von Röntgenquellen
Redaktion / Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam
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3. August 2026

Das deutsche eROSITA-Konsortium hat seinen zweiten großen Datensatz - den eROSITA Data Release 2 (DR2) vorgestellt. Er basiert auf den ersten drei Durchmusterungen des gesamten Himmels mit dem eROSITA-Teleskop an Bord der Spektrum-Röntgen-Gamma-Mission und bietet den bislang empfindlichsten und umfassendsten Katalog des Röntgenhimmels, der öffentlich zugänglich ist.

eROSITA

Das Bild zeigt Röntgenquellen in der westlichen Hemisphäre des Röntgenhimmels. Die galaktische Ebene verläuft horizontal durch die Bildmitte. Bild: MPE, J. Sanders für das eROSITA-Konsortium [Großansicht]

Der Hauptkatalog eROSITA Data Release 2 (DR2) enthält fast zwei Millionen Röntgenquellen, die im Energiebereich von 0,2–2,3 keV in der westlichen Hälfte des Himmels entdeckt wurden. Dazu gehören mehr als 1,9 Millionen punktförmige Quellen, vor allem Sterne und Materie aufsammelnde supermassereiche Schwarze Löcher, sowie rund 64.000 ausgedehnte Quellen wie Galaxienhaufen, nahegelegene Galaxien und Supernova-Überreste. Im Vergleich zur ersten Datenveröffentlichung von 2024 hat sich die Anzahl der nachgewiesenen Quellen etwa verdoppelt.

Ein separater Katalog bei höheren Energien (2,3–5,0 keV) ergänzt den Hauptkatalog um fast 15.000 Quellen. Bei den darin aufgeführten Quellen handelt es sich um sehr energiereiche Systeme, deren niederenergetische Strahlung absorbiert ist. "Mit jeder weiteren Himmelsdurchmusterung entdecken wir Quellen, die zuvor unterhalb der Nachweisgrenze lagen", sagt Miriam E. Ramos-Ceja, Leiterin des "Ground Segments" von eROSITA. "Durch die Kombination der ersten drei Durchmusterungen liefert DR2 ein wesentlich vollständigeres Bild des Röntgenhimmels und schafft eine belastbare Grundlage für statistische Untersuchungen der unterschiedlichsten Quellenpopulationen."

Als eines der Kerninstitute des deutschen eROSITA-Konsortiums hat das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) erneut wesentliche Beiträge zur Datenverarbeitung und wissenschaftlichen Auswertung geleistet. Am AIP wurden die Verfahren zur zuverlässigen Identifikation von Röntgenquellen kontinuierlich weiterentwickelt. Darüber hinaus verantwortet das AIP den sogenannten "Upper Limit Service". Dieser ermöglicht es Forschenden, für jede beliebige Position am Himmel die maximale Röntgenhelligkeit einer Quelle zu bestimmen, die mit eROSITA noch unentdeckt geblieben wäre.

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Solche Empfindlichkeitsinformationen sind entscheidend, um nicht nachgewiesene Quellen statistisch korrekt zu berücksichtigen und bekannte oder neu entdeckte astronomische Objekte mit den eROSITA-Daten zuverlässig zu vergleichen. Der Upper Flux Limit VAC gehört damit zu den zentralen Mehrwertprodukten der zweiten Datenveröffentlichung.

"Wir stellen der wissenschaftlichen Gemeinschaft nun einen außergewöhnlich leistungsstarken Datensatz zur Verfügung", sagt Andrea Merloni, Projektleiter von eROSITA am Garchinger Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) und Axel Schwope, Projektleiter am AIP, fügt hinzu: "Von seltenen Objekten bis hin zu groß angelegten Populationsstudien – DR2 wird die Röntgenastronomie in den kommenden Jahren prägen."

"Die Kombination aus der Vielzahl neu entdeckter Quellen, der verbesserten Datenqualität und den am AIP entwickelten Analysewerkzeugen eröffnet enorme Möglichkeiten", ergänzt Georg Lamer vom AIP, der die Software zur Datenverarbeitung für eROSITA maßgeblich entwickelt und an die Anforderungen angepasst hat.

Die Veröffentlichung DR2 von eROSITA fällt mit der zwanzigsten Datenveröffentlichung des Sloan Digital Sky Survey (SDSS DR20) zusammen, die sehr umfangreiche spektroskopische Daten zu eROSITA-Quellen enthält. Zusammen stellen diese Datensätze den Höhepunkt einer fast zehnjährigen Zusammenarbeit zwischen dem deutschen eROSITA-Konsortium und der SDSS-Kollaboration dar. Beispiele dafür finden sich jetzt schon in den die Datenveröffentlichung begleitenden zehn wissenschaftlichen Publikationen, von denen zwei federführend am AIP entstanden sind. In sehr breit angelegter internationaler Kollaboration wurde die größte Sammlung kompakter Doppelsterne mit Materieaustausch zwischen den Sternen ("Kannibalensterne") vorgestellt. Derlei Objekte sind vermutlich für das schwache Röntgenleuchten aus der Scheibe unserer Milchstraße verantwortlich.

Seit Beginn des wissenschaftlichen Betriebs im Dezember 2019 durchmustert eROSITA den gesamten Himmel im Abstand von jeweils sechs Monaten. Für die nun veröffentlichte Datenfreigabe wurden die ersten drei Himmelsdurchmusterungen kombiniert, wodurch deutlich lichtschwächere Quellen nachgewiesen werden können als noch in der ersten Datenveröffentlichung. Die neuen Daten verdoppeln die Zahl der bekannten Röntgenquellen nahezu und eröffnen der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft neue Möglichkeiten, das hochenergetische Universum zu erforschen.

Das Instrument eROSITA (extended ROentgen Survey with an Imaging Telescope Array) ist das Hauptteleskop an Bord der russischen Spektr-RG-(SRG)-Mission. Es wurde entwickelt, um die bislang empfindlichste Röntgen-Himmelsdurchmusterung durchzuführen. Ziel ist es, Millionen aktiver galaktischer Kerne und Galaxienhaufen zu kartieren und damit die Entwicklung der großräumigen Struktur des Universums sowie die Natur der Dunklen Energie zu untersuchen. Wegen des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine ist das Teleskop in einen Schlafmodus versetzt worden, die Kooperation zwischen den deutschen und russischen Wissenschaftlern wurde ausgesetzt.

Über die Datenveröffentlichung berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen ist.

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siehe auch
eROSITA: Katalog mit 900.000 Röntgenquellen veröffentlicht - 5. Februar 2024
eROSITA: Neue Karte des heißen Gases der Milchstraße - 18. Dezember 2023
eROSITA: Erste Karte des Röntgenhimmels komplett - 22. Juni 2020
eRosita: Deutsches Röntgenteleskop im All - 15. Juli 2019
Links im WWW
Ramos-Ceja, M. E. et al. (2026): The SRG/eROSITA All-Sky Survey DR2: Cumulative X-ray catalogues from the first three surveys and multi-wavelength counterparts in the western Galactic hemisphere, A&A (zur Veröffentlichung akzeptiert, arXiv.org-Preprint)
Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam
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