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Spuren eines Begleiters im Gas um den Riesenstern entdeckt
von
Stefan Deiters astronews.com
12. Januar 2026
Beobachtungen des Weltraumteleskops Hubble und
weiterer erdgebundener Teleskope haben im Gas rund um Betelgeuse eindeutige
Spuren eines Begleitsterns entdeckt, der den bekannten Riesenstern alle sechs
Jahre umrundet. Die Bestätigung der Existenz eines Begleiters erklärt auch eine
bislang rätselhafte Periode in der Helligkeit von Betelgeuse.

Künstlerische Darstellung von Betelgeuse samt
Begleiter, der sich hier im Uhrzeigersinn um den
Riesenstern bewegt. Die Größe des Begleiters ist
nicht maßstabsgerecht.
Bild:
NASA, ESA, Elizabeth Wheatley (STScI) [Großansicht] |
Gelungen ist die Entdeckung durch die sorgfältige Auswertung von
Beobachtungen Betelgeuses aus knapp acht Jahren. Die Veränderungen im Licht des
Sterns ließen auf Wechselwirkungen des Gases um Betelgeuse mit einem bislang
nicht bestätigten Begleitstern schließen. Betelgeuse liegt etwa 650 Lichtjahre
von der Erde entfernt im Sternbild Orion und ist ein roter Überriese. Der
Schulterstern des Himmelsjägers ist bereits mit bloßem Auge zu erkennen.
Aufgrund seiner enormen Größe und vergleichsweise geringen Entfernung ist
Betelgeuse einer der wenigen Sterne, deren Oberfläche und umgebende Atmosphäre
von Astronomen direkt beobachtet werden können. Vor einigen Jahren hatte eine
deutliche Verdunklung von Betelgeuse zu Spekulationen geführt, dass eine
Explosion des Riesensterns unmittelbar bevorsteht.
Beobachtungen mit Hubble und mit Teleskopen am Fred Lawrence
Whipple Observatory im US-Bundesstaat Arizona sowie am Roque de Los
Muchachos Observatory auf der Kanareninsel La Palma lieferten eindeutige
Hinweise auf den seit einiger Zeit vermuteten Begleitstern und dessen Einfluss
auf die äußere Atmosphäre des roten Überriesen. So zeigten sich beispielsweise
charakteristische Veränderungen im Spektrum des Sterns sowie bei der
Geschwindigkeit und Richtung der Gase in der äußeren Atmosphäre, in Form eines
"Schweifs" aus dichterem Material. Er erscheint unmittelbar nachdem der
Begleiter von der Erde aus betrachtet vor Betelgeuse vorbeizieht, was etwa alle
sechs Jahre der Fall ist. Dies bestätigt bisherige theoretische Modelle über den
Begleitstern.
"Es ist ein bisschen wie ein Boot, das sich durch das Wasser bewegt. Der
Begleitstern erzeugt einen Welleneffekt in der Atmosphäre von Beteigeuze, den
wir tatsächlich in den Daten sehen können", sagte Andrea Dupree, Astronomin am
Center for Astrophysics | Harvard & Smithsonian. "Zum ersten Mal sehen
wir direkte Anzeichen für diese Gasspur, was bestätigt, dass Betelgeuse
tatsächlich einen versteckten Begleiter hat, der sein Aussehen und Verhalten
beeinflusst."
Seit Jahrzehnten verfolgt die Wissenschaft Veränderungen in der Helligkeit
und bei den Oberflächenmerkmalen von Betelgeuse. Dies ist besonders deswegen
spannend, weil man davon ausgeht, dass der Stern in Zukunft als Supernova
explodieren wird. So versucht man natürlich auch Anzeichen für eine
bevorstehende Explosion zu finden. Interessant waren dabei zwei Perioden in
Bezug auf die Helligkeit des Sterns: ein kurzer 400-Tage-Zyklus, der kürzlich
auf Pulsationen innerhalb des Sterns selbst zurückgeführt werden konnte, und die
lange sekundäre Periode von 2100 Tagen, entsprechend ungefähr sechs Jahren.
Zur Erklärung der 2100-tägigigen Periode wurden zahlreiche Modelle in
Betracht gezogen, darunter große Konvektionszellen, Staubwolken, magnetische
Aktivität und das Vorhandensein eines verborgenen Begleitsterns. Jüngste Studien
kamen dann zu dem Schluss, dass die Sekundärperiode am besten durch die
Anwesenheit eines Begleiters mit geringer Masse erklärt werden kann, der tief in
der ausgedehnten Atmosphäre um Betelgeuse kreist. Allerdings fehlte dafür
bislang eine sichere Bestätigung. Jetzt gibt es erstmals eindeutige Hinweise
dafür, dass ein Begleiter die Atmosphäre des Überriesen stört.
"Die Idee, dass Betelgeuse einen unentdeckten Begleiter hat, hat in den
letzten Jahren an Popularität gewonnen, aber ohne direkte Beweise war es eine
unbewiesene Theorie", so Dupree. Das sei durch die neuen direkten Beweise
anders, so dass die Beobachtungen des Riesensterns nun ganz anders ausgewertet
werden können. Da Betelgeuse nun von der Erde aus betrachtet den Blick auf den
Begleitstern verdeckt, muss das Team nun erst einmal bis ins kommende Jahr
warten, um weitere Beobachtungen machen zu können.
Über ihre Entdeckung berichteten Dupree und ihre Kollegen im Rahmen der 247.
Tagung der American Astronomical Society in Phoenix. Außerdem sollen
sie in einer der nächsten Ausgaben der Fachzeitschrift The Astrophysical
Journal präsentiert werden.
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