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Wie sich Lebensspuren auf dem Mars finden lassen könnten
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung astronews.com
19. Juni 2026
Ab 2030 soll der ESA-Rover Rosalind Franklin auf
dem Mars nach Überresten von Leben suchen. Jetzt hat ein Forschungsteam im
irdischen Labor erfolgreich nachvollzogen, wie das mit Bordmitteln auf dem Mars
gelingen kann. Als Testmaterial diente eine Meteoritenprobe. Dabei stellten sie
auch etwas Unerwartetes fest.

Künstlerische Darstellung des ESA-Marsrovers
Rosalind Franklin auf dem Mars.
Bild: ESA / ATG medialab [Großansicht] |
Vor Milliarden von Jahren herrschten auf dem Mars deutlich angenehmere
Umweltbedingungen als heute. Wahrscheinlich war unser Nachbarplanet damals warm,
feucht und von einer dichten Atmosphäre umgeben. Ob sich zu jener Zeit einfache
Mikroorganismen entwickelt haben könnten, bleibt eine offene Frage. Zwar haben
NASA-Rover in Marsgestein organische Moleküle gefunden, doch keines davon lässt
sich eindeutig mit Leben in Verbindung bringen. Der ExoMars-Rover Rosalind
Franklin der europäischen Weltraumorganisation ESA soll ab 2030 die
"Suchmannschaft" auf dem Mars verstärken. Der europäische Rover ist unter
anderem darauf spezialisiert, organische Moleküle aufzuspüren.
Forschende vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS), der
Universität Göttingen und der Universität Côte d’Azur in Nizza haben das dabei
verwendete Messprinzip jetzt einem neuen Härtetest unterzogen. Den Beweis für
vergangenes Leben auf dem Mars zu erbringen, ist eine schwierige Aufgabe, auch
für den ESA-Rover. Wie lassen sich organische Moleküle, die vor Milliarden von
Jahren Teil eines Organismus waren, von solchen unterscheiden, die durch
nicht-biologische Prozesse entstanden sind? Und welche Moleküle sind besonders
geeignet, ihre Vergangenheit preiszugeben? Die Forschenden setzen ihre
Hoffnungen auf die Verbindungen Pristan und Phytan, zwei Kohlenwasserstoffe, die
auf lebendige Organismen zurückzuführen sind. Auf der Erde kommen sie als
Bestandteile von Erdöl vor und sind besonders stabil. "Sollte es einst Leben auf
dem Mars gegeben haben, dann stellen Moleküle wie Pristan und Phytan wichtige
molekulare Biosignaturen dar, die bis heute überdauert haben könnten", so
MPS-Wissenschaftler Guillaume Leseigneur.
Eine weitere Eigenschaft macht die Stoffe Pristan und Phytan zu
aussichtsreichen Lebensindikatoren: Wie viele andere organische Verbindungen
sind sie chiral. Das bedeutet, dass sie in verschiedenen Konfigurationen,
sogenannten Enantiomeren, auftreten können. Diese unterschieden sich lediglich
in der räumlichen, nämlich spiegelbildlichen Anordnung ihrer Atome innerhalb des
Moleküls - ein wenig wie die Finger der linken und rechten Hand. "Die Chiralität
ist ein wertvolles Werkzeug für die Suche nach vergangenem, extraterrestrischem
Leben", so Uwe Meierhenrich von der Universität Côte d’Azur. In Organismen
treten chirale organische Moleküle fast ausschließlich in einer von zwei
spiegelbildlichen Bauweisen auf. Das gilt auf der Erde – und muss aufgrund der
selbstreproduzierenden Eigenschaften des Lebens auch für jedes potenzielle
außerirdische Leben gelten. Sind dieselben Moleküle nicht-lebendigen Ursprungs,
dürften beide Bauweisen zu gleichen Teilen vorliegen.
Der Mars-Rover Rosalind Franklin kann zwischen organischen Molekülen
verschiedener Chiralität unterscheiden. Diese Aufgabe übernimmt der Mars
Organic Molecule Analyser (MOMA), ein Instrument, das einen
Gaschromatographen, ein Massenspektrometer sowie kleine Öfen und einen
Anregungslaser vereint. Es wurde unter der Leitung des MPS entwickelt und
gebaut. Mit dem Gaschromatographen und Massenspektrometer untersucht das
Instrument die flüchtigen Bestandteile von Gesteinsproben, die zuvor in den Öfen
erhitzt wurden. Das so erzeugte Gasgemisch durchläuft verschiedene, dünne, auf
ihrer Innenseite beschichtete Röhren. Da chirale Varianten derselben
Molekülsorte verschieden schnell mit den Beschichtungen reagieren, lassen sie
sich so zeitlich trennen.
In den aktuellen Messungen, für die das Team baugleiche Zwillinge der
MOMA-Röhren nutzte, ist dies nun erstmals für Pristan und Phytan gelungen. Beide
Stoffe sind ausgesprochen reaktionsträge. "Pristan und Phytan chiral voneinander
zu trennen, stellt hohe Anforderungen an Empfindlichkeit und Messgenauigkeit des
Instrumentes. Beides kann MOMA leisten", erklärt MOMA-Teammitglied Fatma Yesil
Sahan vom MPS. Als Ersatz für Marsgestein griffen die Forschenden zu Proben des
Meteoriten Murchison, der 1969 über Australien niederging. Wie andere kosmische
Brocken enthält er eine Vielzahl organischer Moleküle: einige, die zu seiner
Grundausstattung gehören, und andere, die durch biologische Verunreinigungen
etwa an der Fundstelle hinzugekommen sind. Pristan und Phytan dürften, so die
Annahme der Forschenden, zu letzteren gehören.
Doch das Ergebnis der Messungen überraschte: Der Meteorit Murchison enthält
alle chiralen Bauweisen von Pristan und Phytan zu gleichen Teilen - ganz anderes
als jede Biomasse, mit der er an seiner Fundstelle in Berührung gekommen sein
kann. Er muss die Verunreinigungen bereits beim Sturzflug durch die Atmosphäre
durch Kontakt mit Aerosolen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe aufgenommen
haben, so der Schluss der Forschenden. Darauf deuten Vergleichsmessungen von
Pristan und Phytan hin, die in Ölschiefern, Sedimentgesteinen, die einen
Vorläufer von Erdöl enthalten, erhalten geblieben sind.
"Erdöl bildet sich in diesen Gesteinen über Millionen von Jahren in großen
Tiefen unter dem Einfluss von Hitze und Druck", sagt Koautor Manuel Reinhardt
von der Universität Göttingen. Unter solchen Bedingungen geht das chirale
Ungleichgewicht verloren. Dies ist eine plausible Erklärung für die gleichen
Anteile aller chiralen Varianten von Pristan und Phytan im Murchison-Meteoriten.
Das Forschungsteam betrachtet die neuen Messungen nicht nur als erfolgreichen
Probelauf für die Aktivitäten von MOMA auf dem Mars. Vielmehr werfen die
Ergebnisse auch weitere Fragen zum Ursprung organischer Moleküle in Meteoriten
sowie zu den steigenden Konzentrationen von Erdölverunreinigungen in unserer
Atmosphäre auf.
Über ihre Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in
Earth and Planetary Science Letters erschienen ist.
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