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EXOMARS TRACE GAS ORBITER
Hinweise auf vulkanische Aktivität auf dem Mars
von Stefan Deiters
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5. November 2026

Auf der Oberfläche des Mars finden sich gewaltige Vulkane und zeugen von einem einst geologisch aktiven Planeten. Doch wie sieht es heute auf dem Mars aus? Analysen der Marsatmosphäre und Fotos der ESA-Sonde ExoMars Trace Gas Orbiter deuten darauf hin, dass die Aktivität noch nicht endgültig zum Erliegen gekommen ist, sondern lediglich ruhen könnte.

Alba Mons

Die nördlichen Hänge des Vulkans Alba Mons auf dem Mars. Bei den weißen Flecken könnte es sich um Ablagerungen von magmatischen Gasen aus dem Inneren handeln. Die Aufnahme wurde mit dem Instrument CaSSIS an Bord des ExoMars Trace Gas Orbiter gemacht. Bild: ESA / TGO / CaSSIS [Großansicht]

Auf Bildern Daten der ESA-Sonde ExoMars Trace Gas Orbiter (TGO) finden sich Hinweise auf frische Spalten in der Region rund um den Vulkan Alba Mons. Hier könnten, so die Vermutung, Gase aus dem Inneren des Planeten an die Oberfläche gelangt sein. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Alexander Trokhimovskiy vom Moskauer Space Research Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften konnte hier auch saisonal vorhandenen Chlorwasserstoff nachweisen, der aus heißem Magma unter der Oberfläche stammen könnte.

Chlorwasserstoff in der Marsatmosphäre hatte der TGO bereits im Jahr 2021 nachgewiesen. Da dieses Gas auf der Erde oft aus vulkanischen Schloten entweicht, stellte sich natürlich die Frage, ob das auch auf dem Mars so sein könnte. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Mars bis vor kurzem genügend innere Wärme gespeichert hatte, um vulkanische Aktivität zu ermöglichen, und dies möglicherweise immer noch tut", erläutert Daniel Mège, Professor am Space Research Centre der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Das Vorkommen von Chlorwasserstoff in der Atmosphäre unterliegt auf dem Mars saisonalen Schwankungen: Es erreicht die höchsten Werte im Winter der Nordhalbkugel und verschwindet dann im Sommer fast vollständig. Diese Schwankungen scheinen mit saisonalen Veränderungen des Staub- und Wassergehalts in der Atmosphäre zu tun zu haben. Bei den Beobachtungen mit dem TGO hielt sich jedoch eine Region auf dem Mars nicht an diese Regel: An den Hängen des Vulkans Alba Mons auf der Nordhalbkugel fanden sich immer im Frühsommer Hinweise auf Chlorwasserstoff.

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Auf dem Mars gibt es die größten Vulkane im Sonnensystem. Ob sie noch aktiv sind, ließ sich aus dem Marsorbit bislang nicht sicher feststellen. Allerdings fanden sich Hinweise darauf, dass einige Vulkane noch in den letzten paar Millionen Jahren aktiv gewesen sein müssen. Seismometer an Bord des Marslanders InSight haben zudem Marsbeben registriert. Beides könnte für eine noch immer vorhandene vulkanische Aktivität sprechen. Nur frische Lavaströme oder gar Eruptionen wurden bislang nicht beobachtet.

Für die jetzt präsentierten Schlussfolgerungen wurden geologische Beobachtungen und atmosphärische Messungen zusammengeführt. Der Nachweis von Chlorwasserstoff erfolgte in einer räumlich stark begrenzten Region und zu einer Zeit, in der der winterliche Frost gerade wieder verschwunden war. Die Auswertung von Bilddaten aus der fraglichen Region offenbarte dann neu entstandene, bis zu mehrere hundert Meter lange schmale Spalten, in deren Umgebung sich zudem auch Farbveränderungen an der Oberfläche zeigten.

"Der Trace Gas Orbiter konnte den entscheidenden Hinweis liefern. Das war wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Es ist wirklich erstaunlich, dass er eine Handvoll Moleküle aus einer möglicherweise nur zeitweise aktiven Quelle entdeckt hat, während er sich kontinuierlich auf seiner Umlaufbahn bewegte, um die gesamte Marsatmosphäre zu überwachen", so Daniel. Wissenschaftler vermuten, dass magmatische Gase durch diese Spalten aufsteigen könnten, ähnlich wie bei einigen Fumarolen auf der Erde. Als Fumarole bezeichnet man vulkanische Dampfaustrittsstellen im Bereich von vulkanisch aktiven Gebieten. Die Spalten, die im Marswinter bei Temperaturen von bis zu minus 120 Grad Celsius durch Eis blockiert sind, könnten ab dem Frühsommer, wenn das Eis sublimiert, also vom festen in den gasförmigen Zustand übergeht, die Freisetzung von Gasen aus dem Untergrund erlauben. Die Verfärbung um die Spalten herum könnte von Ablagerungen der ausströmenden Gase stammen - auch dies findet sich in entsprechenden Regionen auf der Erde.

Dem Team half eine gewisse "geologische Intuition": "Als ich mir die räumliche Verteilung der Austritte ansah, war mir sofort klar, dass dahinter etwas Vulkanisches steckte, aber das musste noch nachgewiesen werden", erinnert sich Daniel. "Ein großer Teil der Arbeit bestand darin, alle möglichen chemischen Prozesse in der Marsatmosphäre zu untersuchen. Wir mussten gründlich, kritisch und kreativ vorgehen, um das Vorhandensein von Chlorwasserstoff zu erklären. Die Daten waren komplex, aber auch hervorragende Denkanstöße", fügt Daniel hinzu.

Das Team vermutet, dass die Austrittsstellen mit einer ruhenden Magmakammer unter der Marsoberfläche verbunden sind. Magmatische Gase wie Chlorwasserstoff könnten in der Vergangenheit in größeren Mengen vorhanden gewesen sein, was zu einer dichteren Atmosphäre und einem wärmeren Klima beigetragen und es ermöglicht haben könnte, dass flüssiges Wasser einen Großteil der Marsoberfläche bedeckt hat. Wenn Lava, die durch die Kruste aufsteigt, auf Grundwasser trifft, könnte dies zu warmen, bewohnbaren Lebensräumen führen.

Das würde Regionen wie Alba Mond zu idealen Orten für die Suche nach Lebensspuren machen: "Die Suche nach Leben auf dem Mars in den Spalten der Region Alba Mons wäre sehr sinnvoll. Wenn hydrothermale Systeme aktiv sind, könnten sie die für die Entwicklung von Mikroorganismen erforderlichen Bausteine und Energie enthalten und Mikroorganismen vor der feindlichen und sich verändernden Umgebung oberhalb der Oberfläche schützen", spekuliert Daniel.

"Diese Ergebnisse könnten sich als der bislang größte Erfolg des TGO erweisen", so Colin Wilson, Projektwissenschaftler der ESA für die Mission. Der ExoMars Trace Gas Orbiter von der europäischen Weltraumagentur ESA und der russischen Weltraumagentur Roscosmos hatte 2016 einen Marsorbit erreicht und 2018 mit seiner wissenschaftlichen Mission begonnen. Hauptaufgabe der Sonde ist eine Bestandsaufnahme der atmosphärischen Gase des Planeten. 

Über ihre Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift Science Advances erschienen ist.

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siehe auch
Mars: Junge Vulkane in Coprates Chasma - 13. Juli 2017
Mars: Tharsis-Vulkane gar nicht erloschen? - 22. Oktober 2007
Mission Mars - die astronews.com-Berichterstattung über die Erforschung des Roten Planeten
 
Links im WWW
Trokhimovskiy, A. et al. (2026): Enigmatic HCl detections as a potential signature of igneous activity on Mars, Sci. Adv., 12, eaeb9422
ESA
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