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ALMA
Seltene Methanol-Variante um jungen Protostern entdeckt
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie
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7. Oktober 2026

Mithilfe des Radioteleskopverbunds ALMA gelang nun der erste Nachweis einer seltenen Variante von Methanol im Weltall. Entdeckt wurde das vollständig deuterierte Methanol um den Protostern IRAS4A2 in der Perseus-Molekülwolke. Die beobachtete Häufigkeit des Moleküls kann jedoch von chemischen Modellen bislang nicht reproduziert werden.

Perseus-Molekülwolke

Die Perseus-Molekülwolke befindet sich etwa 1000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Um mindestens einen der noch in ihr eingebetteten, sehr jungen Sterne gibt es eine seltene Form des organischen Alkohols Methanol. Diese ließ sich in der aktuellen Studie zum ersten Mal überhaupt im Weltraum nachweisen. Bild: Ekaterina Moerova / MPIfR; Hintergrund: NASA, CXC, SSC, NOAO, DSS; 3D-Bild von Methanol: PubChem [Großansicht]

Methanol (chemisches Kürzel: CH3OH) – der einfachste organische Alkohol – spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung komplexer organischer Verbindungen im interstellaren Raum. Im Rahmen einer von Arnaud Belloche vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie geleiteten Studie ließ sich zum ersten Mal vollständig deuteriertes Methanol (chemisches Kürzel: CD3OD) im Weltall nachweisen, bei dem alle Wasserstoffatome durch schweren Wasserstoff (Deuterium) ersetzt sind. Damit lassen sich zentrale Vorhersagen chemischer Modelle testen.

Bereits in sehr jungen Sternsystemen gibt es komplexe Moleküle wie Isopropanol. Experimente legen nahe, dass sie sich auf der Oberfläche von vereisten Staubkörnern bilden, noch bevor der Stern überhaupt leuchtet. Methanol nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: Es kann auf den Körnern langsam mit Atomen wie Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff zu immer größeren Verbindungen reagieren. Sobald der Stern zu leuchten beginnt und seine Umgebung erwärmt, werden die komplexen organischen Moleküle als Gas freigesetzt.

Ab diesem Zeitpunkt lassen sich ihre Signaturen mit Teleskopen wie dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA), einem Verbund aus Radioteleskopen in der chilenischen Atacamawüste, beobachten. Um zu verstehen, welche Reaktionen und Prozesse für die Bildung komplexer Moleküle wichtig sind, benötigt man ein möglichst vollständiges Inventar der chemischen Verbindungen um sehr junge Sterne. Deuterierte Moleküle sind besonders interessant, weil sie nur unter extrem kalten Bedingungen entstehen, die typisch für die frühen Phasen der Sternentstehung sind. Im Zentrum steht Methanol: von der häufigen Grundform mit normalem Wasserstoff, über die selteneren ein- bis mehrfach deuterierten Formen, bis hin zur vollständig deuterierten Form. Hier klaffte bisher eine Beobachtungslücke.

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Die Forschenden beobachteten im Rahmen des ALMA-Programms COMPASS (Complex Organic Molecules in Protostars with ALMA Spectral Surveys) elf junge Sternsysteme. Unter ihnen ist der Protostern IRAS4A2, der sich rund 1000 Lichtjahre entfernt in der Perseus-Molekülwolke befindet. Hier konnte das Team nun erstmals die eindeutige Signatur von vollständig deuteriertem Methanol nachweisen. Es handelt sich zudem um die erste Beobachtung eines vierfach deuterierten interstellaren Moleküls überhaupt.

"Die Deuterierung ermöglicht es uns, die chemische Entwicklung von Molekülen während der Entstehung von Sternen und Planeten nachzuverfolgen", erklärt Silvia Spezzano, Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE), die an der aktuellen Studie beteiligt war. "So können wir ihre Chemie verstehen und letztlich auch, wie molekulare Komplexität von interstellaren Wolken auf Planetensysteme übertragen wird."

Das Team konnte nicht nur die Existenz von vollständig deuteriertem Methanol um IRAS4A2 belegen, sondern sogar die Häufigkeiten der verschiedenen Methanol-Varianten bestimmen. Dabei zeigte sich, dass die vollständig deuterierte Form etwa hundertmal häufiger vorkommt als theoretisch vorhergesagt. Keines der verfügbaren chemischen Modelle ist momentan in der Lage, diesen großen Anteil an vollständig deuteriertem Methanol zu erklären. "Ein entscheidender Prozess, der die Bildung von mehrfach deuteriertem Methanol vorantreibt, scheint folglich in allen von ihnen zu fehlen", folgert Arnaud Belloche vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR), der die Studie leitete.

In den Daten von IRAS4A2 steckt sogar noch mehr: Es gibt unidentifizierte Spektrallinien. Angesichts der Detektion von CD3OD erwarten die Astronomen, dass einige dieser Linien von den mehrfach deuterierten Formen von Methanol, CH2DOD und CHD2OD, stammen könnten. An den entsprechenden Labordaten, die für einen sicheren Nachweis noch fehlen, wird bereits gearbeitet. "Am Zentrum für Astrochemische Studien am MPE führen wir ein systematisches Laborprogramm durch, um die Spektren von deuterierten komplexen organischen Molekülen, darunter CH2DOD und CHD2OD, zu untersuchen", so Spezzano und Belloche ergänzt: "Hier zeigt sich, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Beobachtung, Experiment und Modellierung ist."

Die Ergebnisse der Studie wurden in der aktuellen Ausgabe von Astronomy & Astrophysics publiziert. Zeitgleich werden noch sechs weitere Arbeiten veröffentlicht, die im Rahmen von COMPASS entstanden sind. Gemeinsam werfen sie ein Schlaglicht auf die Vielfalt komplexer organischer Moleküle im Weltraum.

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siehe auch
ALMA: Iso-Propanol in Sagittarius B2 nachgewiesen - 29. Juni 2022
Links im WWW
Belloche, A. et al. (2026): Complex Organic Molecules in Protostars with ALMA Spectral Surveys (COMPASS) – VII. First interstellar detection of fully deuterated methanol, A&A, 714, A55
Max-Planck-Institut für Radioastronomie
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