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HERS-3
Ein besonderes Einsteinkreuz und die Dunkle Materie
Redaktion / idw / Pressemitteilung der Universität zu Köln
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29. September 2025

Mithilfe mehrerer Teleskope wurde jetzt ein ganz besonderes Einsteinkreuz entdeckt: Durch den Gravitationslinseneffekt sind dabei nicht nur vier Abbilder einer Galaxie im jungen Universum zu sehen, sondern fünf. Die Analyse der Geometrie der beteiligten Objekte zeigte nun, dass dieses besondere Einsteinkreuz nur mit einem gewaltigen Halo aus Dunkler Materie erklärt werden kann.

NOEMA

Die Aufnahmen von NOEMA zeigen ein fünffaches Abbild der 11,6 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie HerS-3, die ein nahezu perfektes Kreuz bilden. Die für den Gravitationslinseneffekt verantwortlichen Galaxien sind mit "G" gekennzeichtnet. Bild: Cox et al. (2025), ApJ, 991, 53  [Großansicht]

 Zum Gravitationslinseneffekt kommt es, wenn die Masse einer sehr massereichen Galaxie (oder einer Gruppe von Galaxien) das Licht von noch weiter entfernten Objekten ablenkt. Für uns sieht es dann so aus, als würden diese fernen Objekte verzerrt, vervielfacht oder als Bögen und Ringe am Himmel erscheinen. Daraus resultiert eine optische Vergrößerung der Objekte, die es ermöglicht, Galaxien im frühen Universum detailliert zu untersuchen. Eine Spezialform des Gravitationslinseneffekts stellt das Einsteinkreuz, dessen Entstehung eine besondere Geometrie der beteiligten Objekte erfordert.

Mithilfe des Gravitationslinseneffektes lässt sich auch die Dunkle Materie erforschen, da sie auch einen Teil der Masse darstellt, die für die Lichtablenkung verantwortlich ist. Für die jetzt vorgestellte Studie wurden Beobachtungen des Northern Extended Millimeter Array (NOEMA) in Frankreich, des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile, des Karl G. Jansky Very Large Array (VLA) in den USA und des Hubble-Weltraumteleskops (HST) genutzt. Die Aufnahmen von NOEMA zeigen dabei ein fünffaches Abbild der 11,6 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie HerS-3, die ein nahezu perfektes Kreuz bilden. Während ein Einsteinkreuz an sich bereits ein seltenes Phänomen ist, ist es in diesem Fall durch das helle fünfte Abbild besonders außergewöhnlich.

Die fünf Bilder von HerS-3 zeigen alle dasselbe Muster molekularer Emissionslinien, was darauf hinweist, dass es sich um Mehrfachabbildungen derselben Galaxie handelt. Die Beobachtungen durch das ALMA-Teleskop enthüllten die detaillierten Strukturen der einzelnen Bilder. Die NOEMA- und ALMA-Daten wurden durch Beobachtungen des Very Large Arrays ergänzt. Diese Daten wurden von der Doktorandin Prachi Prajapati in der Gruppe von Prof. Dr. Dominik Riechers am Institut für Astrophysik der Universität zu Köln analysiert, und zeigen die fünf Bilder der Galaxie in kaltem molekularem Gas, welches für die Sternentstehung sehr wichtig ist. So konnte mithilfe von HerS-3 erstmals ein Einsteinkreuz im Bereich der Submillimeter- und Radiowellenlängen nachgewiesen werden.

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Das Licht von HerS-3 wird von vier massereichen Vordergrundgalaxien gebeugt. Diese bilden den Kern einer größeren Gruppe von mindestens zehn weiteren Galaxien, die 7,8 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt sind und mit dem Hubble-Weltraumteleskop im nahen Infrarot identifiziert wurden. Um die Eigenschaften der fernen Galaxie HerS-3 zu bestimmen und die Galaxiengruppe im Vordergrund zu untersuchen, simulierten die Forschenden die durch Schwerkraft verursachte Ablenkung des Galaxienlichts. Es zeigte sich, dass die genaue Anordnung der fünf Bilder des Einsteinkreuzes in der Simulation nicht reproduziert werden können, wenn nur die vier sichtbaren massereichen Galaxien berücksichtigt werden, die sich in der Nähe von HerS-3 und im Zentrum der Galaxiengruppe befinden.

Die Tatsache, dass es im nahen Umfeld der vorderen Galaxiengruppe keine andere sichtbare Galaxie in derselben Entfernung gibt, deutet daher auf die Existenz einer großen, unsichtbaren Komponente hin: einer Konzentration von Dunkler Materie, die mit der Galaxiengruppe verbunden ist. Nur durch Hinzufügen dieser massereichen Komponente, die zwangsläufig im Massenschwerpunkt der Gruppe liegt, stimmt die Rekonstruktion genau mit den Eigenschaften der fünf Bilder überein. Die geschätzte Masse des Halos der Dunklen Materie beträgt einige Trillionen Sonnenmassen.

Das HerS-3-System mit seinem fünften zentralen Bild in Form des Einsteinkreuzes ermöglicht es, die komplexe Struktur einer Galaxie in der aktivsten Phase der Entwicklung des Universums zu betrachten. Die Untersuchung solcher Systeme könnte dazu beitragen, die Eigenschaften der Dunklen Materie besser zu untersuchen und zu verstehen, wie sie die frühesten Stadien der kosmischen Evolution beeinflusst hat. Neben Forschenden der Universität zu Köln waren an der Publikation auch Wissenschaftler*innen des Institut d’Astrophysique der Pariser Sorbonne Université sowie des Institut de radioastronomie millimétrique (Institut für Radioastronomie im Millimeterbereich, IRAM) beteiligt.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal veröffentlicht.

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siehe auch
VLT: Detaillierter Blick auf entferntes Schwarzes Loch - 16. Dezember 2008
Links im WWW
Cox, P. et al. (2025): HerS-3: An Exceptional Einstein Cross Reveals a Massive Dark Matter Halo, ApJ, 991, 53
Universität zu Köln
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