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Blick auf den ungewöhnlichen Supernova-Überrest Pa 30
Redaktion
/ Pressemitteilung des Institute of Science and Technology Austria astronews.com
8. Oktober 2026
Der Supernovaüberrest Pa 30 überrascht durch seine
ungewöhnliche Form. Nun haben Beobachtungen mit dem Teleskop Gemini North mehr
über die Struktur des Objekts enthüllt: Sie besteht offenbar aus Ketten aus
Gasknoten, die an Perlen auf einer Schnur erinnern und jeweils groß genug sind,
um unser Sonnensystem mehrfach aufzunehmen.

Pa 30, der wahrscheinliche Überrest der im
Jahr 1181 beobachteten historischen Supernova,
wurde nun vom Gemini-North-Teleskop von NOIRLab
in bisher unerreichter Detailgenauigkeit
aufgenommen.
Bild: International Gemini Observatory / NOIRLab
/ NSF / AURA [Großansicht] |
Er sieht fast aus wie ein Feuerwerk: Das Objekt
Pa 30 wird als "löwenzahnförmiger" Überrest einer gewaltigen Sternexplosion beschrieben.
Zu seinem ungewöhnlichen Aussehen dürfte auch beitragen, dass sich in seinem
Zentrum ein "Zombiestern" befindet - der stellare
Überrest einer unvollständigen Explosion. Pa 30
wurde erst 2013 im Rahmen einer Citizen-Science-Kampagne identifiziert. Später wurde er mit
einer historischen Sternexplosion in Verbindung gebracht, die im Jahr 1181
beobachtet und unabhängig voneinander in japanischen, chinesischen und
arabischen historischen Quellen dokumentiert worden war. Damit konnte Pa 30
einer von nur fünf Supernovae zugeordnet werden, die vor dem Zeitalter der
Teleskope aufgezeichnet wurden und deren Überreste lange Zeit nicht
identifiziert waren.
Ein internationales Team von Astronominnen und Astronomen unter der
gemeinsamen Leitung von Tim Cunningham vom Center for Astrophysics | Harvard &
Smithsonian und Ilaria Caiazzo, Assistenzprofessorin am Institute of Science and
Technology Austria (ISTA), hat nun mithilfe des Gemini-North-Teleskops von NOIRLab die bislang detaillierteste Ansicht von Pa
30 gewonnen.
Mit einer Entfernung von etwa 7.500 Lichtjahren ist Pa 30 nach
astronomischen Maßstäben relativ nah an der Erde – deutlich näher als das
Zentrum der Milchstraße, das rund 26.000 Lichtjahre entfernt ist. Auch wenn
diese Distanzen sehr groß klingen, sind sie im Vergleich zu den gewaltigen
Dimensionen des Universums gering. Pa 30 ist das einzige bekannte Objekt seiner
Art in der Milchstraße. Astronominnen und Astronomen haben zwar einige ähnliche Objekte in
anderen Galaxien identifiziert, doch Pa 30 ist das einzige, bei dem unsere
Teleskope den überlebenden Überrest der unvollständigen Explosion in seinem
Zentrum erkennen können – den "Zombiestern". Diese Art unvollständiger Explosion
wird als Typ-Iax-Supernova bezeichnet, eine seltene Klasse von Sternexplosionen.
Forschende vermuten, dass Pa 30 durch die Kollision zweier Weißer Zwerge
entstand – extrem dichter, etwa erdgroßer stellarer Überreste, die ihren
Brennstoff aufgebraucht und ihre äußeren Schichten abgestoßen haben. "Wir können
aufgrund der Nähe von Pa 30 zur Erde so viele Details erkennen", sagt Caiazzo.
"Diese Nähe macht Pa 30 für die Forschung besonders wertvoll."
Laut Cunningham könnte unsere Galaxie weitere Überreste von Typ-Iax-Supernovae
beherbergen, die bislang noch nicht entdeckt wurden. "Verlässliche historische
Aufzeichnungen von Sternexplosionen reichen nur etwa tausend Jahre zurück. Es
könnten also in unserer eigenen Galaxie noch ähnliche Überreste im Verborgenen
liegen", sagt er. "Heute haben wir das Glück, ein faszinierendes Objekt
untersuchen zu können, von dem wir wissen, dass es von Astronominnen und
Astronomen beobachtet
wurde, die das Ereignis Jahrhunderte vor der Erfindung des Teleskops in drei
unabhängigen historischen Quellen dokumentierten."
Obwohl Typ-Iax-Supernovae
selten sind, hält das Team es nicht für überraschend, dass Pa 30 als eine solche
identifiziert wurde. "Wir werden wahrscheinlich weitere ähnliche Objekte finden,
wenn neue Teleskope weiterhin die Tiefen unseres Nachthimmels untersuchen", so Cunningham, der inzwischen Assistenzprofessor an der University of
Warwick im Vereinigten Königreich ist.
Das Team
analysierte Emissionslinien von ionisiertem Schwefel (SII) im roten Bereich des
sichtbaren Lichtspektrums sowie Emissionslinien von zweifach ionisiertem
Sauerstoff (OIII), die in blaugrünen Farbtönen dargestellt werden. Die
SII-Beobachtungen zeigten ungefähr zehnmal so viele filamentartige Strukturen,
wie auf früheren Bildern aufgelöst werden konnten. Die Daten zeigen zudem, dass
die auf den ersten Blick glatten Filamente von Pa 30 in Wirklichkeit aus dichten Ketten von Gasknoten bestehen, die offenbar
bemerkenswert gleich groß sind. "Der Bereich unseres Sonnensystems, in dem sich
die Planeten befinden, würde mit reichlich Platz etwa zehnmal in jeden Knoten
passen", sagt Caiazzo. "Die Knoten sind auffallend gleichförmig. Wir freuen uns
darauf, sie zu modellieren."
Das Team stellte außerdem fest, dass der
überlebende Zombiestern fast genau im Zentrum des Nebels zu liegen scheint. Bei
vielen Supernovae verleiht eine asymmetrische Explosion einem möglicherweise
überlebenden Stern einen "Kick", der ihn vom Explosionszentrum wegbewegt. "Bei
Explosionen bleibt der Impuls erhalten. Wäre die Explosion selbst perfekt
symmetrisch, müsste auch das Auswurfmaterial symmetrisch sein, und der
überlebende Stern sollte keinen starken Kick erhalten", so Caiazzo. "Wir
konnten eine präzise Obergrenze für die transversale Kick-Geschwindigkeit des
Sternüberrests bestimmen. Sie zeigt, dass diese überraschend gering war.
Praktisch sehen wir überhaupt nicht, dass sich der Stern vom Zentrum wegbewegt."
Für die neuen
Beobachtungen nutzte das Team das Gemini-North-Teleskop auf dem Mauna Kea in
Hawaiʻi, das auf einer Höhe von mehr als 4200 Metern liegt. Gemini North ist
eine Hälfte des International Gemini Observatory; sein Zwillingsteleskop
Gemini
South befindet sich in Chile. Das Observatorium wird teilweise von der U.S.
National Science Foundation (NSF) finanziert und von NSF NOIRLab betrieben.
Die Fähigkeiten des Teleskops in Verbindung mit seinem Standort an einem der
weltweit besten Orte für astronomische Beobachtungen ermöglichten dem Team
die bislang höchstaufgelösten Bilder und die detaillierteste Analyse von Pa 30.
Viele Fragen zu Pa 30 bleiben trotzdem noch offen. Die neuen Beobachtungen könnten
der Astronomie jedoch helfen, ähnliche Überreste an anderer Stelle zu identifizieren.
"Die Astronomie ist in das Zeitalter von Big Data eingetreten", sagt Cunningham.
"Unsere Ergebnisse werden uns helfen, sehr große Datensätze gezielter zu
durchsuchen." Und Caiazzo ergänzt: "Grundsätzlich gilt: Je weiter wir in den
Weltraum blicken, desto schwieriger wird es, schwache Signale zu erfassen und zu
interpretieren. Zwar können wir Typ-Iax-Supernovae in fernen Galaxien als
punktförmige Lichtquellen beobachten, doch ihre Überreste lassen sich nur in
unserer eigenen Galaxie und in sehr wenigen nahen Galaxien räumlich auflösen.
Langfristig wollen wir die charakteristischen Eigenschaften von Pa 30 nutzen, um
die Milchstraße und nahe gelegene Galaxien nach ähnlichen Objekten zu
durchsuchen."
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