Amerikanische Wissenschaftler glauben den
"Herzschlag" der Sonne in den Gasschichten tief unter der
Oberfläche unseres Zentralgestirns entdeckt zu haben. Der Fund könnte
helfen den mysteriösen elfjährigen Aktivitätszyklus der Sonne zu
erklären.
Auf die Spur kamen die Forscher dem Herzschlag dank GONG, der Global
Oscillation Network Group, einem weltweiten Netz von
Sonnenobservatorien, die alle Bewegungen im Inneren der Sonne entdecken
und Modelle für diese Vorgänge entwickeln wollen. Einer der
interessantesten - und auch für das Leben auf der Erde wichtigen -
Aufgaben ist dabei, dem elfjährigen Sonnenzyklus auf die Spur zu kommen:
Alle elf Jahre erreicht nämlich die Aktivität der Sonne ein Maximum und
kann durch Teilchenstürme elektronische Geräte auf der Erde empfindlich
stören.
In der heutigen Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins Science
berichtet ein Team amerikanischer Wissenschaftler nun von neuen
Ergebnissen, die einen wichtigen Schritt zum Verständnis dieses Zyklus
darstellen könnten. Die Sonne ist aus verschiedenen Gasschichten
aufgebaut, die die Forscher mit Hilfe von Schallwellen untersuchen. Das
Helioseismologie genannte Verfahren ähnelt im Prinzip den Methoden, die
auch Erdbebenforscher auf der Erde anwenden.
Das Team um Rachel Howe von National Solar Observatory nutzte
diese Technik, um die Bewegung der Schichten in unterschiedlichen Tiefen
zu messen. Dabei drangen sie bis zur Hälfte zum Zentrum der Sonne vor und
entdeckten einen bislang unbekannten Zyklus: Die Rotationsgeschwindigkeit
einiger Schichten ändert sich alle 16 Monate. Das Team glaubt, dass
dieser "Rhythmus" etwas mit dem Zyklus von Eruptionen auf der
Sonnenoberfläche zu tun hat.
"Wir haben den Puls der Sonne gefühlt, um daraus folgern zu
können, was im Inneren passiert," erläutert einer der Forscher. Das
Besondere an der Sonne ist, dass sie keine einheitliche
Rotationsgeschwindigkeit aufweist: So dreht sich der Sonnenäquator in 27
Tagen, während man an den Polen eine Periode von 35 Tagen messen kann.
Und diese differentielle Rotation setzt sich bis in rund 210.000
Kilometer unter der Sonnenoberfläche fort. Erst in noch tieferen
Schichten scheint alles gleichmäßig zu rotieren.
Den jetzt gefundenen Zyklus entdeckten die Forscher gerade in dieser
Grenzregion tief im Inneren der Sonne: Dort änderte sich die Rotation
periodisch in einem Zyklus von 15 bis 16 Monaten. Mit Daten des
Sonnenobservatoriums SOHO konnten sie dieses Muster bestätigen. "Am
Anfang waren wir recht skeptisch", meinte Howe. "Wir wussten wie
komplex die Modelle waren, die zur Beschreibung des solaren Magnetfeldes
und dessen Auswirkung auf die solare Aktivität der Sonne benutzt werden.
Daher erwarteten wir eigentlich nichts oder bestenfalls Chaos bei unseren
Beobachtungen in diesen Schichten."