|
Morgen- und Abenddämmerung auf dem Gasriesen WASP-121 b
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie astronews.com
11. Juni 2026
Mithilfe des Infrarot-Weltraumteleskops James Webb
entdeckten Forschende jetzt deutliche Unterschiede in der Atmosphäre zwischen
der morgendlichen und abendlichen Übergangszone des ultraheißen Gasplaneten
WASP-121 b. Diese betreffen etwa die Temperatur und die chemische
Zusammensetzung. Nun sollen weitere Planeten auf diese Weise untersucht werden.

Künstlerische Darstellung des Exoplaneten
WASP-121 b. Er gehört zur Klasse der "heißen
Jupiter". Aufgrund der Nähe zu seinem
Zentralstern ist die Rotation des Planeten an
seinen Umlauf um den Stern gebunden und dadurch
eine der Hemisphären immer dem Stern zugewandt.
Foto: Patricia
Klein und MPIA [Großansicht] |
Astronominnen und Astronomen haben deutliche Unterschiede in den
atmosphärischen Bedingungen zwischen den morgendlichen und abendlichen
Übergangszonen des ultraheißen Gasplaneten WASP-121 b nachgewiesen. Diese Zonen
trennen Tag und Nacht und werden im Fachjargon als Terminatoren bezeichnet.
Dieser Erfolg war nur dank der unerreichten Empfindlichkeit des
James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) möglich. Ein Team von Forschenden unter der
Leitung von Cyril Gapp, Doktorand am Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA)
in Heidelberg, wies dieses Phänomen nach, das zuvor durch theoretische
Berechnungen vorhergesagt worden war.
Die Entdeckung basiert auf einer Asymmetrie bei der Absorption des
Infrarotlichts des Zentralsterns, das während des Transits des Planeten
teilweise durch dessen Atmosphäre gefiltert wird. Die Forschenden interpretieren
dies als Folge ungleichmäßiger Temperaturen und chemischer Zusammensetzungen in
der Atmosphäre des Exoplaneten. "Mit seiner beispiellosen Beobachtungsqualität
gewährt das JWST die bisher detailliertesten Einblicke in ferne Planeten: Indem
wir messen, wie sich die Absorption des Sternenlichts während der Rotation von
WASP-121 b verändert, tasten wir seine Atmosphäre Längengrad für Längengrad ab",
so Gapp. Die Daten deuten darauf hin, dass die Abendseite mehr Licht
absorbiert als die Morgenseite. Dies deckt sich mit der allgemein akzeptierten
Vorstellung von starken Winden, die heiße Gase von der Tag- auf die Nachtseite
transportieren. Die heißen Winde folgen der Rotation des Planeten nach Osten und
heizen dadurch die Abendzone auf. Mit steigenden Temperaturen dehnt sich diese
Region unweigerlich aus, wodurch sich der Querschnitt des Planeten vergrößert
und er die Sternstrahlung effizienter absorbieren kann.
Neben einer allgemeinen, leichten Verringerung der Helligkeit gegen Ende des
Transits zeigen die Daten des NIRSpec-Instruments (Near-infrared spectrograph)
des JWST auch einen Anstieg des Kohlenmonoxid-Signals (CO). Dies scheint jedoch
ein Temperatureffekt zu sein und steht nicht im Zusammenhang mit einer Zunahme
der Anzahl der Kohlenmonoxidmoleküle. Im Gegensatz dazu gibt es Anzeichen dafür,
dass die Menge an Wasser in der Atmosphäre sinkt, was die Astronominnen und
Astronomen als eine reale Abnahme von Wassermolekülen interpretieren. Die
Temperaturen in der oberen Atmosphäre sind hoch genug, um Wassermoleküle in ihre
Bestandteile zu zerlegen. Dieses Ergebnis untermauert erneut die Existenz heißer
Winde, die die Region des Abendterminators aufheizen.
Um diese winzigen Veränderungen zu erfassen, machten sich die Astronominnen
und Astronomen ein besonderes Verhalten heißer Gasplaneten zunutze. Die Nähe zu
ihren Heimatsternen synchronisiert durch Gezeitenkräfte im Laufe der Zeit ihre
Eigenrotation und ihre Umlaufbewegung, sodass eine Rotation schließlich genau so
lange dauert wie ein Umlauf. Letztlich weisen diese Planeten zwei völlig
unterschiedliche Hemisphären auf: eine heiße, die ständig dem Stern zugewandt
ist, und eine gegenüberliegende, dunklere und kühlere Seite.
"WASP-121b ist besonders extrem: Die Durchschnittstemperaturen auf der
Tagseite liegen bei etwa 2770 Kelvin, während sie auf der Nachtseite eher bei
etwa 1000 Kelvin liegen", erklärt Tom Evans-Soma von der Universität Newcastle
in Australien, der zuvor den Temperaturbereich des Planeten bestimmt hat und
ebenfalls dem MPIA angehört. Diese Werte entsprechen fast 2500 Grad Celsius auf
der Tagseite und ungefähr 725 Grad Celsius in der Nacht. Während der Beobachtung
des Transits eines solchen Planeten vor seinem Stern rotiert der Planet zwischen
dem Beginn und dem Ende des Vorbeizugs ein Stück weiter und gibt dabei
unterschiedliche Teile seiner Atmosphäre preis. Während der Planet meist seine
Nachtseite zeigt, ermöglicht unsere Perspektive, je nach Fortschritt des
Transits, einen Blick über die Morgen- und Abenddämmerung hinaus in Richtung der
hellen Tagseite. Die Zone, die sich in Bewegungsrichtung des Planeten befindet,
entspricht der Morgenseite. Die nachfolgende Zone ist die Abendseite.
Neben der Aufzeichnung der gemessenen Helligkeitsänderungen im Laufe der Zeit
zerlegen Spektrografen das Licht in kleinere Komponenten – was in der Physik als
Spektrum bezeichnet wird –, ähnlich wie ein Prisma eine regenbogenartige
Farbverteilung erzeugt. Da atmosphärische Gase Licht bei ganz bestimmten Farben
oder Wellenlängen absorbieren, verrät eine detaillierte Analyse deren chemische
Zusammensetzung.
Die Veränderung entlang der Rotationsrichtung spiegelt sich somit in einer
zeitabhängigen Änderung des gefilterten Signals wider. Im Fall von WASP-121 b
beträgt der Rotationswinkel während eines vollständigen Transits etwa 30 Grad.
Das reicht aus, um den Morgen- und den Abendterminator mit hoher Präzision
entlang unterschiedlicher Längengrade zu untersuchen. Normalerweise mitteln
Astronominnen und Astronomen die Messungen über den gesamten Transit, um ein
klareres Signal zu erhalten. Um jedoch zu bestimmen, wie sich das Licht während
der Bewegung des Planeten vor dem Stern verändert, ließen Gapp und seine
Kollegen eine zeitliche Variation während der Planetenrotation zu. Durch den
Einsatz statistischer Methoden stellten sie fest, dass ihr Verfahren die Daten
deutlich besser beschreibt. Dies zeigt, dass sie tatsächlich eine signifikante
Variation nachgewiesen haben.
Um die gemessenen Temperaturen zu bestätigen, die eine lokale Ausdehnung
verursachen würden, wandten die Forschenden mathematische Modelle der
physikalischen Bedingungen an. Diese simulierten die Wärmeverteilung in den
oberen Schichten eines Gasplaneten in Abhängigkeit von den Eigenschaften des
Planeten sowie von der Konstellation zwischen Planet und Heimatstern. Während
diese Atmosphärenmodelle die Temperaturunterschiede bestätigten, wiesen die
Daten eine größere Signalamplitude auf, als die Modelle vorhergesagt hatten. Die
Astronominnen und Astronomen vermuteten, dass am Morgenterminator
Kühlmechanismen am Werk sein könnten, die in den Modellen nicht berücksichtigt
wurden.
Frühere Studien haben darauf hingewiesen, dass es Wolken geben könnte, die
jedoch nicht aus Wassertröpfchen, sondern aus Mineralien wie Silikaten bestehen.
Wolken können Infrarotlicht aus den darunterliegenden heißen Gasschichten
effizient abschirmen und dadurch niedrigere Temperaturen vortäuschen.
Bekanntermaßen ist die Simulation der Physik von Wolken, Kondensation und
Verdampfung in einer dynamischen Umgebung extrem schwierig. Daher
berücksichtigen die üblicherweise auf Exoplanetenatmosphären angewandten
physikalischen Modelle, wie auch in dieser Studie, keine Wolken, was zu
unrealistischen Ergebnissen führen kann. Nachdem die Simulation so angepasst
wurde, dass sie den Effekt von Wolken auf die Infrarotstrahlung aus tieferen
Schichten näherungsweise nachahmt, stimmten die Ergebnisse besser mit den
Beobachtungen überein. Dennoch werden erst komplexere Modelle in der Lage sein,
das Vorhandensein von Wolken zuverlässig zu bestätigen.
Zukünftige Untersuchungen mit dieser Methode werden von den verbesserten
Modellen profitieren. Die Astronominnen und Astronomen haben bereits weitere
geeignete Ziele im erforderlichen Temperaturbereich und mit der passenden
Rotationsgeschwindigkeit ins Auge gefasst, um deren Terminatorregionen
erfolgreich zu untersuchen. Dies wird ihnen helfen, eine Stichprobe ultraheißer
Gasplaneten aufzubauen, deren Struktur entlang der Rotationsrichtung zu
entschlüsseln und potenziell Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zwischen diesen
extremen Welten zu entdecken.
Über ihre Ergebnisse berichten Gapp und seine Kollegen in einem Fachartikel,
der in der Fachzeitschrift Nature Astronomy erschienen ist.
|