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Ein Fenster ins frühe Universum
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie astronews.com
3. Juli 2026
Das Schwarze Loch im Zentrum der nahen Galaxie SDSS
J110546.07+145202.4 wächst außergewöhnlich schnell und sorgt für einen bisher
nie beobachteten Ausbruch von Radiostrahlung. Da man genau solche Eigenschaften
auch im frühen Universum erwartet, liefert die Galaxie damit wichtige
Erkenntnisse über das Wachstum der ersten Schwarzen Löcher.

Die Galaxie SDSS J110546.07+145202.4 ist der
Erde so nah, dass man ihre Form mit den zwei
Spiralarmen gut auf Aufnahmen erkennen kann. Das
Foto ist ein Komposit aus Strahlung im sichtbaren
Licht und nahen Infrarot.
Bild: DESI Legacy Survey [Großansicht] |
Kurzlebige Quellen von Radiostrahlung am Himmel, sogenannte
Radio-Transienten, können in der Umgebung von Schwarzen Löchern entstehen. Sie
sind das Ergebnis von Prozessen, die unter extremen physikalischen Bedingungen
ablaufen. Während die meisten Radio-Transienten nur Tage oder Wochen andauern,
leuchtet das extrem massereiche Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie SDSS
J110546.07+145202.4 seit mehreren Jahren sehr hell im Radiolicht – als erste
Quelle ihrer Art. Ein internationales Team um Stefanie Komossa vom
Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) untersuchte die einzigartige
Galaxie mithilfe neuer Beobachtungen und Archivdaten, die von
niederenergetischer Radiostrahlung bis hin zu hochenergetischem Röntgenlicht
reichen.
Die Spiralgalaxie SDSS J110546.07+145202.4 befindet sich rund 1,8 Milliarden
Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Löwe. Die Intensität ihrer
Radiostrahlung hat sich innerhalb kurzer Zeit um mehr als das 20-Fache erhöht
und zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung. Seit mittlerweile über acht Jahren
leuchtet die Galaxie außergewöhnlich hell im Radiobereich – rund zehn Billiarden
Mal so intensiv wie unsere Sonne. "Wir haben es mit dem Prototyp einer neuen
Klasse von Galaxien zu tun, die sich im Radiobereich kurzfristig stark ändern",
kommentiert Phil Edwards von der Commonwealth Scientific and Industrial
Research Organisation (CSIRO).
Die Quelle der Radiostrahlung liegt am Schwarzen Loch im Zentrum der Galaxie.
Dieses hat eine vergleichsweise geringe Masse, die sich durch das Aufsammeln (Akkretieren)
von Materie jedoch außergewöhnlich schnell erhöht. "Helle Radiostrahlung von
rapide wachsenden, leichten Schwarzen Löchern ist ohnehin selten. Der Eintritt
in einen langlebigen, radiohellen Zustand wurde vorher noch nie beobachtet", so
Komossa. "Folgebeobachtungen mit zahlreichen Teleskopen, unter anderem mit dem
100-Meter-Radioteleskop in Effelsberg, dem Australia Telescope Compact Array
von CSIRO und Satelliten im Weltraum, bestätigen die einzigartigen Eigenschaften
der Quelle", ergänzt Alexander Kraus vom MPIfR.
Das Team vermutet auf Grundlage des umfangreichen Datensatzes, dass seit
einigen Jahren mehr Materie in das Schwarze Loch fällt, was wiederum einen Jet
gestartet hat – einen gebündelten Strahl fast lichtschneller Teilchen, die
Strahlung abgeben. Warum genau mehr Materie in das Schwarze Loch fällt und warum
der Ausbruch schon so lange andauert, ist noch nicht abschließend geklärt.
Eine geringe Masse und ein schnelles Wachstum sind genau die Eigenschaften
von zentralen Schwarzen Löchern, die man von Galaxien im frühen Universum
erwartet. SDSS J110546.07+145202.4 befindet sich im Vergleich zu diesen weit
entfernten Quellen jedoch in unserer kosmischen Nachbarschaft. Das ermöglicht
detaillierte Beobachtungen und Rückschlüsse auf die physikalischen Prozesse rund
um die Entwicklung Schwarzer Löcher und das Entstehen von Jets.
"Solche hochenergetischen Ereignisse können Astronomen eine Fülle von
Erkenntnissen liefern. Durch das Beobachten dieser Jets und Ausbrüche können wir
die physikalischen Vorgänge in einigen der extremsten Umgebungen des Universums
untersuchen", erläutert Kovi Rose vom Sydney Institute for Astronomy
der Universität Sydney. Mit hochauflösenden Instrumenten wie dem Very Long
Baseline Array (VLBA) wird sich in Zukunft die Struktur des Jets darstellen
und die Entwicklung der Radiostrahlung über weitere Jahre verfolgen lassen.
"Mit empfindlichen Anlagen wie dem kommenden SKA wird man ähnliche
Radio-Transienten in zukünftigen Himmelsdurchmusterungen identifizieren können.
Das ist entscheidend, um Lücken in unserem Verständnis des frühen Universums zu
schließen", erklärt Komossa. Die aktuellen Ergebnisse wurden im Fachjournal
The Astrophysical Journal veröffentlicht.
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