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Industriekomplex in der Nähe der ESO-Teleskope ist vom Tisch
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische
Physik astronews.com
28. Januar 2026
Die einzigartige Dunkelheit des Himmels über dem Paranal-Observatorium
in Chile ist gerettet: Nach massiven Protesten der internationalen
Astronomie-Community hat das US-amerikanische Unternehmen AES Andes seine Pläne
für ein großes Industrie-Projekt in der Nähe des Observatoriums aufgegeben.
Astronomen zeigten sich erleichtert.

Die Teleskope des Very Large Telescope auf
dem Paranal in Chile.
Foto: J. Looten / ESO [Großansicht] |
Die Astronomie-Community kann aufatmen: Der einzigartige Nachthimmel über dem
Paranal-Observatorium der Europäischen Südsternwarte ESO in der chilenischen
Atacama-Wüste bleibt erhalten. Wie das amerikanische Unternehmen AES Andes nun
bekannt gab, werden die Pläne für eine Industriegroßanlage (INNA) nur wenige
Kilometer vom Paranal nicht weiterverfolgt. Die Firma reagiert damit auf
massive, langanhaltende Proteste zahlreicher Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, die durch den anvisierten Solar- und Windpark eine ernsthafte
Bedrohung für einen der bedeutendsten Teleskopstandorte der Welt gesehen haben.
So hatte eine Studie der ESO ergeben, dass das INNA-Projekt die
Lichtverschmutzung um bis zu 35 Prozent steigern könnte. Und auch
Mikrovibrationen, die von den Windrädern erzeugt werden, würden die
Beobachtungsarbeiten mit den Teleskop enorm erschweren. Angeführt wurde der
Protest von Reinhard Genzel, Nobelpreisträger und Direktor der Infrarot-Gruppe
am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Zusammen mit einer Gruppe
von 30 internationalen Astronominnen und Astronomen richtete sich Genzel in
einem offenen Brief an die chilenische Regierung und warb öffentlichkeitswirksam
um Unterstützung (astronews.com berichtete). Zuvor reiste er bereits mit einer
Delegation um den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier nach
Chile, um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen und eine diplomatische Lösung
zu finden.
Entsprechend erleichtert zeigt sich Genzel, dass die Proteste schlussendlich
Gehör fanden: "Ich bin sehr erfreut, dass unsere Bemühungen erfolgreich waren
und der geplante Industriekomplex nun an einem anderen Standort realisiert
werden soll. Mein Dank geht vor allem an die chilenische Regierung um den
neugewählten Präsident José Antonio Kast, die den unermesslichen Wert des
Paranal-Nachthimmels angemessen zu würdigen wussten. Ich möchte auch nochmal
betonen, dass es bei dem Konflikt nie um Wissenschaft gegen Nachhaltigkeit ging;
das einzige Problem der geplanten Anlage war immer nur die räumliche Nähe zu den
Teleskopen. Ich wünsche dem Unternehmen, dass sie einen geeigneteren Ort für das
INNA-Projekt finden. Zu guter letzt gilt mein Dank den zahlreichen Forscherinnen
und Forschern, besonders meinem Freund Eduardo Unda-Sanzana sowie der weltweiten
Astronomie-Community, die sich unermüdlich für eine Verlegung der Anlage stark
gemacht und unser Anliegen hervorragend unterstützt haben. Ihnen allen kann ich
fröhlich mitteilen: Spitzenforschung am Paranal bleibt gesichert!"
Das Paranal-Observatorium wird von der ESO betrieben und befindet sich auf
gut 2600 Meter über dem Meeresspiegel in der Atacamawüste in Chile. Es
beherbergt einige der leistungsstärksten Teleskope der Welt, darunter das
Very Large Telescope und das Visible and Infrared Survey Telescope for
Astronomy. Zudem entsteht in unmittelbarer Nähe des Paranal mit dem
Extremely Large Telescope (ELT) gerade das größte Teleskop der Welt.
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