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EXTRASOLARE PLANETEN
Die Erde als chemischer Glücksfall im Universum?
Redaktion / Pressemitteilung der ETH Zürich
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12. Februar 2026

Leben könnte im Universum viel seltener anzutreffen sein als gehofft - zumindest wenn es sich um Leben handelt, das auf den gleichen Grundbausteinen wie das Leben auf der Erde basiert. Eine neue Studie zeigte nämlich jetzt, dass die chemischen Voraussetzungen für solches Leben nur auf wenigen Planeten anzutreffen sind und die Erde offenbar eine Art chemischer Glücksfall ist.

Stern

Ein junger, noch wachsender Stern, umgeben von einer Scheibe aus Gas und Staub, in der Planeten entstehen könnten (künstlerische Darstellung). Bild: NASA / JPL-Caltech  [Großansicht]

Damit auf einem Planeten Leben entstehen kann, braucht es gewisse chemische Elemente in ausreichenden Mengen. Auf keinen Fall fehlen dürfen Phosphor und Stickstoff. So ist Phosphor unentbehrlich für den Aufbau der DNA und RNA, die genetische Informationen speichern und übertragen, und für den Energiehaushalt der Zellen. Stickstoff ist unter anderem ein unverzichtbarer Bestandteil von Proteinen, die für den Aufbau, die Struktur und die Funktion von Zellen essenziell sind. Ohne diese beiden Elemente kann sich aus lebloser Materie kein Leben entwickeln.

Eine Studie unter der Leitung von Craig Walton, Postdoc am Centre for Origin and Prevalence of Life der ETH Zürich, und ETH-Professorin Maria Schönbächler zeigt nun, dass sich bereits während der Bildung des Planetenkerns entscheidet, ob genügend Phosphor und Stickstoff vorhanden sind. "Entscheidend während der Kernbildung ist, dass es genau die richtige Menge an Sauerstoff gibt, damit Phosphor und Stickstoff auf der Planetenoberfläche bleiben", erklärt Walton, der Erstautor der Studie. Auf der Erde war genau dies vor etwa 4,6 Milliarden Jahren der Fall – was sie zu einem chemischen Glücksfall im Universum macht. Diese Erkenntnis könnte die Suche nach Leben im Universum verändern.

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Wenn sich Planeten formen, bestehen sie zunächst aus geschmolzenem Gestein. In dieser Phase findet ein Sortierprozess statt: Schwere Metalle wie Eisen sinken in die Tiefe und bilden den Kern, während aus den leichteren Gesteinen der Mantel und später die Kruste wird. Ist während der Kernbildung zu wenig Sauerstoff vorhanden, verbindet sich Phosphor mit schweren Metallen wie Eisen und wandert in den Kern. Damit geht das Element für die Entstehung von Leben verloren. Gibt es während der Kernbildung hingegen zu viel Sauerstoff, bleibt der Phosphor zwar im Mantel, doch Stickstoff entweicht leichter in die Atmosphäre und kann so ganz verloren gehen.

Walton und seine Ko-Autorinnen konnten in zahlreichen Modellierungen zeigen, dass nur in einem erstaunlich schmalen Bereich mittlerer Sauerstoffverhältnisse – einer sogenannten chemischen Goldlöckchenzone – sowohl Phosphor als auch Stickstoff in ausreichender Menge im Mantel verbleiben. "Unsere Modelle machen deutlich, dass die Erde genau in diesem Bereich liegt. Hätten wir während der Kernbildung der Erde nur ein klein wenig mehr oder weniger Sauerstoff gehabt, wäre nicht genug Phosphor und Stickstoff für die Entstehung des Lebens vorhanden gewesen", sagt Walton. Die Forschenden weisen zudem nach, dass bei der Bildung anderer Planeten wie dem Mars der Sauerstoffgehalt außerhalb dieser Goldlöckchenzone lag. Auf dem Mars führte dies dazu, dass es im Mantel mehr Phosphor als auf der Erde gab, aber weniger Stickstoff, was zu schwierigen Bedingungen für Leben, wie wir es kennen, führte.

Die neuen Erkenntnisse könnten verändern, wonach Forschende Ausschau halten, wenn sie nach Leben im Universum suchen. Bislang lag der Fokus vor allem auf der Frage, ob ein Planet über Wasser verfügt. Gemäß Walton und Schönbächler greift dies jedoch zu kurz. Denn die verfügbare Menge an Sauerstoff während der Entstehung eines Planeten kann dazu führen, dass viele Planeten von Anfang an chemisch ungeeignet sind, um Leben hervorzubringen, selbst wenn sie Wasser haben und von außen betrachtet lebensfreundlich wirken.

Diese chemischen Grundvoraussetzungen für Leben können Forschende indirekt messen, wenn sie mit großen Teleskopen fremde Sonnensysteme beobachten. Denn wie viel Sauerstoff in einem Sonnensystem für die Entstehung von Planeten vorhanden ist, hängt von der chemischen Zusammensetzung ihres Zentralsterns ab. Dieser prägt nämlich mit seinem chemischen Fingerabdruck das gesamte ihn umgebende Planetensystem, da Planeten sich vor allem aus dem Material zusammensetzen, aus dem auch der zentrale Stern besteht. Sonnensysteme, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung stark von unserem unterscheiden, sind daher keine guten Orte, um nach Leben im Universum zu suchen. "Damit wird die Suche nach Leben auf anderen Planeten viel spezifischer. Wir sollten daher nach Sonnensystemen suchen, die unserer Sonne ähnlich sind", sagt Walton.

Über ihre Ergebnisse berichtet das Team um Walton in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift Nature Astronomy erschienen ist.

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siehe auch
Ferne Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach extrasolaren Planeten
Links im WWW

Walton, C. R. et al. (2026): The chemical habitability of Earth and rocky planets prescribed by core formation, Nat Astron, https://doi.org/10.1038/s41550-026-02775-z
ETH Zürich
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