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PROTOPLANETARE SCHEIBEN
Wie planetenbildende Scheiben um junge Sterne entstehen
Redaktion / idw / Pressemitteilung der Universität Innsbruck
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15. April 2026

Aus wirbelndem Gas und Staub entstehen Planeten. Dank einer jetzt vorgestellten Studie lässt sich nun erstmals im Detail nachvollziehen, wie einströmendes Material aus sternbildenden Regionen allmählich zu planetenbildenden Scheiben wird. Dazu wurden numerische Simulationen mit Beobachtungen des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array kombiniert.

ENDTRANZ

Anschauliche Darstellung von ENDTRANZ, der Übergangszone zwischen Gashülle und protoplanetarer Scheibe. Der rot gefärbte Ring zeigt, wie Gas von der einfallenden Hülle in geordnete Rotation übergeht. Basierend auf KI-Visualisierung von Simulationsdaten. Bild: Indrani Das / ASIAA [Großansicht]

Protoplanetare Scheiben entstehen um junge Sterne, wenn dichte Kerne aus Molekülwolken unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren. Eine äußere Hülle aus Gas und Staub, der sogenannte "Envelope", umgibt und speist dabei sowohl den jungen Stern als auch die entstehende Scheibe. Es ist zwar bekannt, dass sich Planeten in diesen Scheiben bilden und auf Kepler’schen Bahnen bewegen, also auf elliptischen Umlaufbahnen um ein wesentlich massereicheres Zentralobjekt. Der Mechanismus, durch den einströmendes Gas aus der Hülle in diese geordnete Kepler-Rotation innerhalb der Scheibe übergeht, blieb jedoch über Jahrzehnte hinweg ungeklärt.

"Wir sehen hier erstmals im Detail, wie sich aus einströmendem Material eine geordnete Scheibenstruktur entwickelt", sagt der Eduard Vorobyov vom Institut für Astro- und Teilchenphysik an der Universität Innsbruck, der an der Studie unter der Leitung von Indrani Das vom Academia Sinica Institute of Astronomy and Astrophysics (ASIAA) beteiligt war. Auf Basis theoretischer und beobachtungsbasierter Hinweise zeigt das Forschungsteam erstmals, dass es an der Grenzfläche zwischen Hülle und Scheibe in einem jungen Stern-Scheiben-System eine klar unterscheidbare Übergangszone gibt. Diese Zone bezeichnete Das als "ENDTRANZ" (Envelope Disk Transition Zone). Die Ergebnisse belegen, dass sich die Bewegung des einströmenden Gases über diese Übergangszone hinweg allmählich in Kepler-Bewegung verwandelt. Entscheidend ist dabei, dass dieser Übergang keineswegs abrupt erfolgt und damit früheren Modellen widerspricht.

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"Die Existenz von ENDTRANZ ergibt sich auf natürliche Weise aus der Umverteilung von Masse und Drehimpuls während der Bildung von Scheiben um junge Sterne. Dieser Prozess bestimmt letztlich, wie sich einströmendes Material aus der Hülle, das sich langsamer als mit Kepler-Geschwindigkeit bewegt, ausbreitet, die Scheibe bildet und sich allmählich in eine geordnete Kepler-Rotation einfügt", erklärt Das. "Die Entdeckung von ENDTRANZ ist ein wichtiger Schritt für das Verständnis der Entstehung von Sternen und Planetensystemen, einschließlich unseres eigenen Sonnensystems."

Um ENDTRANZ zu untersuchen, führte das Team zunächst numerische Simulationen mit FEOSAD durch, einem Code, der die Entwicklung eines Stern-Scheiben-Systems vom Kollaps eines sternlosen Wolkenkerns an modelliert. Die Ergebnisse zeigten, dass sich der Übergang von der einfallenden, rotierenden Hülle zur rotierenden Scheibe allmählich über einen "Sprung" innerhalb einer endlichen Breite im radialen Profil des spezifischen Drehimpulses vollzieht. Diesen Sprung identifizierte das Team als ein neues charakteristisches Kennzeichen von ENDTRANZ.

Der spezifische Drehimpuls beschreibt, wie schnell und in welchem Abstand ein Gasvolumenelement ein Objekt umkreist und ist dabei unabhängig von der Masse. Er ermöglicht ein Verständnis der Organisation von Material in einer rotierenden Scheibe, die aus einer langsam rotierenden Gaswolke entsteht. In der Scheibe findet eine dynamische Umverteilung des Drehimpulses statt. Dieser Prozess ist vergleichbar mit atmosphärischer Konvektion: Warme Luft steigt auf, kalte Luft sinkt ab, während Wärme ausgetauscht wird. "Dieser ENDTRANZ-Indikator in Form eines Sprungs im Profil des spezifischen Drehimpulses ist im Wesentlichen Ausdruck des allmählichen Übergangs in der Rotationsgeschwindigkeit. Damit bietet er einen diagnostischen Rahmen, um die physikalischen Prozesse zu verstehen, die die Entwicklung der Scheibe antreiben", ergänzt Shantanu Basu von der University of Toronto, der auch zum Team gehörte.

 Das Team untersuchte zudem L1527 IRS, einen jungen Stern rund 450 Lichtjahre von der Erde entfernt in der Taurus-Molekülwolke, dessen Scheibe einen Radius von etwa 70 Astronomischen Einheiten besitzt. Mithilfe der hochauflösenden ALMA Large Program eDisk-Beobachtungen ("Embedded Disks in Planet Formation") konnten die Forschenden erstmals einen ähnlichen Sprung im Radialprofil des spezifischen Drehimpulses am Hülle-Scheibe-Übergang von L1527 IRS identifizieren. Dieser Sprung erstreckt sich über eine radiale Breite von rund 16 Astronomischen Einheiten und bestätigte damit die Existenz der Übergangszone.

"Interessanterweise zeigt das modellierte ENDTRANZ deutliche lokale Variationen in der Kinematik entlang des Umfangs der Scheibe. In Verbindung mit Beobachtungen kann das neue Einblicke in die komplexe Spiralstruktur protoplanetarer Scheiben liefern", ergänzt Vorobyov. Die Arbeit etabliert ENDTRANZ als ein neues Forschungsfeld in der Untersuchung der Stern- und Planetenentstehung. Sie eröffnet die Möglichkeit, die komplexe Physik dieser Übergangszone künftig genauer zu erforschen und in weiteren jungen Sternsystemen nach entsprechenden Signaturen zu suchen.

Über ihre Untersuchungen berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift The Astrophysical Journal erschienen ist.

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siehe auch
ALMA: Detaillierter Blick in planetare Kinderstube - 17. September 2021
Links im WWW

Das, I. et al. (2026): Modeling the Break in the Specific Angular Momentum within the Envelope–Disk Transition Zone, ApJ, 1001, 166
Universität Innsbruck 
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