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Zufallsfund im Museum als wichtige Datenbasis für die
Forschung
Redaktion
/ Pressemitteilung der TU Bergakademie Freiberg astronews.com
28. Oktober 2026
In der Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz
entdeckten Forschende während eines privaten Besuchs eine seltene Probe
Mondgestein aus einem Bohrkern der Luna-16-Mission. Sie konnten die Probe mit
einem Computertomografen untersuchen. Die Analyse könnte zu einer wertvollen
Datenbasis für die Wissenschaft werden.

Mit dem Röntgentomographen (CT) hat das
Team die Probe gescannt, um partikel-diskrete 3D
Datensätze zu generieren.
Foto: Ralf Ditscherlein [Großansicht] |
Bisher wurden nur etwa 386 Kilogramm des Mondgesteins Regolith auf die Erde
befördert. Regolith-Proben sind darum nur sehr eingeschränkt verfügbar. "Erhält
man diese seltenen Proben nicht, stehen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern Nachbildungen, sogenannte Simulantien, des Materials zur
Verfügung. Diese können jeweils aber nur einige der Eigenschaften von Regolith
wiedergeben, nie alle zusammen", erklärt Dr. Ralf Ditscherlein vom Institut für
Mechanische Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik der TU Bergakademie
Freiberg. Der wissenschaftliche Mitarbeiter hat die Probe des Mondgesteins durch
Zufall bei einem privaten Besuch der Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz
mit seinen Kollegen entdeckt und für die Analyse mit einem Röntgen-Computertomografen
(CT) angefragt.
"Für die Untersuchung mit dem CT muss die Probe nicht aus dem Probengefäß
entnommen werden. Das war entscheidend dafür, dass wir sie überhaupt ausleihen
konnten. Zwar liefert ein CT-Scan keine direkte quantitative Information über
die chemische Zusammensetzung des Gesteins, aber wir können damit Form und Größe
von rund 150 Partikeln analysieren. Diese Informationen können genutzt werden,
um die geometrischen Eigenschaften realen Mondregoliths statistisch zu
beschreiben und daraus realistischere Modelle und Simulantien abzuleiten. Dies
erfolgt mit unseren Partnern des Instituts für Stochastik der Universität Ulm
und des Instituts für Partikeltechnik (iPAT) der TU Braunschweig. Partikelgröße
und -form beeinflussen beispielsweise das Fließ-, Packungs- und
Verdichtungsverhalten des Materials und sind damit für die Auslegung und
Bewertung zukünftiger Prozesse zur Verarbeitung von Mondregolith direkt auf dem
Mond von großer Bedeutung." Außerdem konnten mithilfe der Informationen
3D-Partikelmodelle in bis zu 1500-facher Vergrößerung gedruckt werden, die nun
als Anschauungsmodell der Probe für die Besucherinnen und Besucher der
Raumfahrtausstellung dienen.
Nun sind weitere Analysen der Proben geplant. Das Team will die gewonnen
Daten "Open Access" veröffentlichen. Außerdem sollen die Ergebnisse der
Untersuchungen publiziert und in einem Kooperationsprojekt als Validierung von
Simulationsergebnissen genutzt werden, die mit Regolith-Simulantien arbeiten.
"Forschende können die Daten der besser verfügbaren Simulantien dort künftig mit
den Daten dieser Regolith-Probe abgleichen. Wer die Simulantien nutzt,
interessiert sich insbesondere dafür, wie gut diese künstlichen Materialien das
echte Material abbilden und wo sich beide unterscheiden. Die neu gewonnen Daten
aus dem seltenen Zufallsfund könnten also zu einer wertvollen Datenbasis für die
Wissenschaft werden", so Ditscherlein.
Regolith-Proben (Regolith-Simulantien) sind immer dann gefragt, wenn Prozesse
auf dem Mond auf der Erde simuliert und untersucht werden. An der TU
Bergakademie Freiberg laufen beispielsweise die Forschungsprojekte MiniRoxy und
Roxy-Pathfinder. Mit einer beim Forschungspartner Airbus und dem
Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung
patentierten Technologie soll in einem Demonstrator auf dem Mond aus Regolith
Sauerstoff hergestellt werden.
"Das Institut für Nichteisenmetallurgie und Reinststoffe und das Institut für
Mechanische Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik der TU Bergakademie
Freiberg unterstützen die Forschung und nicht zuletzt können Studierende hier
sogar Space Resources studieren", erläutert Prof. Dr.-Ing. Urs A. Peuker, Leiter
des Instituts für Mechanische Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik. Mit
Blick auf die nächsten Schritte ergänzt er: "Besonders freut uns, dass unser
neuer Kollege Aswin Kunnathully das Team nun verstärkt und die gewonnenen Daten
direkt in die weiteren Arbeiten des Projekts einbringen kann. Wir sind sehr
gespannt, welche Erkenntnisse wir aus dem Zufallsfund für diese und weitere
Projekte gewinnen können."
Die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz wurde zu
DDR-Zeiten im Geburtsort des ersten deutschen Raumfahrers Sigmund Jähn als
"Ständige Ausstellung des ersten gemeinsamen Kosmosfluges UdSSR–DDR"
eingerichtet. Nach 1990 erweiterte man die Sammlung dann auf die gesamtdeutsche
Raumfahrt. Das Ausstellungskonzept wurde in enger Zusammenarbeit mit Vertretern
des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und des Deutschen Museums München
erarbeitet.
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