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Veranstalter in Deutschland ziehen positive Bilanz
Redaktion
/ Pressemitteilung des Astrophysikalischen Instituts Potsdam astronews.com
9. Dezember 2009
Auf einer Abschlusspressekonferenz in Oberhausen haben die
Verantwortlichen des Internationalen Jahres der Astronomie in Deutschland eine
positive Bilanz der vergangenen Monate gezogen. Neben zahlreichen
Beobachtungsabenden wurden auch ganz neue Methoden der Wissensvermittlung
ausprobiert. Die Erfahrungen des Astronomiejahres sollen nun auch in zukünftige
Projekte einfließen.

2009 sollte ganz im Zeichen der Astronomie
stehen. Nach Angaben der Veranstalter des Internationalen
Jahrs der Astronomie ist dies auch gelungen.
Bild: IAU / AIP / NASA / STScI |
Amateurastronomen, Wissenschaftler und Lehrer haben gemeinsam in mehr als
2.000 Veranstaltungen im ganzen Land die Himmelskunde den Bürgern nahe gebracht.
Besonders engagierten sich die Hobbyastronomen, die ihre Fernrohre an
zahlreichen öffentlichen Plätzen aufbauten und so zehntausenden interessierten
Bürgern einen Blick an den Sternhimmel durch ein Fernrohr ermöglichten.
Der Ort Oberhausen für die Abschlusspressekonferenz des IYA 2009 in
Deutschland war nicht zufällig gewählt: Mit bereits mehr als 400 000 Besuchern
war "Sternstunden - Wunder des Sonnensystems", die "große Reise in den Kosmos"
im Gasometer Oberhausen, die erfolgreichste Ausstellung und eines der großen
Highlights im Rahmen des Jahrs der Astronomie.
Geschäftsführerin Jeanette Schmitz berichtete, dass die Ausstellung nicht
zuletzt aufgrund dieses enormen Erfolges als Projekt der Europäischen
Kulturhauptstadt RUHR.2010 verlängert wurde. Der "größte Mond auf Erden" kann
somit noch bis zum 31. Dezember 2010 besichtigt werden. Neben dem nach
wissenschaftlichen Daten des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR)
modellierten Mond sind Modelle von Planeten, moderne astronomische Aufnahmen und
historische astronomische Instrumente zu sehen. Damit stellt die Ausstellung
eine spannende Gradwanderung zwischen Astronomie und Kunst dar.
Zahlreiche weitere Veranstaltungen, bei denen die Astronomie mit Theater,
Musik und bildender Kunst konfrontiert wurde, unterstrichen den
interdisziplinären Aspekt der Astronomie. "Im Jahr der Astronomie haben wir
gelernt, auch ungewohnte Wege der Wissensvermittlung zu gehen", sagte Dr.
Michael Geffert vom Argelander Institut der Universität Bonn, der Koordinator
der deutschen IYA-Aktivitäten. Die Ausstellung "Der Mond" im Wallraf-Richartz
Museum hatte nicht nur knapp 70.000 Besucher, sondern wurde außerdem noch nach
Houston exportiert.
Ein weiteres kulturelles Highlight war nach Angaben von Pierre Leich aus
Nürnberg - außer Jena und Kiel, eine der aktivsten Regionen Deutschlands im IYA
2009 - das Wissenschaftstheater "SCIENCE-Fiction: Die KeplerKonferenz", in der
vier Außerirdische die Leistungen Johannes Keplers und seine Bedeutung für die
neuzeitliche Naturwissenschaft würdigten. Neben Fachvorträgen über Keplers
Astronomie und Mathematik bekamen die Konferenzteilnehmer bei dieser
ungewöhnlichen Konferenz unterhaltsame Workshops angeboten.
Wie keine andere Wissenschaft verfügt die Astronomie über einen großen
Fundus an Liebhabern, die sich ehrenamtlich für die Verbreitung dieser
Wissenschaft einsetzen. "Vielerorts sind Veranstaltungen entstanden, von denen
wir gar nichts mitbekommen haben", ergänzte Koordinator Michael Geffert. "Das
Jahr der Astronomie ist im Grunde eine Volksbewegung geworden".
"Im Grunde haben wir jedes Jahr ein Jahr der Astronomie", wies Paul Hombach,
Künstler und Amateurastronom aus Bonn, auf den kontinuierlichen Einsatz der
Amateurastronomen hin. Besonders attraktiv für die Planetarien war das neue,
gemeinsam mit der ESA entwickelte Planetariumsprogramm "Augen im All". So
berichtete Prof. Susanne Hüttemeister von enormen Erfolgen seit der Premiere
dieses neuen Programms im Mai. "Es ist eine echte Nachhaltigkeit gegeben", so
die Leiterin des Zeiss Planetariums in Bochum.
Auf den Umstand, dass astronomische Beobachtungen durch zunehmende
Lichtverschmutzung immer stärker eingeschränkt wird, wies der Leiter des
Planetariums Osnabrück, Dr. Andreas Hänel, hin. Inzwischen sind sich dieser
Problematik auch Politiker verschiedener Parteien bewusst und machen den Schutz
des "dunklen Nachthimmels" auch zu ihrem Anliegen. In Jena beeindruckte eine
"Licht-aus" Aktion die Einwohner.
Ein weiterer Schwerpunkt des IYA 2009 war die Einbindung der Astronomie in
den Schulunterricht. Bei zahllosen Veranstaltungen in Schulen machten Lehrer und
Wissenschaftler deutlich, wie sehr Astronomie den Schulunterricht bereichern
kann. Astronomie wirkt hier gewissermaßen als "Einstiegsdroge für
naturwissenschaftliche Fächer". An Schüler- und Lehrerwettbewerben wie etwa dem
von "Science on stage" organisierten und von "Think. Ing." finanziertem
Wettbewerb "Sternstunden für Ihre Schüler" beteiligten sich zahlreiche Lehrer.
Die Aktionen der Astronomie für die Öffentlichkeit sollen auch im nächsten
Jahr fortgesetzt werden. Die Ausstellung "Sternstunden" im Gasometer Oberhausen
wird mit einem neuproduzierten Trailerfilm versuchen weitere
Astronomie-Interessierte für sich zu begeistern. Auf einem Treffen im März 2010
werden die Aktiven des Jahrs der Astronomie über Nachfolgeprojekte beraten, und
bei der Tagung der Astronomischen Gesellschaft im September 2010 in Bonn soll
das Thema "Wie geht es weiter nach dem Internationalen Jahr der Astronomie
2009?" eine Rolle spielen.
Im Internet werden auf dem neuen, von mehreren astronomischen
Dachorganisationen getragenen Portal "Astronomie in Deutschland" über 2009
hinaus astronomische Initiativen aus Forschung und Wissenschaft und der
Amateurastronomie in einem gemeinschaftlichen Auftritt zu finden sein.
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