|
Sicherer Flug durch den geomagnetischen Sturm
Redaktion
/ Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. astronews.com
23. Juni 2026
Schwere geomagnetische Stürme führten im März und Mai 2024
erstmals zu Beeinträchtigungen des Betriebs der Satelliten TerraSAR-X
und TanDEM-X, die im Formationsflug die Erde umkreisen. Daraufhin wurde
beim DLR ein neues Verfahren entwickelt, das den Satellitenbetrieb auch bei
extremen Magnetstürmen gewährleistet. Es hat sich bereits bewährt.

TerraSAR-X und
TanDEM-X im Formationsflug: Seit Juni 2010
umfliegen die deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X
und TanDEM-X gemeinsam die Erde.
Bild: DLR (CC BY-NC-ND 3.0) [Großansicht] |
Polarlichter sind die sichtbaren Spuren von geomagnetischen Stürmen, wenn
starke Sonnenwinde vom Erdmagnetfeld abgelenkt werden und auf die Atmosphäre
treffen. Schwere Magnetstürme sorgen jedoch nicht nur für spektakuläre
Leuchterscheinungen am Himmel – sie können auch die Flugbewegung von Satelliten
beeinflussen. Dies zeigte sich im Jahr 2024 beim Betrieb der deutschen
Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X. Das Deutsche Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) entwickelte daraufhin ein Verfahren, um einen reibungslosen
Satellitenbetrieb auch bei extremen geomagnetischen Stürmen zu gewährleisten.
Die DLR-Einrichtung Raumflugbetrieb und Astronautentraining hat ihre
Erkenntnisse und die erfolgreiche Umsetzung vor kurzem auf dem internationalen
Symposium für Raumflugdynamik ISSFD 2026 in Toulouse vorgestellt.
Schwere bis extreme geomagnetische Stürme führten im März und Mai 2024
erstmals zu Beeinträchtigungen des Betriebs der Satelliten TerraSAR-X
und TanDEM-X. Die Zwillingssatelliten bewegten sich außerhalb ihres
synchronen Flugradius. Der Formationsflug wie auch die Satelliten selbst waren
zu keiner Zeit gefährdet. Doch aufgrund der Bahnabweichungen schlug die
Synchronisation der Radarinstrumente fehl, sodass sie keine Aufnahmen der
Erdoberfläche mehr lieferten. Das Nationale Raumfahrtkontrollzentrum nahm
umgehend die notwendigen Bahnkorrekturen vor und das Flugdynamik-Team begann mit
der systematischen Untersuchung der Vorfälle. Schnell wurde klar, dass sie
genauere Vorhersagen des Weltraumwetters und insbesondere geomagnetischer Stürme
benötigten, um präzisere Bahnvorhersagen für die Planung des Satellitenbetriebs
treffen zu können.
TerraSAR-X und TanDEM-X umkreisen die Erde auf einem geostationären Orbit in
505 Kilometer Höhe. Die Dichte der oberen Atmosphäre ist mit einem Gramm Masse
pro Kubikkilometer dort sehr gering. Während eines geomagnetischen Sturms kann
diese Dichte um das Zehnfache zunehmen, sodass sie bis zu zehn Gramm Masse pro
Kubikkilometer aufweist. Das beeinflusst den atmosphärischen Widerstand –
vergleichbar mit dem Fahrtwind beim Autofahren – durch den die Satelliten Höhe
verlieren und der für die Bahnplanung regulär berücksichtigt wird. Während der
starken Sonnenaktivitäten im Jahr 2024, die deutschlandweit zu außergewöhnlichen
Polarlicht-Sichtungen führten, stießen die bewährten Berechnungsmodelle erstmals
an ihre Grenzen.
Geomagnetische Stürme treten üblicherweise im Maximum eines Sonnenzyklus auf,
der rund elf Jahre durchläuft. Wann es jedoch genau zu einem geomagnetischen
Sturm kommt, für wie lange und in welcher Intensität, ist schwer vorherzusagen.
Die Schwankungen der atmosphärischen Dichte beeinflusst den Betrieb der
Zwillingssatelliten in besonderem Maße, da TerraSAR-X in einer engen
Helix-Formation von TanDEM-X umflogen wird. Dabei nähern sich die beiden
Satelliten auf bis zu 200 Meter an. Für die gemeinsamen Radaraufnahmen müssen
sie außerdem auf bestimmte Weise zueinander ausgerichtet sein. Die
Synchronisation der beiden Satelliten - und infolge dessen auch die
Radaraufnahmen - wurden damals durch die geomagnetischen Stürmen gestört.
Für eine langfristige Lösung analysierte das Flugdynamik-Team der
DLR-Einrichtung Raumflugbetrieb und Astronautentraining die geomagnetischen
Stürme der vergangenen Jahre sowie deren Einfluss auf die Satellitenbewegungen
und verglich dazu verschiedene Modellsimulationen der Atmosphäre. Zusätzlich
kombinierten sie diese mit unterschiedlichen Weltraumwetter-Vorhersagen und
Daten aus der TanDEM-X-Mission. Für die Bahnplanung der Zwillingssatelliten
kristallisierte sich schließlich eine Kombination von insgesamt drei
Vorhersagemodellen zu Weltraumwetter und Atmosphärendichte als beste Lösung
heraus. Die Forschenden entwickelten daraus Verfahren zur Bahnbestimmung,
-vorhersage und -kontrolle der Satelliten sowie zum Monitoring und zur Steuerung
des synchronen Formationsflugs. Im April 2025 wurde die gesamte Flugdynamik-Prozessierungskette
von TanDEM-X darauf umgestellt.
Das Upgrade sichert seither den Missionsbetrieb auch bei herausforderndem
Weltraumwetter: Die schweren geomagnetischen Stürme im November 2025 sowie
zuletzt im Januar und Februar 2026 wurden für die Mission korrekt vorhergesagt.
Die Radarsatelliten konnte ohne Einschränkungen weiter betrieben werden und
erstellten ihre Aufnahmen nach Plan. Polarlichtern kann das Missionsteam seither
gelassener entgegensehen. Der Satellitenbetrieb bleibt jedoch immer eine
Herausforderung, sodass die Flugdynamikerinnen und Flugdynamiker ihre
Forschungsarbeiten zum Thema Weltraumwetter weiter fortsetzen werden. Die
Ergebnisse sind außerdem für den Betrieb anderer Satelliten in ähnlichen Orbits
wertvoll. Auf der ISSFD 2026 stießen die neuen Erkenntnisse der DLR-Einrichtung
Raumflugbetrieb und Astronautentraining nun auf großes internationales
Interesse.
|