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Kollision mit der Milchstraße?
von Stefan Deiters astronews.com
7. Januar 2019
Die Große Magellansche Wolke ist die wohl bekannteste
Satellitengalaxie der Milchstraße. Computersimulationen ergaben nun, dass das
System vielleicht nicht mehr lange ein Satellit unserer Heimatgalaxie bleiben
wird,
sondern in den kommenden zwei Milliarden Jahren mit dieser kollidiert. Für das
Sonnensystem könnte dies Konsequenzen haben.

Infrarotaufnahme des Weltraumteleskops
Spitzer der Großen Magellanschen Wolke.
Bild: NASA/JPL-Caltech/M.
Meixner (STScI) & the SAGE Legacy Team [Großansicht] |
Die Große Magellansche Wolke ist eines der Highlights am südlichen
Sternhimmel. Es handelt sich bei dieser Zwerggalaxie um einen Satelliten der
Milchstraße, der rund 165.000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Bislang hatte man
angenommen, dass das System noch für viele Milliarden Jahre um die Milchstraße
kreisen oder eventuell sogar ganz der Anziehungskraft unserer Heimatgalaxie
entkommen wird.
Dann entdeckte man allerdings Hinweise, die auf einen deutlich höheren Anteil
von Dunkler Materie in der Magellanschen Wolke und damit auch auf eine größere
Gesamtmasse des Systems hindeuten. Dies könnte ihr vorausgesagtes Schicksal -
und auch das der Milchstraße - deutlich beeinflussen, wie auch die Ergebnisse
einer neuen Simulation zeigten, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der
Universitäten im britischen Durham und im finnischen Helsinki nun vorstellten.
Danach ist mit einer Kollision der Großen Magellanschen Wolke mit der
Milchstraße bereits in etwa zwei Milliarden Jahren zu rechnen. Die Zwerggalaxie
würde dann von unserer Heimatgalaxie verschluckt werden. Dies ginge allerdings
nicht ohne erhebliche Turbulenzen über die Bühne: So könnte das zentrale
supermassereiche Schwarze Loch der Milchstraße neues Material zugeführt bekommen
und dadurch aktiv werden. Aus dem Zentralbereich würden energiereiche Jets in
die Umgebung schießen. Die Strahlung würde die Bedingungen im Zentrum erheblich verändern.
Unser Sonnensystem würde von diesen Veränderungen weitgehend unberührt bleiben,
könnte aber auf andere Weise durch die Kollision in Mitleidenschaft gezogen
werden: Durch die gravitativen Wechselwirkungen während der Verschmelzung ist es
denkbar, dass es in den intergalaktischen Raum katapultiert wird. Auf jeden Fall
würde sich durch die Turbulenzen unser Nachthimmel dramatisch verändern.
Die Verschmelzung von Satellitengalaxien mit größeren Systemen ist im
Universum nichts Besonderes - ganz im Gegenteil: Die Forschung geht heute davon
aus, dass dies der ganz normale Weg ist, wie Galaxien wachsen und im Laufe der
Zeit ihr Aussehen verändern. Unsere Milchstraße scheint dabei sogar einen
gewissen "Aufholbedarf" zu haben, da sie - so glauben Astronomen - bislang nur
wenige kleinere Galaxien verschluckt hat. Unser großer Nachbar, die Andromedagalaxie,
hatte da einen deutlich größeren Appetit.
Über ihre Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der am Freitag in den Monthly Notices
of the Royal Astronomical Society erschienen ist.
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