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LICHTVERSCHMUTZUNG
Bedeutender Einfluss auf Nahrungsnetze an Flussufern
Redaktion / idw / Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum
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29. April 2026

Die zunehmende Lichtverschmutzung ist nicht nur ein Problem für die Astronomie, sondern kann auch ganze Ökosysteme beeinflussen. Das zeigte erneut eine jetzt vorgestellte Studie, die sich mit dem Einfluss von Licht auf Gewässer und angrenzende Bereiche befasst. Lichtverschmutzung stört danach das Ökosystem sogar stärker als invasive Arten.

Experiment

In einer weltweit einzigartigen experimentellen Anlage beleuchten die Landauer Forschenden die Kopplung von Wasser- und Landökosystemen unter dem Einfluss des Menschen. Foto: RPTU, Hans-Georg Merkel  [Großansicht]

Künstliches Licht in der Nacht verändert nicht nur das Landschaftsbild und den natürlichen Sternhimmel darüber, es greift auch tief in natürliche Ökosysteme ein. Eine aktuelle Studie der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zeigt, dass Lichtverschmutzung den Energie- und Nährstoffaustausch zwischen Gewässern und angrenzenden Uferlebensräumen erheblich beeinflussen kann – stärker als nicht-heimische Arten. Die Beleuchtung an Flussufern oder Bächen kann somit weitreichende ökologische Folgen haben.

Zunehmende menschliche Aktivitäten entlang von Flüssen und Bächen stören die natürlichen Verbindungen zwischen Wasser und Land. Vor allem künstliches Licht in der Nacht, etwa durch Straßenbeleuchtung, nimmt weltweit stark zu. Gleichzeitig breiten sich invasive Arten wie der aus Nordamerika stammende Signalkrebs in europäischen Flüssen und Bächen immer weiter aus. Beide Faktoren sind große Stressoren für Süßwasserökosysteme – mit Folgen, die über das Gewässer hinausreichen.

Um diesen auf den Grund zu gehen, haben die Forschenden untersucht, wie nächtliche Beleuchtung und der invasive Signalkrebs das Fressverhalten von räuberischen Spinnen an den Ufern beeinflussen. Diese Spinnen sind wichtige Bestandteile der Nahrungsnetze an Land und ernähren sich vor allem von Insekten, die aus dem Wasser schlüpfen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass menschliche Eingriffe in aquatische Ökosysteme weitreichende Auswirkungen auf angrenzende Landökosysteme haben können", unterstreicht Umweltwissenschaftler Collins Ogbeide. Für seine Studie nutzte das Forschungsteam eine spezielle Experimentalanlage in Landau mit 16 künstlichen Bächen und angrenzenden Uferbereichen, die miteinander verknüpfte Wasser- und Landökosysteme realitätsnah simuliert.

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Mithilfe von Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen, die sich besonders für die Erforschung von Nahrungsnetzen eignen, verfolgten die Forschenden den Transport von Energie und Nährstoffen zwischen den beiden Lebensräumen Wasser und Land. Dabei zeigte sich: Während aquatische Beutetiere sowohl in der Kontrolle als auch bei Lichtverschmutzung und der Anwesenheit invasiver Flusskrebse einen großen Teil an der Nahrung der Spinnen ausmachte, veränderte Lichtverschmutzung die Zusammensetzung der Nahrung deutlich. Unter nächtlicher Beleuchtung fraßen die Spinnen eine größere Vielfalt an Beutetieren. Auch der invasive Signalkrebs veränderte bei Lichtverschmutzung sein Fressverhalten und ernährte sich stärker von Zuckmückenlarven und kleinen Krebstieren (Gammariden). Dieser stärkere Fraßdruck auf die Zuckmückenlarven wirkt sich über den verringerten Schlupf dieser Insekten auch auf die Spinnen an Land aus. Insgesamt beeinflusste die Lichtverschmutzung die Nahrungsnetze deutlich stärker als die invasive Art.

"Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Lichtverschmutzung als Umweltfaktor bislang unterschätzt wird, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung entlang von Flussufern", verdeutlicht Umweltwissenschaftler Ralf Schulz. "Sie verändert den Energiefluss und den Nährstofftransport zwischen Wasser und Land erheblich – selbst dann, wenn weitere Stressfaktoren wie invasive Arten vorhanden sind". Künstliche Beleuchtung beeinflusst also nicht nur einzelne Arten, sondern kann ganze Ökosystemverbindungen verschieben. "Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für den Naturschutz und das Gewässermanagement", so Ogbeide.

In einer zunehmend urbanisierten Welt können scheinbar lokale Eingriffe, wie die Beleuchtung an Flussufern, weitreichend ökologische Folgen haben. Lichtverschmutzung sollte stärker in Schutz- und Planungsmaßnahmen einbezogen werden, so die Forschenden, um die Biodiversität an Flüssen und Bächen langfristig zu erhalten.

Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Functional Ecology veröffentlicht.

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Links im WWW
Ogbeide, C. et al (2026): Artificial light at night and invasive signal crayfish alter aquatic-terrestrial food webs, Functional Ecology, 00, 1–15,  https://doi.org/10.1111/1365-2435.70335
Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau
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