|
Überraschend stabile Bahnen um das Schwarze Loch Sagittarius A*
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität zu Köln astronews.com
4. Dezember 2025
Die Verhältnisse im Zentrum der Milchstraße sind offenbar
stabiler als angenommen: Neue Beobachtungen am Very Large Telescope der
ESO zeigen nun, dass sich einige staubige Objekte auf stabilen Umlaufbahn
befinden und nicht etwa kurz davor sind vom supermassereichen Schwarzen Loch
verschlungen zu werden. Die Region scheint als weniger zerstörerisch zu sein als
vermutet.

Das Doppelsternsystem D9 in unmittelbarer
Nähe des zentralen supermassereichen Schwarzen
Lochs der Milchstraße, hier markiert als Sgr A*.
Bild: ESO / F. Peißker et al. [Großansicht] |
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Privatdozent Dr. Florian
Peißker von der Universität zu Köln hat mit dem neuen Beobachtungsinstrument
ERIS (Enhanced Resolution Imager and Spectrograph) am Very Large Telescope
(VLT) in Chile gezeigt, dass mehrere sogenannte "staubige Objekte" stabile
Bahnen um das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum unserer
Galaxie ziehen. Frühere Studien hatten vermutet, dass einige dieser Objekte vom
Schwarzen Loch verschluckt werden könnten. Neue Daten widerlegen diese Annahme.
Im Fokus der Studie standen vier dieser ungewöhnlichen Himmelsobjekte, die in
den letzten Jahren für Diskussionen gesorgt hatten. Besonders das Objekt G2 galt
lange als reine Staubwolke, von der vermutet wurde, dass die Anziehungskraft von
Sagittarius A* sie zunächst in die Länge zieht – in der Astronomie spricht man
von einer "Spaghettisierung" – und schließlich zerstört. Die präzisen
Beobachtungen mit ERIS, das Strahlung im Nahinfrarotbereich einfängt, zeigen
jedoch, dass G2 einer stabilen Umlaufbahn folgt – ein Hinweis darauf, dass sich
im Inneren der Staubwolke ein Stern befindet. Damit bestätigt sich, dass das
Zentrum der Milchstraße nicht nur zerstörerisch, sondern auch überraschend
stabil sein kann.
Auch das Doppelsternsystem D9, das Peißker und sein Team 2024 entdeckten,
bleibt trotz der enormen Gezeitenkräfte des Schwarzen Lochs stabil. Es ist das
erste bekannte Doppelsternsystem, das so nah an einem supermassereichen
Schwarzen Loch beobachtet wurde. Theoretisch könnten die beteiligten Sterne in
D9 durch die starken Gezeitenkräfte zu einem einzelnen massereicheren Stern
verschmelzen – bislang aber zeigen die ERIS-Daten, dass D9 intakt bleibt.
Ähnliches gilt für die Objekte X3 und X7, die ebenfalls auf gebundenen
Umlaufbahnen kreisen und damit weniger fragil sind, als frühere Modelle
angenommen hatten.
"Dass sich diese Objekte so nahe an einem Schwarzen Loch stabil bewegen, ist
faszinierend", sagt Peißker. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Sagittarius A*
weniger zerstörerisch ist, als man lange dachte. Das macht das Zentrum unserer
Galaxie zu einem idealen Labor, um die Wechselwirkungen zwischen Schwarzen
Löchern und Sternen zu erforschen." Die Ergebnisse würden verdeutlichen, dass
die Vorgänge im Zentrum der Milchstraße komplexer sind als bisher angenommen.
"Das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße hat nicht nur die
Fähigkeit, Sterne zu zerstören, sondern kann auch deren Entstehung oder die
Bildung ziemlich exotischer staubiger Objekte stimulieren, höchstwahrscheinlich
durch Verschmelzungen von Doppelsternen", sagt Michal Zajaček von der
Masaryk-Universität in Brünn in der Tschechischen Republik.
Künftige Beobachtungen mit ERIS und dem kommenden Extremely Large
Telescope sollen helfen, die Entwicklung dieser Objekte weiter zu verfolgen
und zu verstehen, wie Sterne selbst in den extremen Regionen des Universums
überleben können. Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Fachjournal
Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.
|