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PLATO
Planetenjäger könnte das Geheimnis von Wolken auf heißen Gasriesen lüften
Redaktion / Pressemitteilung des Instituts für Weltraumforschung  der ÖAW
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28. April 2026

Im kommenden Jahr soll die ESA-Mission PLATO starten und vom zweiten Lagrangepunkt aus vor allem nach erdähnlichen Planeten suchen. Eine jetzt vorgestellte Studie zeigt, dass sich PLATO auch zur Untersuchung der Atmosphären von heißen Gasplaneten einsetzen lassen sollte. PLATO könnte dabei entsprechende Beobachtungen von James Webb ergänzen.

PLATO

Mit der Mission PLATO soll nach erdähnlichen Planeten gefahndet werden. Bild: ESA / ATG Europe [Großansicht]

Wolken auf Planeten sind universell und doch ganz unterschiedlich. Auf der Erde gibt es weiße Wasserwolken. Der Gasriese Jupiter in unserem Sonnensystem besitzt vielfarbige Ammoniak-Wolken. Extrasolare Gasriesen mit Temperaturen von mehr als 600 Kelvin besitzen Wolken, die aus Silikaten und Quarz bestehen. Diese theoretische Vorhersage des Wolkenmodells des IWF Graz wurde bereits mehrfach mit dem James-Webb-Weltraumteleskop bestätigt, z. B. bei WASP-39b. "Die Windgeschwindigkeiten mancher Exoplaneten werden auf der Erde nur von Düsenjets erreicht", erläutert Ludmila Carone vom Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. In einer jetzt veröffentlichten neuen Studie schlagen Carone und ihr Team vor, mit PLATO - der nächsten großen Wissenschaftsmission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) - die Wolken aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Dabei wollen sie sich das extreme Klima dieser exotischen Welten zunutze machen.

"Das IWF-Klimamodell ExoRad sagt voraus, dass die Temperatur auf diesen Exoplaneten durch einen extrem schellen äquatorialen Windjet von mehr als 3600 km/h geformt wird", erläutert Carone. "Solche Geschwindigkeiten werden auf der Erde nur von Düsenjets erreicht." Diese extremen Winde beeinflussen natürlich auch die Wolkenverteilung. Die Forscherinnen und Forscher vermuten, dass die Wolken auf der Morgenseite dicker als auf der Abendseite sein sollten, weil die Temperaturen dort durch die Winde von der Nachtseite abgekühlt werden. Die Abendseite wird dagegen durch Winde von der Tagseite erwärmt. Gerade PLATO sei besonders gut geeignet, um diese Wolken-Unterschiede während des Transits zu messen, d. h, wenn der Planet von uns aus gesehen vor seinem Stern vorbeizieht. Genauer gesagt sollte es Unterschiede zwischen dem Beginn und dem Ende des Transits geben, wobei im ersten Fall der Planet mit dem Morgen-Terminator den Stern bedeckt und im zweiten Fall mit dem Abend-Terminator. Eine solche "Transit-Asymmetrie" sollte über die unterschiedliche Dicke der Wolken und sogar die Größe der Wolkenteilchen Aufschluss geben. Für die neue Studie wurden 60 virtuelle Planetenzwillinge erschaffen, um diesen Effekt und seine Messbarkeit mit verschiedenen Missionen, vor allem PLATO, systematisch zu studieren.

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Tatsächlich wird schon seit 2015 für sechs Planeten vermutet, dass sich dort Wolken vornehmlich auf der Morgenseite bilden. Mit der Kepler-Mission wurden Asymmetrien im reflektierten Sternenlicht ausgemacht. Dieser Reflexionseffekt ist aber sehr klein und die meisten Kepler-Planeten sind zu weit weg für weitere Untersuchungen, die nähere Aufschlüsse über die Wolken geben könnten. PLATO hingegen konzentriert sich auf Planeten in unserer kosmischen Nachbarschaft. Das Teleskop wird in den ersten zwei Jahren mindestens 27 heiße Gasriesen ultra-genau vermessen und dabei nicht nur die Wolkenreflexion, sondern auch die relativ neue Messtechnik der Transit-Asymmetrie anwenden.

Die neue Studie sagt voraus, dass PLATO mit seinem Fokus auf Messungen im optischen Bereich besonders geeignet ist, um besonders kleine Wolkenteilchen in der oberen Atmosphäre zu vermessen, die im infraroten Bereich - und damit für das große James-Webb-Weltraumteleskop - weitestgehend unsichtbar sind. Das heißt, PLATO liefert mit präzisen Asymmetrie-Messungen Einsichten, die mit anderen Großteleskopen, wie zum Beispiel auch Hubble, nicht möglich sind.

Die Vermessung besonders kleiner Wolkenteilchen in heißen Gasriesen wird dabei helfen, eine fundamentale Frage zu beantworten: Wie können solche Wolken auf solchen exotischen heißen Welten überhaupt entstehen? Denn jede Wolke braucht zunächst feste Teilchen als Kondensationskeime. Ohne solche Keime ist es thermodynamisch unmöglich, solche dichten Wolken zu bilden. Auf der Erde ist es vor allem Staub, der als Kondensationskeim dient.

Heiße Jupiter haben aber im Gegensatz zur Erde keine festen Oberflächen. Die dicke Gasschicht auf solchen Planeten wird sogar immer heißer, je tiefer es geht. Die einzige Chance für die Bildung von Wolkenkeimen besteht daher in luftigen Höhen, in der oberen Atmosphäre - also genau dort, wo PLATO Wolken während eines Transits vermessen wird. Wie sich aus Gasen dennoch feste Kondensationskeime bilden können, ist ein sehr aktiver Forschungszweig, der am IWF in Graz seit Jahren intensiv betrieben wird. Hier haben die IWF-Forschenden unter anderem Titanium- und Aluminium-Oxid-Cluster unter Verdacht, als Keimzellen von Wolken zu fungieren. Auf jeden Fall werden hier die PLATO-Ergebnisse besonders erhellend sein.

 IWF-Direktorin Christiane Helling und ihr Team aus der IWF-Forschungsgruppe "Exoplaneten: Wetter und Klima" haben dabei besonders großes Interesse an sogenannten ultra-heißen Jupitern mit mehr als 2000 Kelvin heißen Tagseiten-Temperaturen. Hier besagen die Vorhersagen, dass sich beim Übergang von der Nacht zur Tagseite noch Wolken bilden können. Für die Abendseite dagegen sagen die Modelle vorher, dass weitestgehend wolkenfreie Bereiche vorherherrschen sollten. Solche extremen Unterschiede zwischen einer wolkigen Morgenseite und einer wolken-freien Abendseite sollten besonders große Transit-Asymmetrien hervorrufen.

Eines, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, würde die Studie auf jeden jeden Fall zeigen: Die PLATO-Mission, die eigentlich als Jäger für terrestrische Planeten konzipiert ist, kann auch zur Erforschung extraheißer Gasriesen viel beitragen und dabei Untersuchungen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop ergänzen.

Über die Ergebnisse ihrer Studie berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen ist.

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siehe auch
James Webb: Hinweise auf Wassereiswolken auf fernem Gasplaneten - 23. April 2026
Ferne Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach extrasolaren Planeten
Links im WWW

Carone, L. et al. (2026): Exoplanet climate characterization with transit asymmetries - A comprehensive population study from the optical to the infrared, A&A, 708, A185
Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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