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Die Heimatgalaxie eines weit entfernten Quasars
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie astronews.com
6. Juli 2026
Mit dem ESA-Weltraumteleskop Euclid hat ein neues
Kapitel der Erforschung früher Quasare und ihrer Heimatgalaxien begonnen. Jetzt
beobachtete ein Team nämlich eine der Entdeckungen von Euclid im
Submillimeterbereich und konnte so die Heimatgalaxie eines der frühesten
bekannten supermassereichen Schwarzen Löcher im Universum näher untersuchen.

Künstlerische Darstellung des frühen Quasars
mit seiner Heimatgalaxie, in der große Mengen an
neuen Sternen entstehen.
Bild: T.
Müller, HdA / MPIA [Großansicht] |
Aktive Galaxienkerne, insbesondere sogenannte Quasare, sind für einige der
hellsten Leuchterscheinungen verantwortlich, die die Astronomie am Himmel
beobachtet. "Antrieb" für die enorme Leuchtkraft ist dabei jeweils Materie, die
auf ein zentrales supermassereiches Schwarzes Loch fällt, also auf ein Schwarzes
Loch mit Millionen, Milliarden oder sogar noch mehr Sonnenmassen. Solche
supermassereichen Schwarzen Löcher kommen in so gut wie allen Galaxien vor. Der
Energieausstoß beeinflusst dabei die Sternentstehung der umgebenden Galaxie –
ein Effekt, der bei den massereichsten Galaxien besonders stark ausgeprägt ist.
Der aktive Galaxienkern hemmt Sternentstehung, indem er das Gas, das den
Rohstoff für neue Sterne bildet, erhitzt. Er kann aber auch dazu beitragen,
jenes Gas zu verdichten, und die Sternentstehung damit zu fördern.
Die Entstehung der ersten Galaxien und ihrer zentralen Schwarzen Löcher ist
ein hoch aktives Forschungsgebiet. Ein wichtiger Teil des Puzzles ist dabei die
Suche nach den ersten Quasaren, und die Untersuchung ihrer Heimatgalaxien.
Allerdings ist solch ein Blick in die Vergangenheit immer eine Herausforderung:
Wir sehen Objekte genau dann so, wie sie im frühen Universum waren, wenn ihr
Licht besonders lange benötigt hat, um uns zu erreichen. Zeigt uns das Licht,
das heute unsere Teleskope erreicht, uns einen Quasar so, wie er vor 13,4
Milliarden Jahren war, dann liegt das schließlich daran, dass jenes Licht 13,4
Milliarden Jahre gebraucht hat, um von jenem Quasar zu unseren Teleskopen zu
gelangen.
Über so große Entfernungen beobachtet erscheinen selbst von Natur aus extrem
helle Objekte wie Quasare vergleichsweise leuchtschwach. Am einfachsten zu
beobachten sind naturgemäß besonders helle Exemplare – aber dass ein Quasar
extrem hell ist, bedeutet gleichzeitig, dass er nicht repräsentativ für die
Population der Quasare insgesamt sein dürfte. Und genau hier kann das
ESA-Weltraumteleskop seine Stärken ausspielen: als besonders guter
"Quasar-Finder" im frühen Universum – eine beachtliche Leistungsfähigkeit, die
durch Nachbeobachtungen mit bodengestützten Teleskopen bestätigt wird.
Eduardo Bañados, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA)
und von 2022 bis 2025 Co-Leiter der Quasar-Gruppe für Euclid, sagt: "Zu
sehen, wie Euclid sein Potenzial ausschöpft, ist ungemein befriedigend.
Aber es kommt noch besser: Zum ersten Mal können wir gewöhnliche, typische
Quasare im frühen Universums untersuchen, nicht nur außergewöhnlich helle. Das
liefert Informationen darüber, wie der Großteil der frühen Schwarzen Löcher
gewachsen ist – und wie diese Schwarzen Löcher ihre Heimatgalaxien beeinflusst
haben." Nach nur 1,5 Jahren Beobachtungszeit hat Euclid die Zahl der
bekannten frühen Quasare von neun auf 21 bereits mehr als verdoppelt. Innerhalb
weniger Monate konnte Euclid den Rotverschiebungsrekord für Quasare
dabei nicht nur einmal, sondern gleich zweimal brechen!
Für einen jener gewöhnlichen frühen Quasare konnten Silvia Belladitta vom
MPIA und ihr Team die Heimatgalaxie genauer unter die Lupe nehmen. Der Quasar
trägt die Bezeichnung EUCL J125308.55+705432.3. Was uns heute an Licht von
diesem Quasar erreicht, wurde vor 13 Milliarden Jahren ausgestrahlt, ganze 800
Millionen Jahre nach dem Urknall. Der Quasar ist im UV-Bereich nur rund 15 % so
hell wie frühere Quasare, die den Rekord bei der Rotverschiebung hielten.
Für ihre Beobachtungen der Heimatgalaxie nutzten die Astronominnen und
Astronomen das NOEMA-Antennenfeld (NOrthern Extended Millimeter Array) auf dem
Plateau de Bure in den französischen Alpen. Die zwölf 15-Meter-Antennen von
NOEMA werden so zusammengeschaltet, dass sie wie ein einzelnes, deutlich
größeres Teleskop agieren. Mit diesem Verbund beobachtete man die Heimatgalaxie
bei zwei sorgfältig ausgewählten Submillimeter-Wellenlängen.
Die erste Art von Licht heißt in der Astronomie [CII]-Linie. Solches Licht
entsteht in Molekülwolken, in denen gerade neue Sterne entstehen. Aus der
Helligkeit jener Linie kann man daher auf die Sternentstehungsrate einer Galaxie
schließen. Das Licht ermöglicht zudem eine Massenschätzung: Die meisten von uns
haben schon direkt erlebt, wie sich das "Tatü-Tata" eines Einsatzfahrzeugs
verändert, wenn das Fahrzeug an uns vorbeifährt. Bewegung beeinflusst die
Wellenlänge von Wellen. In einer Art Umkehrschluss lässt sich aus der Form der
[CII]-Linie rekonstruieren, wie sich das Gas in der betreffenden Galaxie bewegt.
Das wiederum erlaubt eine Abschätzung der Masse jener Galaxie.
Die zweite Art von Submillimeter-Licht, die Belladitta und ihr Team
untersucht haben, ist die Wärmestrahlung des kalten Staubs in einer Galaxie. Die
Intensität dieses Lichts lässt Rückschlüsse darauf zu, mit wie viel Staub wir es
in jener Galaxie zu tun haben. Die Menge an Staub wiederum hängt typischerweise
mit der Menge an molekularem Wasserstoff in einer Galaxie zusammen, dem
Ausgangsmaterial für die Sternentstehung – und die Beobachtungen zeigen, dass
jene Galaxie offenbar viel Staub und damit molekularen Wasserstoff besitzt!
Aus ihren Beobachtungen konnten Belladitta und ihren Kolleginnen und Kollegen
wichtige Eigenschaften der Galaxie rekonstruieren, in der sich der Quasar
befindet. In jener Galaxie entstehen offenbar jedes Jahr neue Sterne mit einer
Gesamtmasse von mehr als 250 Sonnenmassen pro Jahr. Im Vergleich mit rund einer
Sonnenmasse an neuen Sternen pro Jahr in unserer Milchstraße ist das viel. Die
hohe Sternentstehungsrate kommt angesichts früherer Beobachtungen an weniger
weit entfernten Quasaren aber nicht unerwartet. Die Masse der Galaxie ergibt
sich zu rund zehn Milliarden Sonnenmassen. Das ist rund ein Zehntel der Masse
unserer Milchstraße, und passt zu einer frühen Galaxien, die den Großteil ihres
Wachstums erst noch vor sich hat.
"Wir haben eine Galaxie gefunden, die alle Zutaten dafür besitzt, einmal zu
einem wirklich großen Exemplar zu werden: Sie ist so massereich wie die
Heimatgalaxien der hellsten frühen Quasare, und sie enthält ein riesiges
Reservoir an molekularem Gas, das intensive Sternentstehung ermöglicht",
erläutert Belladitta, die neue Co-Leiterin der Quasar-Arbeitsgruppe von
Euclid. "Das eröffnet eine faszinierende Möglichkeit: UV-schwache Quasare
wie EUCL J125308.55+705432.3 befinden sich möglicherweise in einem anderen
Entwicklungsstadium als ihre leuchtkräftigeren Verwandten. Entweder wächst das
Schwarze Loch bei ihnen langsamer als bei den hellsten Quasaren, oder aber ein
Großteil ihrer Aktivität ist hinter dichten Staubwolken verborgen. Welche dieser
Möglichkeiten zutrifft, müssen wir jetzt mithilfe zukünftiger Beobachtungen
herausfinden."
Für unser Gesamtbild der Galaxienentwicklung sind das einzelne Puzzleteile,
aber es sind durchaus wichtige Puzzleteile, die der Astronomie zudem sagen, was
es als Nächstes zu untersuchen gilt. Die vollständige, auf sechs Jahre angelegte
Himmelsdurchmusterung mit Euclid dürfte Hunderte weiterer früher
Quasare dieser Art finden. Folgebeobachtungen wie die von Belladitta und ihrem
Team werden dazu jeweils Informationen über Sternentstehungsraten und
Galaxienmassen liefern. Damit dürfte nach und nach ein immer vollständigeres
Bild der frühesten Galaxien und supermassereichen Schwarzen Löcher im Universum
entstehen. Entsprechend detailreicher dürfte unser Bild von der Entstehung und
Entwicklung der frühesten Galaxien – und damit einer wichtigen Voraussetzung für
unsere eigene Existenz – werden.
Die Ergebnisse von Belladitta und ihrem Team und auch die Ergebnisse der
Euclid-Quasar-Suche wurden in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics
veröffentlicht.
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