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Wie junge Planeten selbst gefährliche Sonnenstürme auslösen können
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung astronews.com
13. Oktober 2026
Anders als die Erde kreisen viele Exoplaneten in sehr
geringem Abstand um ihren Stern und können diesen dabei zu heftigen
Strahlungsausbrüchen anstacheln, die auf sie selbst zurückfeuern und ihre
Atmosphäre gefährden könnten. Dieses Phänomen und seine Bedeutung für die
Entwicklung von Planetensystemen will eine neue Forschungsgruppe in Göttingen
nun untersuchen.

Künstlerische Darstellung des Systems HIP
67522 mit HIP 67522 b rechts und einem weiteren
Planeten des Systems im Hintergrund.
Bild: Janine Fohlmeister / Leibniz
Institut für Astrophysik Potsdam [Großansicht] |
Im Alter von 10 bis 150 Millionen Jahren durchlaufen junge Planeten eine
kritische Entwicklungsphase. Ihre ebenfalls noch jugendlichen Sterne sind in
dieser Zeit besonders aktiv und schleudern in heftigen Eruptionen Teilchen und
Strahlung ins All. Das stellare Bombardement kann nach und nach die Atmosphären
der jungen Planeten abtragen – und so eine wichtige Voraussetzung für das
Entstehen von Leben zerstören. Besonders gefährlich ist diese
"Sturm-und-Drang-Phase" der jungen Sterne für Planeten, die ihre Bahnen eng um
ihren Stern ziehen.
Planeten dieser Art mit Umlaufzeiten von weniger als zehn Tagen kommen in
unserem eigenen Sonnensystem zwar nicht vor, machen aber etwa die Hälfte aller
bisher entdeckten Exoplaneten aus. Über ihre Jugendzeit ist nur wenig bekannt.
Das Teilchen- und Strahlungsfeuerwerk ihres Sterns erschwert genaue
Beobachtungen.
Mit einem völlig neuen Ansatz macht die Forscherin Ekaterina Ilin nun aus
dieser Not eine Tugend: Denn die gewaltigen Ausbrüche selbst lassen sich in
Daten von Weltraumteleskopen gut aufspüren. Durch Analysen ihrer zeitlichen
Verteilung konnte die Forscherin im vergangenen Jahr den sternnahen, jungen
Planeten HIP 67522 b als bizarren Vertreter seiner Art identifizieren – und ein
völlig neues Phänomen entdecken: Wegen des geringen Abstands koppelt sich das
planetare Magnetfeld an das des Sterns und löst so die gefährlichen Ausbrüche
auf der planetenzugewandten Seite aus. Über Jahrmillionen könnte dieser Effekt
den Verlust der Planetenatmosphäre stark beschleunigen. "Es handelt sich um eine
völlig neue Art von Weltraumwetter, bei der ein Planet die Sternenstürme
sozusagen selbstverschuldet entfacht", so Ilin.
Auch in unserem Sonnensystem kommt es immer wieder zu Sonnenstürmen. Doch
folgen diese allein der "inneren Logik" der Sonne. Die vergleichsweise
sternfernen Planeten unserer kosmischen Heimat haben darauf keinen Einfluss. Im
Rahmen der neuen Max-Planck-Forschungsgruppe "MICS – Magnetische
Wechselwirkungen in Systemen mit (Sub-)Stellaren Begleitern" wird Ilin das neue
Phänomen nun weiter untersuchen. Ziel ist es zu verstehen, wie es zu der
verhängnisvollen Wechselwirkung von Planet und Stern kommt und wie sie die
weitere Entwicklung des Planeten beeinflusst. Um die zugrundeliegenden
physikalische Prozesse aufzuspüren, blickt die Forscherin auf das magnetische
Miteinander unterschiedlichster kosmischer Paare: von Doppelsternen mit gleicher
Masse bis hin zu Stern-Planeten-Paaren.
Mithilfe der Förderung durch den Starting Grant "PLANETARE – Stormy
adolescence: Detecting young planets through magnetic star-planet interaction"
des Europäischen Forschungsrats will die Forscherin ihren Ansatz zudem zu einer
Detektionsmethode ausbauen und in Daten aktueller und künftiger
Weltraumteleskope wie Kepler, TESS und PLATO gezielt nach wechselwirkenden
Planeten fahnden.
Ilin hat an der Universität Potsdam Physik und Astronomie studiert und am
Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam promoviert. Bereits in ihrer
Doktorarbeit hat sie sich mit Strahlungsausbrüchen in Stern-Planeten-Systemen
beschäftigt. Nach Forschungsaufenthalten am American Museum for Natural History
in New York und am Niederländischen Institut für Radioastronomie (ASTRON)
forscht die Wissenschaftlerin seit Oktober 2026 am Max-Planck-Institut für
Sonnensystemforschung in Göttingen. Dort ist die unabhängige
Max-Planck-Forschungsgruppe MICS mit einer Laufzeit von sechs Jahren
angesiedelt.
Max-Planck-Forschungsgruppen erlauben jungen Forschenden, früh in ihrer
wissenschaftlichen Laufbahn eigenständig ein Forschungsziel zu verfolgen und
eine eigene Gruppe aufzubauen. Der ERC-Starting-Grant PLANETARE ist eines von
421 Projekten, welche der Europäische Forschungsrat in den nächsten fünf Jahren
fördert. Von den für die aktuelle Förderperiode eingegangenen Anträgen wurden
nur knapp neun Prozent bewilligt.
Über den ungewöhnlichen Planeten HIP 67522 b berichteten Ilin und ihr Team im
vergangenen Jahr in einem Fachartikel in der
Zeitschrift Nature.
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