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Gammastrahlen von zwei Standorten aus im Visier
Redaktion
/ Pressemitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg astronews.com
9. September 2026
Bis 2031
wird ein neues Observatorium zur Detektion von Gammastrahlen entstehen – mit je einem
Standort auf der Nord- und der Südhalbkugel der Erde. Mithilfe der Gammastrahlen
sollen Quellen kosmischer Strahlung, Dunkle Materie und Relikte des Urknalls
aufgespürt werden. Deutsche Einrichtungen sind mit wichtigen Beiträgen
beteiligt.

So könnte es in Zukunft am geplanten
Standort des CTAO auf La Palma aussehen.
Bild: CTAO
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Gammastrahlen sind ein wahrer Schatz für die Erforschung des Universums. Sie
entstehen bei hochenergetischen kosmischen Prozessen, etwa wenn massereiche
Sterne explodieren, Neutronensterne miteinander kollidieren oder Jets um
Schwarze Löcher Materie aussenden. "Im Gegensatz zu Elektronen oder Protonen
werden Gammastrahlen nicht durch Magnetfelder abgelenkt. Damit verraten sie uns
ziemlich genau, in welcher Richtung die Quellen kosmischer Energie zu finden
sind", sagt Prof. Dr. Stefan Funk vom Erlangen Centre for Astroparticle
Physics der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).
Treffen Gammastrahlen auf die Erdatmosphäre, erzeugen sie blaues Licht, das für
das menschliche Auge zwar unsichtbar ist, von speziellen Sensoren jedoch
aufgezeichnet werden kann.
Genau für diesen Zweck werden in den kommenden fünf Jahren in der
chilenischen Atacama-Wüste und auf der kanarischen Insel La Palma insgesamt 64
Teleskope errichtet. Zusammen bilden sie das Cherenkov Telescope Array
Observatory, kurz: CTAO. Es wird das weltweit größte und genaueste
Observatorium für bodengestützte Gammastrahlen-Astronomie sein – zehnmal
empfindlicher als bisherige Detektoren. Die unterschiedlich großen Teleskope
besitzen insgesamt rund 125.000 ultraschnelle Kamera-Lichtsensoren und
überwachen eine Fläche von etwa einer Million Quadratmetern. Die größten
Spiegelteleskope haben einen Durchmesser von 23 Metern und sind in der Lage,
auch niederenergetische Gammastrahlung zu detektieren.
Den Bau und die Inbetriebnahme der CTAO-Teleskope wird ein deutscher Verbund
maßgeblich vorantreiben. Dafür stellt das BMFTR im Rahmen des Programms
"Erforschung von Universum und Materie" in den kommenden drei Jahren über vier
Millionen Euro bereit. Zum Verbund gehören neben der FAU die
Humboldt-Universität Berlin, die Technische Universität Dortmund sowie die
Universitäten Bochum, Potsdam, Tübingen und Würzburg. Beteiligt sind außerdem
die Max-Planck-Institute für Kernphysik Heidelberg und für Physik München und
das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörende Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY in
Zeuthen.
"Die Projektpartner spielen in vielen Aspekten von CTAO eine entscheidende
Rolle: Sie erproben Komponenten, entwickeln Software für Detektion und
Datenauswertung und begleiten die Inbetriebnahme der ersten Teleskope", erklärt
Funk, der auch Sprecher des Verbunds ist. "Damit sichern sich die deutschen
Hochschulgruppen eine starke Position innerhalb des europäischen
CTAO-Verbundes."
Die Erlanger Astrophysiker arbeiten vor allem an der Entwicklung und
Erprobung von Photosensoren und der Auslese-Elektronik der Kameras. "Wir
erreichen eine unglaublich hohe Aufzeichnungsrate von etwa einer Milliarde
Bilder pro Sekunde, damit uns kein Gamma-Photon durch die Lappen geht", sagt
Funk. Die an der FAU konzipierten Elektronik-Boards werden industriell
gefertigt, anschließend von den Wissenschaftlern geprüft und dann am
Heidelberger Max-Planck-Institut in die Kameras eingebaut.
"Die Einzelkomponenten kann man alle auf dem Markt kaufen, aber eben kein
komplettes Teleskop. Die Expertise aller Projektpartner führt zu technischer
Innovation weit über die Gamma-Astronomie hinaus und ist Voraussetzung dafür,
gute Wissenschaft zu machen", so Funk. Selbstverständlich ist die FAU nach dem
aktuellen Förderzeitraum auch an der Datenauswertung selbst beteiligt. Die
Signale der Photosensoren werden an den CTAO-Standorten zunächst digitalisiert
und vorverarbeitet, bevor sie online an das DESY übertragen werden. Dort werden
die Daten aufbereitet und den Projektpartnern zur koordinierten Bearbeitung zur
Verfügung gestellt.
Das Erlanger Team sucht insbesondere nach Dunkler Materie und Quellen
kosmischer Strahlung. "Solche Quellen können Supernovae oder Pulsare innerhalb
unserer Galaxie sein, aber auch extrem energiereiche Schwarze Löcher im Zentrum
ferner Sternensysteme", sagt Prof. Dr. Christopher van Eldik, dessen Erlanger
Arbeitsgruppe die Kameras zur präzisen Ausrichtung der Teleskope am Himmel
entwickelt. "Das CTAO-Projekt wird dazu beitragen, diese kosmischen Energien und
Prozesse besser zu verstehen."
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
fördert die Universitäten des Verbundes in den kommenden drei Jahren mit 4,1
Millionen Euro, 1,2 Millionen davon erhält die FAU.
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