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Von Mikroplastik in der Luft bis zum Strahlenschutz mit
Pilzen
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
27. Oktober 2026
Bei den letzten beiden Flügen der BEXUS-Forschungsballons
waren fünf Experimente von deutschen Universitäten an Bord - so viel wie noch
nie. Es ging um Positronen, Mikroplastik in der Atmosphäre und Pilze mit
Strahlenschutzfunktion. Das BEXUS-Programm bietet Studierenden die Möglichkeit,
den gesamten Zyklus eines echten Raumfahrtprojekts zu durchlaufen.

BEXUS 38 hob am
17. Oktober 2026 um 10:35 Uhr vom
Raumfahrtzentrum Esrange in Nordschweden ab. An
Bord waren unter anderem die deutschen
Experimente CLOUDS, DOPAMINS, PHILEAS und ALBEDO.
Foto: DLR (CC BY-NC-ND 3.0) [Großansicht] |
Nach elf Monaten Vorbereitung war es so weit: Am 14. und 17. Oktober 2026
sind die beiden Forschungsballons BEXUS 38 und 39 vom
Raumfahrtzentrum Esrange in Nordschweden gestartet. BEXUS (Ballon-Experimente
für Universitäts-Studierende) ist das Forschungsprogramm für Studierende der
Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
und der Schwedischen Raumfahrtagentur SNSA (Swedish National Space Agency).
Während der Projektzeit durchlaufen die Studierenden den gesamten
Lebenszyklus eines Raumfahrtprojekts. Sie werden dabei von Fachleuten aus der
deutschen und europäischen Raumfahrt begleitet. Die BEXUS-Stratosphärenballons
können eine Höhe von bis zu 35 Kilometern erreichen. Ihre Flug- und damit die
Experimentzeit betragen windabhängig zwei bis fünf Stunden. Insgesamt konnten
elf Teams aus Deutschland, Spanien, Dänemark, Rumänien, dem Vereinigten
Königreich, Schweden und Portugal einen der Startplätze erhalten. Fünf Teams
kamen dabei von deutschen Hochschulen – so viele wie noch nie.
Ihre Experimente behandelte spannende Themen: So befasste sich ALBEDO mit der
Frage, wie viel Sonnenstrahlung die Erde reflektiert. Die
Erdatmosphäre ist in der Lage, einen gewissen Teil der Sonneneinstrahlung zu
reflektieren. Das Verhältnis von reflektierter zu einfallender Strahlung wird
als Albedo bezeichnet. Im gleichnamigen Experiment der Hochschule Nordhausen
wurden sowohl das sichtbare Sonnenlicht als auch dessen Infrarotstrahlung
gemessen, um die Albedo der Erde abschätzen zu können. Das Experiment zeigte
zudem die Möglichkeit, kosteneffiziente Sensorsysteme für die
Atmosphärenforschung zu nutzen.
Im Experiment CLOUDS ging es um Kalkaerosole für das
Strahlungsmanagement. Calciumcarbonat-Aerosol, also Staub aus Kalk, kann Licht
reflektieren. Das Experiment CLOUDS (Calcium Carbonate Light Observation Under
Stratospheric Dynamics and Scattering) der Justus-Liebig-Universität Gießen und
der Technischen Hochschule Mittelhessen untersucht, wie diese Aerosole in der
Stratosphäre die Sonnenstrahlung verändern. Ziel ist herauszufinden, ob die
Partikel für das sogenannte Solar Radiation Management (SRM) geeignet wären. SRM
umfasst technologische Ansätze, die darauf abzielen, einen Teil der einfallenden
Sonnenstrahlung ins All zu reflektieren und die Erde künstlich abzukühlen. Einer
der am meisten diskutierten Ansätze ist, in der Stratosphäre reflektierende
Partikel auszubringen.
DOPAMINS hingegen war den Positronen aus der kosmischen Strahlung auf der
Spur: Die Erde ist ständiger kosmischer Strahlung ausgesetzt. Trifft diese auf
die obere Atmosphäre der Erde, entstehen verschiedene Teilchen, darunter auch
Positronen. Dabei handelt es sich um die Antiteilchen von Elektronen. Treffen
Positronen auf Elektronen, vernichten sich beide gegenseitig. In der Natur
"überleben" Positronen nur ein Billionstel einer Sekunde, da das Universum voll
von Elektronen ist und sie in dieser kurzen Zeit schon auf ihren Gegenpart
getroffen sind. Das Experiment DOPAMINS (Detection of Positron Annihilation
Mission in Near Space) der Technischen Universität Berlin untersucht, wie diese
Positronen in der Stratosphäre vernichtet werden. DOPAMINS dient als
Vorbereitung für die zukünftige Erfassung von Antiteilchen im Weltraum, indem
das Messkonzept erprobt wird.
PHILEAS hingegen wollte versuchen, Mikroplastik in der Stratosphäre
aufzuspüren. Mikroplastik befindet sich nicht nur am tiefsten Punkt des Meeres,
sondern auch in der Erdatmosphäre. Das Experiment PHILEAS (Project for High
Altitude Identification of Lightweight Exogenic Airborne Specimens) der
Technischen Universität München sammelt und analysiert Mikroplastikpartikel in
hohen Atmosphärenschichten, um ein Modell zur Verbreitung dieser Schadstoffe zu
erstellen. Die Elektronik und die Software des Experiments basieren auf dem
System MOVE Beyond (Munich Orbital Verification Experiment), das von
Studierenden der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und
Raumfahrt (WARR) entwickelt wurde.
SHROOM schließlich experimentiere mit Pilzen als Strahlenschutz für
Weltraumflüge. Die schon genannte kosmische Strahlung ist auch eine Gefahr für
Astronautinnen und Astronauten auf Weltraumflügen. Herkömmliche Materialien zur
Abschirmung sind schwer und sorgen dafür, dass Raketen mehr Treibstoff
benötigen, um sie ins Weltall zu befördern. Das Experiment SHROOM (Stratospheric
High-Altitude Radiation Observation of Organismic Mycology) der
Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität München
untersucht, ob biotechnologische Schutzschilde aus Pilzen eine Lösung darstellen
könnten. Radiotrophe Pilze – also Pilze, die radioaktive Strahlung als
Energiequelle nutzen – besitzen ein spezielles Pigment, das Strahlung in
chemische Energie umwandelt und zugleich das Erbgut der Pilze schützt. SHROOM
soll zeigen, ob diese Pilze als selbstwachsende Strahlungsabschirmung geeignet
sein könnten. Nach dem erfolgreichen Flug und der Bergung werden die Daten der
Experimente nun von den Teams ausgewertet.
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