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Der Mars einst auch ein "blauer Planet"?
Redaktion
/ Pressemitteilung der Universität Bern astronews.com
15. Januar 2026
Mithilfe von Bildern von Kameras auf Mars-Orbitern entdeckte
ein internationales Forschungsteam Strukturen auf dem Mars, die große
Ähnlichkeiten mit klassischen Flussdeltas auf der Erde aufweisen. Es handelt
sich um Spuren von Flüssen, die ihre Sedimente in einen Ozean eingetragen haben.
Dies, so das Team, würde zeigen, dass der Mars vor etwa drei Milliarden Jahren
ein "blauer Planet" gewesen ist.

Blick auf die Vallis Marineris. Diese Ansicht
wurde aus Bildern der ESA-Marssonde Mars Express
erzeugt. Die Farben sind verstärkt, um
Unterschiede auf der Oberfläche besser sichtbar
zu machen.
Bild: ESA / DLR / FU Berlin / G. Michael [Großansicht] |
Die Existenz von Wasser auf dem Mars ist ein zentrales Thema in der
planetaren Forschung. Frühere Studien haben bereits Hinweise auf Ozeane und
Flüsse auf dem Mars geliefert, die auf eine einst feuchte und möglicherweise
bewohnbare Umwelt hindeuten. Auch für die Valles Marineris – das größte
Canyonsystem des Mars, das sich entlang seines Äquators erstreckt – wurden
Hinweise auf früheres Wasser und einen möglichen Ozean entdeckt. Diese stammen
unter anderem aus Funden von Mineralien, die durch Wasser verändert wurden.
Ein Forschungsteam der Universität Bern hat in Zusammenarbeit mit dem
INAF – Osservatorio Astronomico di Padova nun neue Erkenntnisse über die
geologische Vergangenheit der Valles Marineris gewonnen: Die Forschenden haben
mithilfe hochauflösender Bilder verschiedener Mars-Kameras beim Canyonsystem
geomorphologische Strukturen gefunden, die Flussdeltas auf der Erde ähneln. Bei
diesen Strukturen handelt es sich um die Mündung eines Flusses in einen Ozean.
Die neue Studie liefert somit einen eindeutigen Beweis auf einen Küstenverlauf
und folglich auf einen früheren Ozean auf dem Mars.
Zur Untersuchung der geomorphologischen Strukturen des Mars nutzten die
Forschenden hochauflösende Bilder verschiedener Kameras auf Mars-Sonden, unter
anderem der Berner Mars-Kamera CaSSIS (Colour and Stereo Surface Imaging System)
an Bord des ExoMars Trace Gas Orbiter der Europäischen
Weltraumorganisation ESA sowie Daten der Raumsonden Mars Express und
Mars Reconnaissance Orbiter. Die Untersuchung konzentrierte sich auf
die geomorphologischen Strukturen des Südost-Coprates Chasma, einem Teil der
Valles Marineris.
"Die einzigartig hochauflösenden Satellitenbilder des Mars haben es uns
ermöglicht, die Landschaft des Mars mit Vermessungen und Kartierungen ins
kleinste Detail zu untersuchen", sagt Ignatius Argadestya, Doktorand am Institut
für Geologie und am Physikalischen Institut der Universität Bern. Ignatius
Argadestya forscht im Rahmen des "Swiss Government Excellence Scholarship for
Foreign Scholars (ESKAS)" an der Universität Bern und ist Erstautor der jetzt
vorgestellten Studie, die im Rahmen seiner Dissertation entstand.
"Seit April 2018 liefert CaSSIS hochauflösende Farbbilder der Marsoberfläche.
Die Bilder werden regelmäßig in wissenschaftlichen Untersuchungen eingesetzt.
Ich freue mich persönlich sehr, dass die Bilder nun auch in einer
geomorphologischen Studie des Instituts für Geologie verwendet wurden", sagt
Nicolas Thomas, Professor an der Abteilung Space Research & Planetary Sciences
der Universität Bern, unter dessen Leitung das Kamerasystem CaSSIS von einem
internationalen Team entwickelt und gebaut wurde.
"Bei der Vermessung und Kartierung der Marsbilder konnte ich Berge und Täler
erkennen, die einer Gebirgslandschaft auf der Erde ähneln. Besonders beeindruckt
haben mich jedoch die Deltas, die ich am Rand eines der Gebirge entdeckte", sagt
Argadestya. Am unteren Ende des Canyonsystems wurden sogenannte "Scarp-Fronted
Deposits" entdeckt, die als "Fan-Deltas" interpretiert werden. Fan-Deltas
entstehen dort, wo ein fächerförmiger Schuttkegel aus Geröll und Sand direkt in
ein stehendes Gewässer hineinwächst. Die Forschenden konnten feststellen, dass
die auf dem Mars kartierten Strukturen große Ähnlichkeiten mit klassischen
Deltas auf der Erde aufweisen.
"Deltastrukturen entstehen an den Rändern von Ozeanen, wie wir aus
zahlreichen Beispielen auf der Erde wissen", erklärt Fritz Schlunegger,
Professor für Exogene Geologie am Institut für Geologie der Universität Bern.
"Bei den Strukturen, die wir auf den Bildern identifizieren konnten, handelt es
sich eindeutig um die Mündung eines Flusses in einen Ozean", so Schlunegger
weiter. Die Studie bestätige und belege damit frühere wissenschaftliche
Hinweise, dass es vor etwa drei Milliarden Jahren einen Ozean auf dem Mars
gegeben habe.
Die Ergebnisse zeigen auch, dass der gefundene Ozean mindestens so groß war
wie der Arktische Ozean auf der Erde. "Wir sind zwar nicht die ersten, welche
die Existenz und die Größe des Ozeans postulierten. Frühere Angaben basierten
jedoch auf weniger präzisen Daten und zum Teil auf indirekten Argumenten. Unsere
Rekonstruktion des Meeresspiegels basiert hingegen auf eindeutigen Hinweisen für
eine solche Küstenlinie, da wir hochauflösende Bilder verwenden konnten", so
Schlunegger. "Mit unserer Untersuchung konnten wir Hinweise auf den bislang
tiefsten und größten ehemaligen Ozean auf Mars liefern – einen Ozean, der sich
über die Nordhemisphäre des Planeten ersteckte", ergänzt Argadestya. Heute
bedecken durch Wind geformte Dünen die ehemaligen Deltastrukturen. Ihre
ursprüngliche Form ist aber noch immer gut erkennbar.
Die Entdeckung von Deltas und die Bestätigung der Hinweise auf einen
ehemaligen Ozean legen nahe, dass auf dem Mars einst Bedingungen herrschten, die
die Entstehung und Entwicklung von Leben begünstigt haben könnten. "Wir kennen
den Mars als trockenen, roten Planeten. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass er
in der Vergangenheit ein blauer Planet gewesen ist, ähnlich wie die Erde. Diese
Erkenntnis zeigt auch, dass Wasser auf einem Planeten kostbar ist und eventuell
auch mal verschwinden könnte", betont Argadestya.
"Dieses Projekt ist für uns Forschende aus der Geologie besonders spannend,
weil es uns ermöglicht, Konzepte, die wir aus Untersuchungen auf der Erde
entwickelt haben, auf andere Planeten wie den Mars zu übertragen", betont
Schlunegger. "Wir haben für diese Studie einen sedimentologischen Ansatz
verwendet, das heißt, wir haben Ablagerungsräume zwischen der Erde und dem Mars
verglichen." Die Forschungsgruppe wird nun in einem nächsten Schritt die
mineralogische Zusammensetzung der alten Marsböden untersuchen. "Da wir jetzt
wissen, dass Mars ein blauer Planet war, möchten wir auch wissen, welche Art der
Verwitterung dort stattgefunden hat", sagt Argadestya abschließend.
Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift npj space exploration
publiziert.
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Mission Mars, die astronews.com-Berichterstattung über die Erforschung des
Roten Planeten
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