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Korona-Vorhersage zur Sonnenfinsternis
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung astronews.com
10. August 2026
In den Tagen vor der Sonnenfinsternis am 12. August 2026
schaut die ESA-Raumsonde Solar Orbiter in besonderer Mission auf die
Sonne: Ihre Messdaten sind Ausgangspunkt für die Modellierung der Struktur und
Dynamik der Sonnenkorona. Ob die Rechnungen dann stimmen, wird sich zeigen, wenn
die Korona während der totalen Phase der Finsternis für alle sichtbar wird.

Modellrechnungen, wie die Korona der Sonne von
Spanien aus betrachtet zum Zeitpunkt der
Sonnenfinsternis aussehen dürfte. Für die
Simulationen wurden SO/PHI-Daten vom 6. August
2026 benutzt.
Bild: Predictive Science Inc. [Großansicht] |
Wer das stürmische Wesen unseres Sterns ergründen will, muss auf die Korona
der Sonne schauen. Dort, in der heißen Atmosphäre der Sonne, nehmen viele
dynamische Prozesse ihren Ursprung: Aus der Korona jagt der Sonnenwind, der nie
abreißende Strom geladener Teilchen von der Sonne, ins All; heftige Teilchen-
und Strahlungsausbrüche beziehen aus der Korona ihre explosive Energie. Um zu
verstehen, wie das komplexe Zusammenspiel aus mehr als eine Million Grad heißem
Plasma, starken Magnetfeldern und Wellen diese Phänomene antreibt, entwickeln
Forschende theoretische Modelle und simulieren die Vorgänge in der Korona am
Computer.
Ausgangspunkt der Rechnungen sind Messungen des Magnetfeldes an der
sichtbaren Oberfläche der Sonne, der Photosphäre. Messinstrumente wie das
Teleskop SO/PHI (Polarimetric and Helioseismic Imager) der ESA-Raumsonde
Solar Orbiter liefern solche Beobachtungsdaten routinemäßig. SO/PHI wurde
unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS)
entwickelt und gebaut und wird vom MPS betrieben.
Um zu überprüfen, ob die Modelle die Vorgänge in der Korona realistisch
beschreiben, braucht es dann in einem zweiten Schritt Vergleiche mit
Beobachtungen dieser Schicht der Sonnenatmosphäre. Da die Photosphäre die
deutlich lichtschwächere Korona überstrahlt, lässt sie sich nur mit speziellen
Messinstrumenten, sogenannten Koronographen, sichtbar machen. Dabei verdeckt ein
Okkulter die Sonnenscheibe, so dass die zarten Strukturen der Korona zum
Vorschein kommen. Dasselbe geschieht auf natürliche Weise bei einer
Sonnenfinsternis: Der Mond schiebt sich, wie ein Okkulter, vor die
Sonnenscheibe. Forschende des MPS und des amerikanischen Forschungsunternehmens
Predictive Science Inc. (PSI) setzen nun auf die bevorstehende Sonnenfinsternis
am 12. August dieses Jahres.
Bei ihren Bemühungen, die Sonnenatmosphäre zu modellieren, kämpfen Forschende
allerdings mit einem Problem: Die Input-Daten von der Photosphäre sind nie ganz
aktuell. Das liegt daran, dass Beobachtungen – sowohl mithilfe von
Weltraumsonden als auch bodengebundenen Teleskopen – gewöhnlich entlang der
Verbindungslinie zwischen Sonne und Erde erfolgen. Das ermöglicht einen nur sehr
begrenzten Blick auf unseren Stern: Nur die der Erde zugewandte Seite der Sonne
ist sichtbar. Um die Modelle mit Informationen über die Magnetfelder an der
kompletten Oberfläche der Sonne "zu füttern", müssen die Forschenden
notgedrungen eine Sonnenrotation von etwa 27 Tagen abwarten – und können daraus
nur ein über diesen Zeitraum gemitteltes Bild der Korona berechnen.
Allein Solar Orbiter kann hier Abhilfe schaffen. Anders als andere
Sonnenspäher fliegt die Sonde um die Sonne herum. Aktuell verlässt sie ihre
Rückseite. SO/PHI kann deshalb das Magnetfeld auf der erdabgewandten Seite
bestimmen, erdnahe Sonden zeitgleich auf der erdzugewandten Seite. So lässt sich
deutlich schneller ein komplettes Bild der Sonnenoberfläche zusammensetzen – und
die Qualität der numerischen Korona-Modelle verbessern.
Im Rahmen der aktuellen Beobachtungskampagne im Vorfeld der Sonnenfinsternis
hat SO/PHI bereits begonnen, Daten zu sammeln. In enger Zusammenarbeit mit der
ESA stellt das MPS-Team sicher, dass die Daten möglichst schnell zur Erde
übermittelt und für die weitere wissenschaftliche Nutzung aufbereitet werden. So
können Forschende von PSI die Korona möglichst zeitnah modellieren, vorhersagen,
wie sie zum Zeitpunkt der Sonnenfinsternis aussehen wird – und ihre Ergebnisse
dann mit Aufnahmen der Korona vom 12. August vergleichen. Bereits bei der
Sonnenfinsternis vom 8. April 2024, die überwiegend in den USA zu sehen war,
hatte sich diese Zusammenarbeit bewährt.
Die bevorstehende Sonnenfinsternis am Mittwoch, 12. August, wird in Grönland,
Island, Spanien und einem kleinen Teil Nordportugals als totale Sonnenfinsternis
zu sehen sein. In anderen Teilen Europas, wie in Deutschland, zeigt sich eine
partielle Sonnenfinsternis - mit einem Bedeckungsgrad von bis zu rund 90 Prozent
im deutschsprachigen Raum. Auch in Hamburg sind es noch rund 85 Prozent. Die
Sonnenfinsternis beginnt allerdings am Abend, so dass die Sonne zu diesem
Zeitpunkt schon nicht mehr hoch am Himmel steht. Auch wenn es sich um ein
atemberaubendes Schauspiel handelt, wird der relativ kleine, unbedeckte Teil der
Sonne leider so hell strahlen, dass die Korona nicht zu sehen sein wird. Dennoch
kann auch dieser kleine Teil Ihre Augen schwer schädigen, wenn Sie ohne Schutz
hinschauen: Eine geeignete Sonnenfinsternisbrille ist deswegen zur Beobachtung
unbedingt nötig!
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