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Forschungsteam weist neuartige Form von Wasser nach
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität Rostock astronews.com
13. Januar 2026
Ein internationales Forschungsteam hat erstmals eine bislang
unbekannte Form von superionischem Wasser nachgewiesen: Den Forschenden
entdeckten experimentell eine exotische, elektrisch hoch leitfähige Phase von
Wasser, die möglicherweise im Inneren von Eisriesen wie Uranus und Neptun oder
anderen Planeten um ferne Sonnen vorkommt.

Schematische Darstellung der mikroskopischen Struktur von
superionischem Wasser, in welchem die Sauerstoff-Atome ein
festes Kristallgitter bilden, während Wasserstoff-Ionen darin
quasi frei beweglich sind.
Bild: Greg Stewart / SLAC National
Accelerator Laboratory [Großansicht] |
Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius und der Druck von
Millionen Atmosphären: Superionisches Wasser entsteht nur unter extremen
Bedingungen. Sie verwandeln Wasser in einen ungewöhnlichen Zustand, in dem
Wasserstoffionen frei durch ein festes Gitter aus Sauerstoffatomen wandern. Da
diese Phase elektrischen Strom besonders gut leitet, wird sie mit der Entstehung
der ungewöhnlichen Magnetfelder von Eisriesen in Verbindung gebracht. Aufgrund
der großen Wassermengen im Inneren von Uranus und Neptun könnte superionisches
Wasser sogar die häufigste Form von Wasser in unserem Sonnensystem sein.
Obwohl superionisches Wasser bereits in früheren Experimenten erzeugt wurde,
blieb seine detaillierte Struktur bislang ungeklärt. Bisherige Studien deuteten
darauf hin, dass sich die Sauerstoffatome in superionischem Eis entweder in
einer kubisch-raumzentrierten oder einer kubisch-flächenzentrierten Struktur
anordnen, also in zwei Varianten eines Würfelgitters: Bei ersterer sitzt
zusätzlich ein Atom in der Würfelmitte, bei letzterer auf jeder Würfelfläche.
Die neue Studie eines internationalen Forschungsteams unter Leitung von
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Rostock, der
französischen CNRS-École Polytechnique und des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf
zeichnet jedoch ein deutlich komplexeres Bild: Die Forschenden fanden heraus,
dass superionisches Wasser eine Struktur bildet, die sowohl kubisch
flächenzentrierte als auch hexagonal dichtgepackte Stapelungen kombiniert.
Letztere entsprechen einer Schichtung eng aneinanderlegender Atome in
sechseckigen Mustern und führen zusammen mit den kubischen Bereichen zu
deutlichen Stapelfehlern. Anstatt sich in einer einzigen regelmäßigen
Konfiguration zu ordnen, bilden die Sauerstoffatome eine hybride,
fehlstrukturierte Abfolge – ein Muster, das nur durch hochpräzise Messungen an
modernsten Röntgenlasern sichtbar gemacht werden kann.
Um diese Erkenntnisse zu gewinnen, führte das Team zwei Experimente durch:
eine am Matter in Extreme Conditions (MEC)-Instrument an der Linac
Coherent Light Source am Stanford Linear Accelerator Center in den
USA und eine weitere am HED-HIBEF-Instrument am European XFEL. Diese
Anlagen ermöglichen es den Forschenden, Wasser auf Drücke von mehr als 1,5
Millionen Atmosphären zu komprimieren und auf Temperaturen von mehreren tausend
Grad Celsius zu erhitzen – und gleichzeitig seine atomare Struktur innerhalb von
Billionstel Sekunden aufzuzeichnen.
Die Ergebnisse, die mit fortschrittlichsten Simulationen übereinstimmen,
zeigen, dass superionisches Wasser eine strukturelle Vielfalt aufweisen kann,
die der von festem Eis ähnelt, das je nach Druck und Temperatur eine Vielzahl
unterschiedlicher Kristallstrukturen ausbildet. Die Studie unterstreicht, dass
Wasser – trotz seiner scheinbaren Einfachheit – unter extremen Bedingungen immer
wieder neue und bemerkenswerte Eigenschaften offenbart. Zudem liefern die
Befunde wertvolle Randbedingungen für verbesserte Modelle des Inneren und der
Entwicklung von Eisriesen, die auch außerhalb unseres Sonnensystems sehr häufig
sind.
Das Projekt wurde im Rahmen einer gemeinsamen Initiative der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) und der französischen Forschungsförderagentur ANR
unterstützt. Mehr als 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa und
den USA waren an den Experimenten und der Auswertung beteiligt. Ihre Ergebnisse
veröffentlichte das Team in einem Fachartikel, der in Nature Communications erschienen ist.
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