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AUSSERIRDISCHES LEBEN
Blinde Flecken bei der Suche nach außerirdischem Leben?
Redaktion / idw / Pressemitteilung der FU Berlin 
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22. Mai 2026

Wie wahrscheinlich ist es, dass Hinweise auf außerirdisches Leben bereits existieren – wir sie aber bislang schlicht nicht erkennen? Dieser Frage widmete sich eine jetzt veröffentlichte Studie. Darin geht es um sogenannte "False Negatives", also Situationen, in denen vorhandene Spuren biologischer Aktivität übersehen oder falsch interpretiert werden.

Enceladus

Künstlerische Darstellung von Cryovulkanismus auf dem eisigen Saturnmond Enceladus. Bild: ESA / Science Office [Großansicht]

Die Autorinnen und Autoren der Studie warnen davor, dass aktuelle Suchstrategien für extraterrestrisches Leben zu eng gefasst sein könnten. Raumfahrtmissionen und Instrumente seien bisher vor allem darauf ausgelegt, bestimmte bekannte Biosignaturen nachzuweisen. Die Gefahr, vorhandene Lebensspuren zu übersehen, werde dagegen bislang kaum systematisch berücksichtigt. Die Studie plädiert deshalb für neue Forschungsstrategien, die Laborversuche, Modellierungen, Feldforschung und KI-gestützte Mustererkennung stärker miteinander verbinden.

"Die Suche nach außerirdischem Leben ist eine der großen wissenschaftlichen Fragen unserer Zeit. Wir müssen jedoch vermeiden, unsere Instrumente und Methoden zu sehr auf das auszurichten, was wir bereits kennen", sagt der Planetenforscher der Freien Universität Berlin, Dr. Nozair Khawaja: "Gerade ungewöhnliche oder schwer erkennbare Formen biologischer Aktivität könnten uns sonst entgehen." In der Studie werden mehrere Ursachen für mögliche Fehlinterpretationen untersucht. So könnten chemische oder geologische Prozesse Hinweise auf Leben verschleiern. Ebenso könnten Spuren biologischer Aktivität zwar vorhanden sein, aber durch ungeeignete Messmethoden unentdeckt bleiben.

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"Ein einfaches Beispiel: Existiert Leben unter der Oberfläche eines Planeten, lässt es sich durch reine Oberflächenbeobachtungen möglicherweise nicht erkennen", erklärt Prof. Frank Postberg. Die Forschenden sehen darin nicht nur ein wissenschaftliches Problem. "Fehlende Nachweise könnten auch politische und wirtschaftliche Folgen haben – etwa dann, wenn planetare Rohstoffe genutzt werden, bevor mögliche Lebensformen ausreichend untersucht wurden", ergänzt Prof. Lena Noack.

Die Studie entstand unter Federführung von Inge Loes ten Kate, Professorin für Astrobiologie an der Universität Utrecht und der Universität Amsterdam. Einen maßgeblichen Beitrag dazu leisteten zudem die Planetenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Freien Universität Berlin. Khawaja und Postberg untersuchten, wie mögliche Spuren von Leben insbesondere auf eisigen Monden unter dicken Eiskrusten verborgen bleiben könnten. Unter diesen Eiskrusten könnten sich Ozeane befinden, in denen vielleicht sogar einfaches Leben existiert.

Diese Forschungsarbeiten sind von hoher Relevanz für zukünftige Missionskonzepte der Euroäischen Raumfahrtagentur ESA zum Saturnmond Enceladus. Noack untersuchte zudem abiotische Basisszenarien für lebensfreundliche planetare Atmosphären und die Frage, wie häufig erwartete Biosignaturen in anderen atmosphärischen Umgebungen verändert, verdeckt oder grundsätzlich anders ausgeprägt sein könnten, was potenziell zu falsch-negativen Ergebnissen bei der Suche nach außerirdischem Leben führen kann.

An der Freien Universität Berlin will man sich künftig noch intensiver mit der Frage von weiterem Leben im All befassen: Erst kürzlich hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft etwa einen neuen Sonderforschungsbereich bewilligt, der vom bisherigen Ansatz, nach möglichst erdähnlichen Umgebungen zu suchen, abweicht. "Der neu eingerichtete Sonderforschungsbereich wird dagegen Habitabilität als einen weit verbreiteten, fundamentalen physiko-geochemischen Prozess untersuchen. Die geplante Forschung orientiert sich dabei an den planetaren Randbedingungen, die durch Astronomie, Physik, Chemie und Geologie gesetzt werden, statt an erdspezifischer biologischer Evolution. Dieser spezielle Fokus auf die Umgebung erlaubt abzuschätzen, welche Beobachtungsdaten durch abiotische Prozesse erklärbar sind, und welche tatsächlich eine Form außerirdischen Lebens erfordern", so Noack.

Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht. 

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