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Missionsabschluss für ESA-Astronautin Sophie Adenot in
Köln
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
12. Oktober 2026
Nach fast acht Monaten in Schwerelosigkeit landete die
ESA-Astronautin Sophie Adenot am 8. Oktober 2026 wieder auf der Erde. Ihre
Mission ist damit allerdings noch nicht beendet: Die Rückkehr in den Alltag auf
der Erde führt Adenot – wie fast alle ESA-Astronautinnen und -Astronauten seit
2014 – zum :envihab, der luft- und raumfahrtmedizinischen Forschungsanlage des
DLR in Köln.

Fast geschafft:
Seit dem Abkoppeln der Crew-Dragon-Kapsel von der
ISS am vergangenen Mittwoch ist ESA-Astronautin
Sophie Adenot unterwegs auf ihrem Direct Return
in die luft- und raumfahrtmedizinische
DLR-Forschungseinrichtung :envihab am Standort
Köln. Hier ist sie auf ihren letzten Metern ins
Modul 5, ihrem Wohnbereich für die nächsten Tage.
Geschwächt durch die lange Zeit in
Schwerelosigkeit stützen sie Prof. Bimba Hoyer
(links) und Dr. David Kim (rechts), das
zweiköpfige fliegerärztliche Team von Adenot.
Foto: DLR [Großansicht] |
Vor wenigen Tagen schwebte die französische Astronautin Sophie Adenot der
Europäischen Weltraumorganisation ESA noch in der Internationalen Raumstation
ISS. Fast acht Monate dauerte ihre Mission εpsilon. Gleich dreimal hieß
es für sie: raus aus der ISS zum Außenbordeinsatz, den körperlich und mental
anstrengenden EVA (Extravehicular Activity), nur mit einem Raumanzug zwischen
sich und dem Vakuum des Weltraums. Jetzt beginnt für Adenot ein weniger
spektakulärer, aber ebenso wichtiger Teil ihrer Mission: die Rückkehr in die
Schwerkraft.
Nach ihrer Landung am 8. Oktober 2026 wurde Adenot am Sonnabendmorgen im
Rahmen des sogenannten Direct Returns ins :envihab gebracht, der
Hightech-Forschungsanlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR)
in Köln. Dort begleiten die Expertinnen und Experten von DLR und ESA Sophie
Adenot bei ihren ersten zwei Wochen zurück auf der Erde. Ganz nah dabei: die
deutsche Missionsärztin der Astronautin, Prof. Bimba Hoyer.
Monate in der Schwerelosigkeit haben einen enormen Einfluss auf den
menschlichen Körper. Zurück auf der Erde muss er sich wieder langsam an die
Bedingungen auf der Erde anpassen. Kreislauf, Gleichgewicht, Muskulatur,
Koordination oder auch die Flüssigkeitsverteilung im ganzen Körper –
physiologisch ist die Rückkehr aus der Schwerelosigkeit fordernd. "Ein wichtiges
raumfahrtmedizinisches Thema sind die Augen, die sich in der Schwerelosigkeit
verändern, zum Beispiel die Sehstärke betreffend. Oder der Sehnerv kann dicker
werden", erläutert Hoyer. "Das und viel mehr kontrollieren wir nach der Rückkehr
zur Erde. So wissen wir, dass die Koordination unter 'normaler' Schwerkraft
zunächst schwierig ist. Um die Ecke laufen wird auf einmal zur Herausforderung.
Und auch der Blutdruck muss sich erst wieder an die Umstände hier unten
gewöhnen. Das sind die wichtigsten Felder, die wir hier im :envihab angehen –
neben der Rückenmuskulatur, die auf der ISS einfach nicht arbeiten muss."
Für Sophie Adenot ist Prof. Bimba Hoyer auch in dieser letzten Missionsphase
eine zentrale Ansprechpartnerin. Die Ärztin des DLR-Instituts für Luft- und
Raumfahrtmedizin und der ESA begleitet die Astronautin bereits über die gesamte
Mission als sogenannte Fliegerärztin, im Englischen "Flight Surgeon". Diese
Rolle reicht weit über medizinische Routinen hinaus: Hoyer ist Schnittstelle
zwischen 'ihrer' Astronautin, dem medizinischen Bodenteam und dem
wissenschaftlichen, organisatorischen und technischen Missionsbetrieb. Beim EVA,
dem herausfordernden und mehrere Stunden dauernden Außenbordeinsatz – im
Englischen wie Deutschen oft etwas despektierlich "Space Walk" beziehungsweise
"Weltraumspaziergang" genannt – war Hoyer aus dem Kontrollraum der
US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA in Houston live dabei und stets
reaktionsbereit, sollten medizinische Fragen ad hoc zu klären sein.
Während ihres Aufenthalts im All führte Adenot eine Vielzahl
wissenschaftlicher Experimente aus unterschiedlichen Disziplinen durch. Dabei
war sie entweder selbst das "Versuchsobjekt" oder übernahm die Durchführung der
Experimente als "verlängerter Arm" der jeweiligen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler auf der Erde. Die Versuche decken ein breites Spektrum ab,
darunter Medizin und Physiologie, körperliche Leistungsfähigkeit, Mikrobiologie,
Geowissenschaften und Raumfahrttechnologie.
Während ihrer Mission wurde Sophie Adenot zur europäischen Astronautin mit
dem längsten Raumflug. Anfang September 2026 überschritt sie die Marke von 200
Tagen im Orbit. Sie absolvierte außerdem innerhalb von 15 Tagen drei
Weltraumausstiege und verzeichnete dabei in Summe fast 20 Stunden EVA-Zeit. Das
alles sind körperliche Höchstleistungen. Aber eben alles ohne Schwerkraft. Nicht
jede körperliche Veränderung nach Monaten im All ist nach der Rückkehr in die
Schwerkraft ein medizinisches Problem. Vieles gehört zur erwarteten
physiologischen Anpassung durch die Langzeitmission, zu dem es ein spezielles,
ausgereiftes Trainingsprogramm zur Wiedergewöhnung an die Gravitation gibt.
Reine Untersuchungsdaten und Messwerte sind zwar wichtig, aber sie ergeben noch
kein medizinisches Gesamtbild. Was berichtet die Astronautin selbst? Hat sie
Beschwerden? Welche subjektiven Beobachtungen lassen sich mit medizinischen
Daten verbinden?
Das Direct-Return-Programm dauert in der Regel zehn bis 14 Tage. Auch dabei
kommt die besondere Rolle und Nähe der Missionsärztin Hoyer zum Tragen, die
Adenot über die gesamte Zeit sehr gut kennen- und einschätzen gelernt hat. 21
Monate vor dem Start im Februar dieses Jahres kam die Fliegerärztin mit ihrer
Astronautin zusammen – genug Zeit, damit ein Vertrauensverhältnis wachsen
konnte. Und so werden Adenot, Hoyer und das Team von DLR und ESA die Mission
εpsilon mit ihrem holistischen Ansatz und dem ausgefeilten Programm am :envihab
wissenschaftlich wie medizinisch zu einem erfolgreichen Abschluss bringen.
Die Betreuung europäischer Astronauten und Astronautinnen im :envihab – der
luft- und raumfahrtmedizinischen Forschungseinrichtung des DLR – unmittelbar
nach ihrer Landung auf der Erde erfolgt nun seit Jahren in Teamarbeit zwischen
DLR und ESA. Alexander Gerst war 2014 der erste ESA-Astronaut, der von seiner
ISS-Mission Blue Dot direkt nach Köln zurückkehren konnte. Das :envihab
ist für die Astronauten und Astronautinnen nicht nur der Ort, an dem die
Experimente und Untersuchungen stattfinden – es ist ihre "Heimat" für die ersten
Tage nach der Landung. Dazu werden Räumlichkeiten für die Crew und
Familienangehörige wohnlich hergerichtet: Schlafräume, Wohnbereich, Küche und
Bäder in einem privaten, abgeschlossenen Bereich bieten den Zurückkehrenden für
die erste Zeit einen Rückzugsort nach der aufregenden Mission.
Neben der Unterstützung der Rückkehrenden bei der Wiedergewöhnung an das
Leben auf der Erde geht es bei einem Direct Return stets gleichzeitig auch um
weitere wissenschaftliche, medizinische Experimente. Deren Durchführung gehört
noch genauso zur Mission wie der Aufenthalt auf der ISS. Das Ziel der Arbeit im
:envihab ist es, immer bessere Informationen über die Auswirkung der
Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper zu erhalten. Auf dieser Grundlage
werden die Trainingsprogramme vor, während und nach dem Weltraumaufenthalt sowie
weitere geeignete Gegenmaßnahmen für die negativen Effekte der Schwerelosigkeit
entwickelt.
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