|
Ein halbes Petabyte Daten aus dem jungen Universum
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität Göttingen astronews.com
4. Juni 2026
Was ist die Dunkle Energie, die dafür verantwortlich ist,
dass sich unser Universum immer schneller ausdehnt? Eine Antwort könnten Daten eines
der größten optischen Teleskope der Welt liefern, die im Rahmen des Hobby-Eberly
Telescope Dark Energy Experiment gesammelt wurden. Nun hat das Team ein
halbes Petabvte an Daten des Projekts veröffentlicht und hofft auf spannende
Ergebnisse.

Hobby-Eberly-Teleskop am McDonald
Observatory in Texas.
Foto: Frank
Cianciolo, McDonald Observatory [Großansicht] |
Nach Abschluss der bislang größten Durchmusterung des frühen Universums hat
das Team des Hobby-Eberly Telescope Dark Energy Experiment (HETDEX)
jetzt seinen umfangreichen Datensatz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit
dem halben Petabyte an Daten - ein Petabyte entspricht 1024 Terabyte - können
Forschende und Interessierte der Astronomie nun untersuchen, wie sich die ersten
Galaxien gebildet und verändert haben, die Verteilung von Sternen und Gas
vermessen, den Kosmos kartieren und Objekte erforschen, die in herkömmlichen
Durchmusterungen schwer zu finden sind.
Die Daten beruhen auf Beobachtungen des Nachthimmels im Westen Texas mit
einem der größten optischen Teleskope der Welt: dem Hobby-Eberly-Teleskop.
Dieses wird von der Universität Göttingen, der University of Texas at Austin,
der Pennsylvania State University und der LMU München betrieben.
"Das Hobby-Eberly-Teleskop ermöglicht uns absolute Spitzenforschung auf dem
Gebiet der Astrophysik", sagt Prof. Dr. Ansgar Reiners von der Universität
Göttingen. Es hat von 2017 bis 2024 am McDonald Observatory in Texas einen
Bereich des Nachthimmels vermessen, der einer Fläche von rund 2000 Vollmonden
entspricht, und dabei eine Karte des fernen Universums erstellt. Diese nutzen
Forschende im Projekt HETDEX, um das Rätsel der Dunklen Energie zu lösen – jener
unbekannten Größe, die dazu führt, dass sich das Universum immer schneller
ausdehnt.
Zu diesem Zweck kartiert das Team die Positionen von über einer Million
früher Galaxien und sammelt dabei auch Daten über den gesamten Raum dazwischen.
Prof. Dr. Karl Gebhardt, HETDEX-Projektleiter von der University of Texas at
Austin, erklärt: "Wir wählen keine bestimmten Objekte zur Beobachtung aus.
Stattdessen richten wir eins der größten Teleskope der Welt auf den Himmel und
schauen, was dort draußen zu sehen ist. Wir gehen fest davon aus, dass sich in
den Daten außergewöhnliche Entdeckungen verbergen."
HETDEX nutzt für seine Beobachtungen eine Technik namens Spektroskopie. Dabei
wird Licht in seine Wellenlängen zerlegt. Die Forschenden suchen in den Spektren
nach Linienstrukturen, die Aufschluss über die chemische Zusammensetzung eines
Objekts, seine Bewegung durch den Weltraum und seine Distanz zur Erde geben. Die
nun veröffentlichte Datenbank enthält 600 Millionen Spektren aus einer als "Cosmic
Noon" bezeichneten Epoche des Universums, die vor zehn bis zwölf Milliarden
Jahren stattfand – einem äußerst frühen Abschnitt der kosmischen Entwicklung
unseres rund 13,8 Milliarden Jahre alten Universums.
"HETDEX bietet uns einen ungewöhnlich weiten und detaillierten
spektroskopischen Einblick in das Universum zu einer Zeit, in der die meisten
Sterne und Galaxien gerade erst entstanden", so Gebhardt und Prof. Dr. Wolfram
Kollatschny von der Universität Göttingen. "Das Teleskop und seine Instrumente
erfassen Zehntausende Spektren gleichzeitig. So lassen sich Galaxien über enorme
kosmische Volumina hinweg auf eine Weise kartieren, die zuvor nicht möglich
war."
Die neuen Daten sollten eine Vielzahl neuer Studien ermöglichen: "In wenigen
Monaten werden Messergebnisse zur mysteriösen Dunklen Energie – der
beschleunigten Ausdehnung des Universums – mit bislang unerreichter Präzision
vorgestellt", ist sich Prof. Dr. Jens Niemeyer von der Universität Göttingen
sicher.
Die Freigabe der Daten wurde jetzt der Fachzeitschrift The Astrophysical
Journal Supplement Series angekündigt.
|