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EROSITA
Das kosmische Gas am Rand von Galaxienhaufen
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik
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6. Mai 2026

Mithilfe von Daten des Röntgenteleskops eROSITA gelang ein entscheidender Fortschritt bei der Kartierung baryonischer Materie im Universum. So konnte heißes, durch Stoßprozesse aufgeheiztes Gas nachgewiesen werden, das sich weit über die bislang untersuchten Grenzen von Galaxienhaufen hinaus erstreckt. Dies liefert wichtige Hinweise auf den Wachstumsprozess großräumiger Strukturen.

Halo

Röntgenaufnahmen der großräumigen Umgebung eines Galaxienhaufens in der IllustrisTNG-Simulation zeigen, wie die äußere Atmosphäre des Haufens, jenseits von r_200m, über kosmische Filamente mit anderen Halos verbunden ist. Bild: Xiaoyuan Zhang / MPE, basierend auf IllustrisTNG Simulationen   [Großansicht]

Die jetzt vorgestellte und von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) geleitete Studie untersucht gezielt die äußersten Regionen von Galaxienhaufen – Bereiche, die bislang nur schwer zugänglich waren. Die Ergebnisse zeigen, wie sich heißes Gas in und um diese Randzonen verteilt, und liefern Einblicke in die physikalischen Bedingungen in der Umgebung einiger der massereichsten Strukturen im Universum.

Galaxienhaufen zählen zu den größten gravitativ gebundenen Systemen im Universum. Sie umfassen Hunderte bis Tausende von Galaxien, die in ausgedehnte Halos aus dunkler Materie eingebettet sind und von heißem, diffusem Plasma durchdrungen werden. Der Übergang zwischen einem Haufen und dem umgebenden kosmischen Netz – einem Geflecht aus Gasfilamenten, das großräumige Strukturen miteinander verbindet – blieb jedoch lange Zeit unzureichend charakterisiert.

In den vergangenen fünf Jahrzehnten haben Röntgen-Weltraumteleskope gezeigt, dass Galaxienhaufen ausgedehnte thermische Atmosphären mit Temperaturen von mehreren zehn Millionen Kelvin und räumlichen Ausdehnungen von mehreren Millionen Lichtjahren besitzen. Die tatsächliche Ausdehnung dieser Atmosphären blieb jedoch unklar, da ihre Röntgenhelligkeit mit zunehmender Entfernung vom Haufenzentrum stark abnimmt. Durch das "Stacking" von Röntgendaten aus 680 Galaxienhaufen verstärkte das Team gezielt das schwache Emissionssignal aus diesen Randbereichen. Auf diese Weise gelang der Nachweis eines statistisch signifikanten Röntgensignals, das sich bis zu 4,5 Megaparsec (etwa 14 Millionen Lichtjahre) erstreckt – deutlich über den Virialradius hinaus, der üblicherweise als Grenze des Haufens definiert wird.

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"Die Beobachtungstiefe für ein einzelnes Objekt ist gering, jedoch deckt die Durchmusterung die gesamte westliche galaktische Hemisphäre ab. Durch die Auswahl von 680 Galaxienhaufen im nahen Universum und deren Kombination konnten wir ein Oberflächenhelligkeitsprofil mit außergewöhnlich hohem Signal-Rausch-Verhältnis bestimmen", erläutert Xiaoyuan Zhang, Postdoktorand am MPE. "Beobachtungen konzentrierten sich bislang vor allem auf die Zentren von Galaxienhaufen, da die Signale aus den Außenbereichen sehr schwach sind. Umso bedeutender ist es, dass wir nun die äußersten Regionen untersuchen können – Bereiche, die wesentliche Informationen über die grundlegende Physik von Gas und dunkler Materie liefern", ergänzt Benedikt Diemer, Assistenzprofessor an der Universität von Maryland.

Mithilfe der kosmologischen IllustrisTNG-Simulationen, die am Max-Planck-Institut für Astrophysik entwickelt wurden, zeigte das Team, dass das Gas in der Umgebung von Galaxienhaufen anisotrop verteilt ist. Entlang kosmischer Filamente – großräumiger Strukturen, die Materie im Universum verbinden – ist die Gasdichte deutlich erhöht, während sie in den dazwischenliegenden, unterdichten Voids stark reduziert ist. Dies weist darauf hin, dass Galaxienhaufen Materie bevorzugt entlang dieser filamentären Strukturen aus dem kosmischen Netz akkretieren.

"Seit Langem suchen Astronominnen und Astronomen nach den 'fehlenden Baryonen' des Universums – jener gewöhnlichen Materie, die nach kosmologischen Modellen vorhanden sein müsste, sich jedoch nur schwer nachweisen lässt", so Esra Bulbul, Forschungsgruppenleiterin am MPE. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Gasmenge in den äußeren Randbereichen von Galaxienhaufen etwa 90 Prozent des erwarteten Werts erreicht, der sich aus der mittleren Materiedichte des Universums ergibt. Dies deutet darauf hin, dass ein Großteil dieser 'fehlenden' Materie tatsächlich vorhanden ist, jedoch in den ausgedehnten, heißen und dynamisch komplexen Außenregionen verborgen bleibt. Damit liefern unsere Ergebnisse wichtige Hinweise sowohl auf das Wachstum von Galaxienhaufen als auch auf die Physik des intergalaktischen Gases."

Die Studie zeigt zudem, dass der eROSITA-All-Sky-Survey über seine hohe Sensitivität für die Detektion von Quellen hinaus auch die Untersuchung extrem schwacher Emission ermöglicht – bis hinunter zu weniger als einem Prozent des Himmelshintergrunds –, wenn Stacking-Methoden eingesetzt werden.

Das Instrument eROSITA (extended ROentgen Survey with an Imaging Telescope Array) ist das Hauptteleskop an Bord der russischen Spektr-RG-(SRG)-Mission. Es wurde entwickelt, um die bislang empfindlichste Röntgen-Himmelsdurchmusterung durchzuführen. Ziel ist es, Millionen aktiver galaktischer Kerne und Galaxienhaufen zu kartieren und damit die Entwicklung der großräumigen Struktur des Universums sowie die Natur der Dunklen Energie zu untersuchen. Wegen des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine ist das Teleskop in einen Schlafmodus versetzt worden, die Kooperation zwischen den deutschen und russischen Wissenschaftlern wurde ausgesetzt.

Die Ergebnisse des Teams wurden jetzt in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

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siehe auch
eROSITA: Katalog mit 900.000 Röntgenquellen veröffentlicht - 5. Februar 2024
eROSITA: Neue Karte des heißen Gases der Milchstraße - 18. Dezember 2023
eROSITA: Erste Karte des Röntgenhimmels komplett - 22. Juni 2020
eRosita: Deutsches Röntgenteleskop im All - 15. Juli 2019
Links im WWW
Zhang, X. et al. (2026): The SRG/eROSITA All-Sky Survey - Detection of shock-heated gas beyond the halo boundary into the accretion region, A&A, 709, A72
Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik
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