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Submillimeter-Teleskop in 5600 Meter Höhe eingeweiht
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung des Universität zu Köln astronews.com
14. April 2026
Gut drei Jahrzehnte nach der ursprünglichen Idee hat nun das
Fred Young Submillimeter Telescope nahe dem Gipfel des Cerro Chajnantor
im chilenischen Parque Astronómico Atacama seinen Betrieb aufgenommen.
Die Astronomie erhofft sich von dem Teleskop neue Erkenntnisse über die
Entstehung von Sternen und Galaxien und der großen Strukturen im Universum.

Das Fred Young Submillimeter Teleskop in der
Atacamawüste ist jetzt einsatzbereit.
Foto: Niclas
Carl / Universität zu Köln [Großansicht] |
Am 9. April fand in Chile die feierliche Einweihung Fred Young
Submillimeter Telescope (FYST) statt, an der mehr als hundert Personen
teilnahmen. Zu den Gästen zählten internationale Würdenträgerinnen und
Würdenträger, Projektunterstützende sowie Forschende aus den USA, Deutschland,
Kanada und Chile – ein deutliches Zeichen für die weltweite Tragweite dieses
Erfolgs. FYST ist ein Projekt des internationalen CCAT Observatory
Konsortiums, an dem die Universität zu Köln, die Universität Bonn und das
Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching, die Cornell University
in den USA sowie ein kanadisches Universitätskonsortium unter der Leitung der
University of Waterloo beteiligt sind. Astronominnen und Astronomen an
neun chilenischen Universitäten sind ebenfalls beteiligt.
"Dass Forschende der Universität zu Köln an der Entstehung eines so
hochkarätigen neuen Radioteleskops mitgewirkt haben zeigt, dass sich unsere
Forschung in diesem Bereich auf Spitzenniveau bewegt. In der Astrophysik, und
ganz besonders für unseren neuen Exzellenzcluster DYNAVERSE, wird das neue
Teleskop wertvolle Daten und Erkenntnisse liefern. Ich gratuliere allen
beteiligten Kolleginnen und Kollegen dazu, dass ihr Einsatz diesen Erfolg
möglich gemacht hat", sagt Professor Dr. Joybrato Mukherjee, Rektor der
Universität zu Köln.
Für Professor Michael I. Kotlikoff, Präsident der Cornell University,
markiert die Einweihung den Höhepunkt einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit über
Kontinente hinweg. "Dank der Entschlossenheit, strategischen Weitsicht und
visionären Kraft unserer geschätzten Kooperationspartner konnte ein
einzigartiges wissenschaftsgeleitetes Vorhaben realisiert werden", sagt
Kotlikoff. "Der Geist der Zusammenarbeit und Kooperation, der diesen Meilenstein
möglich gemacht hat, wird durch neue Partnerschaften und Entdeckungen
fortgeführt."
Das Teleskop verfügt über ein innovatives optisches Design, das es
ermöglicht, bei jeder Belichtung ein großes Sichtfeld zu beobachten und so den
Himmel schnell und effizient zu kartieren. FYST arbeitet im
Submillimeterwellenlängenbereich des Lichts und wird Filmaufnahmen des
Sternenhimmels – eine Art "himmlische Kinematographie" – in einem bislang
unerforschten Bereich des elektromagnetischen Spektrums ermöglichen. "FYST
bildet den Höhepunkt des jahrzehntelangen Engagements der Universität zu Köln in
der Submillimeterwellen-Astrophysik in Chile. Gemeinsam mit unseren Partnerinnen
und Partnern an der Cornell University freuen wir uns, diesen
Meilenstein in der Technologieentwicklung zu präsentieren, der unseren Blick auf
den Himmel in diesem wichtigen, aber wenig erforschten Wellenlängenbereich
revolutionieren wird – von einem Standort aus, dessen Beobachtungsbedingungen
nur vom Vakuum des Weltraums übertroffen werden", sagt CCAT-Vorstandsmitglied
Dominik Riechers, Professor für Astrophysik an der Universität zu Köln.
In einer Höhe von 5.640 Metern über dem Meeresspiegel – höher als das
Basislager des Mount Everest – liegt FYST oberhalb der meisten atmosphärischen
Schichten, die Submillimeterwellen daran hindern, den Erdboden zu erreichen. Die
extrem trockene Luft der Atacamawüste sorgt dabei für ideale Bedingungen, da
Wasserdampf die Signale kaum beeinträchtigt. "FYST wird ein weltweit
einzigartiges Observatorium schaffen, das neue Maßstäbe in der
Submillimeter-Astronomie setzen wird", sagt CCAT-Vorstandsmitglied Frank
Bertoldi, Professor für Radioastronomie an der Universität Bonn. "Wir sind stolz
auf die Beteiligung der Universität Bonn an diesem Projekt und blicken mit
Spannung auf die Ergebnisse der Himmelskartierungen, die neue Einblicke in die
Entstehung von Sternen und Galaxien, die Entwicklung kosmischer Strukturen und
den Ursprung des Universums ermöglichen werden."
Der Bau eines großen Teleskops in dieser Höhe war eine besondere
Herausforderung. Der Atmosphärendruck auf dem Gipfel des Cerro Chanjantor ist
weniger als halb so hoch wie auf Meereshöhe, weshalb die am Bau Beteiligten und
alle Besucherinnen und Besucher einer strengen körperliche Untersuchung
unterzogen wurden und auf dem Gipfel zusätzlichen Sauerstoff nutzten. FYST ist
nach dem Cornell-Absolventen Fred Young benannt. Neben seiner finanziellen
Unterstützung beteiligte sich Young auch aktiv am Planungsprozess. Das von der
Universität zu Köln entwickelte CCAT Heterodyne Array Instrument (CHAI)
ist ein hochauflösendes Spektrometer, mit dem der Kreislauf der interstellaren
Materie in der Milchstraße und in nahen Galaxien untersucht werden kann. Dank
seiner großen Anzahl von Pixeln, hohen Empfindlichkeit und Spektrallinienauswahl
kann CHAI erstmals die Ströme des interstellaren Gases erfassen, um zu
untersuchen, wie sich die Sternentstehung in unterschiedlichen galaktischen
Umgebungen verändert.
Die Prime-Cam-Kamera des Teleskops wurde von Michael Niemack, Professor für
Physik und Astronomie an der Cornell University, entwickelt. Sie kann
bis zu sieben austauschbare Module aufnehmen und verleiht FYST damit eine
unvergleichliche Flexibilität als Plattform für neue Technologien. Dadurch
bietet das Instrument beispiellose spektroskopische und breitbandige
Messmöglichkeiten, um grundlegende Fragen der Astrophysik und Kosmologie zu
beantworten.
"Ein Forschungsgerät dieser Größe ist etwas ganz Besonderes für uns. Die
Universität zu Köln leistet seit vielen Jahren aus Landesmitteln einen Beitrag
zu den Kosten von CCAT, und wird dies auch in der nun anstehenden Betriebsphase
weiter tun", sagt Karsten Gerlof, Kanzler der Universität zu Köln, bei der
Eröffnungszeremonie in Chile. Die Konstruktion des Teleskops wurde von deutscher
Seite auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem
Max-Planck-Institut für Astrophysik finanziell unterstützt. Das Duisburger
Unternehmen CPI Vertex Antennentechnik GmbH schließlich entwarf und fertigte die
Teleskopstruktur, einschließlich der Antriebs- und Steuerungssysteme.
Das Unternehmen investierte mehr als 250.000 Arbeitsstunden in Konstruktion,
Werkstofftechnik, Simulation, Fertigung, Qualifizierung und Projektkoordination
und trug damit zu den technologischen Rekordergebnissen bei, die das System
weltweit einzigartig machen. Aufgrund der Herausforderungen, die die Arbeit in
dieser extremen Höhe mit sich bringt, bauten die Ingenieure das Teleskop
zunächst in Deutschland zusammen. Das Bauwerk wurde anschließend in große Teile
zerlegt und per Lastkahn sowie Frachtschiff nach Chile gebracht. Dort
transportierten Lastwagen die bis zu sechzig Tonnen schweren Komponenten den
Berg hinauf – ein logistisches Meisterwerk.
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