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Wie Raumflüge den Organismus verändern
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität des Saarlandes astronews.com
25. Februar 2026
In den kommenden Jahrzehnten sind nicht nur astronautische
Missionen zum Mond, sondern auch zum Mars geplant. Wie sich ein längerer
Aufenthalt im All auf den Organismus auswirkt, wird daher auf der
Internationalen Raumstation ISS erforscht. Jetzt wurde eine Studie vorgestellt,
in der man untersucht hat, wie sich der Austausch von Geninformationen im
Inneren von Zellen im Weltraum verändert.

Die Internationale Raumstation ISS im Jahr
2021. Die Aufnahme wurde von Bord einer
Dragon-Kapsel von SpaceX aus gemacht.
Foto: NASA / SpaceX [Großansicht] |
"Die Flüge zur Internationalen Raumstation ISS sind für Astronauten in
mehrfacher Hinsicht belastend. Der Raketenstart mit enormer Geschwindigkeit und
entsprechendem Druck auf den Körper führt zu Stress, die Schwerelosigkeit
verändert die Blutzirkulation und lässt den Körper anders altern. Auch die
Strahlenbelastung im All ist erhöht", erklärt Andreas Keller, Professor für
klinische Bioinformatik der Universität des Saarlandes. Was sich genau an
biologischen Prozessen im Weltall verändert, hat sein Forschungsteam anhand
sogenannter microRNAs untersucht, das sind kurze, nicht kodierende Abschnitte
der Ribonukleinsäure. Diese steuern die Umsetzung genetischer Information in den
Zellen.
"Dafür reichten uns nicht die Blutproben von Astronauten aus, die bei
früheren Weltraumflügen etwa für die Genanalysen im Rahmen der
NASA-Zwillingsstudie abgenommen wurden, sondern wir benötigten Gewebeproben von
Säugetieren", so Keller. Bei vergangenen ISS-Missionen schickte die NASA dafür
einige Mäuse mit ins All, die drei und acht Monate alt waren und mit
gleichaltrigen Mäusen auf der Erde verglichen werden konnten. Das Saarbrücker
Forschungsteam, das dabei eng mit Kollegen an der Stanford University
in den USA zusammenarbeitete, erhielt von der NASA 686 kleine RNA-Proben. Diese
stammten aus 13 verschiedenen Organen der Mäuse, die mindestens drei Wochen auf
der Internationalen Raumstation verbracht hatten.
"Dabei fielen riesige Datenmengen aus der Gensequenzierung an, die wir mit
unseren bioinformatischen Methoden analysiert haben. Diese Analysen, für die wir
auf unsere langjährige Erfahrung zum Thema mircroRNAs aufbauen konnten, haben
über ein Jahr in Anspruch genommen", erläutert Keller, der auch am
Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland eine Forschungsgruppe
leitet. Das Saarbrücker Wissenschaftsteam konzentrierte sich dabei auf die
Frage, wie sich das Gewebe im Herz, Gehirn, Milz und Thymus sowie im
Verdauungstrakt unter Weltraumbedingungen verändert.
"Wir haben dabei festgestellt, dass die physiologischen Auswirkungen von
Raumflügen auf den Menschen erheblich sind. Ein längerer Aufenthalt in der
Schwerelosigkeit führt zu Symptomen, die den auf der Erde zu beobachtenden
degenerativen Erkrankungen ähneln. Dazu zählen Muskelschwund und Knochenschwund,
ein geschwächtes Herz-Kreislauf-System und Veränderungen des Immunsystems",
erklärt Keller. Zudem habe man beobachtet, dass die Organe in der
Schwerelosigkeit anders altern, es also vermutlich zu einer schnelleren Alterung
der Astronautinnen und Astronauten kommt. "Diese Auswirkungen verstärken sich
mit der Dauer der Mission, was für zukünftige Missionen zum Mars und darüber
hinaus, die deutlich länger dauern würden, zu bedenken ist. Ziel sollte es nun
sein, durch weitere Forschungsarbeiten Biomarker und therapeutische Ansatzpunkte
zu identifizieren, um die negativen Auswirkungen für Astronauten zu mildern",
fasst Keller zusammen.
Über seine Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der
Zeitschrift Nature Communications erschienen ist.
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