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Das
Universum - heute beige, früher blau
von Stefan
Deiters
astronews.com
30. Dezember 2003
Im letzten
Jahr machte ein Astronomenteam Schlagzeilen, das aus dem Licht vieler Galaxien
die Farbe des heutigen Universums errechnete: ein Art Beige. Nun schauten
Wissenschaftler in die Vergangenheit und bestimmten die Farbe des Alls in der
Jugendzeit des Kosmos: leicht bläulich. Eigentlich interessierte die Forscher
aber, wann die ersten Sterne entstanden sind.

Dieses Schema zeigt die Veränderungen in der Farbe der Galaxien
mit zunehmenden Alter des Universums. Foto:
ESO [Großansicht] |
Bei einer Sache sind sich Astronomen heute relativ sicher: Unsere Sonne
entstand vor 4,5 Milliarden Jahren. Wann aber die anderen Sterne in unserer
Galaxis geboren wurden und die Sonnen in anderen Galaxien ist weit weniger genau
bekannt und gerade deswegen Gegenstand aktueller astronomischer Forschung mit
den größten verfügbaren Teleskopen.
Mit diesen versucht man in eine Zeit zu schauen, zu der das Universum selbst
noch recht jung war und sich also die Vorgänge, die wir datieren wollen, gerade
abspielen. Dazu muss man viele Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien
beobachten. Diese
weit entfernten Systeme sind natürlich extrem lichtschwach, weshalb auch
modernste Großteleskope sehr lange eine Stelle am Himmel beobachten müssen, um
ein wenig Licht der fernen Galaxien aufzufangen.
Diese so genannten "Deep Field"-Aufnahmen erweisen sich meist als Fundgrube
für Astronomen. So auch das Hubble Deep Field South, welches mit dem
Hubble-Weltraumteleskop in insgesamt 140 Stunden Beobachtungszeit gewonnen
wurde. Mit Hilfe des Very Large Telescope (VLT) der ESO wurde nun ein kleiner
Bereich dieses winzigen Flecks am Himmel detaillierter untersucht. Insgesamt
über 100 Stunden beobachtete das VLT einen Bereich am Himmel, der nicht mehr als
ein Hundertstel des scheinbaren Vollmond-Durchmessers ausmacht.
Insgesamt konnten die Astronomen in diesem Bereich 300 Galaxien
identifizieren, für die sie jeweils aus der Rotverschiebung die Entfernung
bestimmten. Die am weitesten entfernten Galaxien lagen in über elf Milliarden
Lichtjahren Entfernung und wurden damit in einer Zeit beobachtet, als das
Universum nicht viel älter war als zwei Milliarden Jahre. Nun korrigierten die Forscher das Licht der Galaxien um die jeweilige
Rotverschiebung, um daraus deren wahre Farbe zu bestimmen, die ein Beobachter in
dieser Zeit gesehen hätte. Aus der Kombination all dieser Farben konnten die
Astronomen dann die allgemeine Farbe des Universums zu verschiedenen Epochen
ermitteln. Es zeigte sich, dass das Weltall mit der Zeit röter wird: Früher war
es nämlich deutlich blauer als heute, wo man seine Farbe am ehesten mit
beige beschreiben kann.
Für die Forscher ist diese "Farbenlehre" mehr als nur ein Kuriosum am Rande:
Mit Hilfe der Informationen können sie bestimmen, wie schnell im Universum
Sterne geboren wurden. Auch wenn die Sternentstehung im einzelnen recht kompliziert
sein kann, scheint doch - so zeigt zumindest die allmähliche Farbänderung
- die globale Sternentstehungsgeschichte erheblich einfacher zu sein. Aus der
Tatsache, dass das All früher blauer war, können die Forscher schlussfolgern, dass heute offenbar weniger blaue, also
massereiche und sehr kurzlebige, Sterne geboren werden als in früherer Zeit. Die
roten, also massearmen und langlebigen, Sterne die damals geboren wurden, sind
auch heute noch vorhanden, so dass sich die Gesamtfarbe langsam ins Rote
verschiebt.
Die Forscher bestimmten auch, wie viele Sterne drei Milliarden Jahr nach dem
Urknall schon existierten, nämlich nur etwa eine Zehntel der Sterne, die wir
heute beobachten. Sieben Milliarden Jahre nach dem Urknall existierten etwa die
Hälfte aller Sterne, die wir heute - 14 Milliarden Jahre nach dem Urknall
beobachten.
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ESO,
europäische Südsternwarte |
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