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Das Geheimnis eines kosmischen Diamantrings
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität zu Köln astronews.com
24. November 2025
Im Sternentstehungsgebiet Cygnus X erinnert eine Struktur
aus Gas und Staub an einen glühenden Diamantring. Bisher konnte sich die
Forschung die Entstehung der Struktur nicht recht erklären, nun lieferten
Computersimulationen sowie Beobachtungen des Flugzeugobservatoriums SOFIA
entscheidende Hinweise. Es scheint sich zudem nicht um ein, sondern um zwei
Objekte zu handeln.

Das Sternentstehungsgebiet Cygnus X liegt
rund 4500 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild
Schwan. Bild: NASA
/ JPL-Caltech / Harvard-Smithsonian CfA [Großansicht] |
Ein internationales Team unter der Leitung von Forschenden der Universität zu
Köln hat im Sternentstehungsgebiet Cygnus X ein außergewöhnliches Phänomen
enträtselt: den sogenannten "Diamond Ring", zu Deutsch: Diamantring. Dabei
handelt es sich um eine riesige, ringförmige Struktur aus Gas und Staub, die vom
Aussehen her an einen glühenden Diamantring erinnert. Bei ähnlichen Strukturen
sind die Gebilde jedoch nicht flach, sondern kugelförmig ausgeprägt. Wie diese
besondere Form entstanden ist, war bislang unbekannt.
Der Ring hat einen Durchmesser von rund 20 Lichtjahren und leuchtet stark im
infraroten Licht. Er ist das Relikt einer früheren kosmischen Blase, die einst
von der Strahlung und den Winden eines massereichen Sterns erzeugt wurde. Im
Gegensatz zu anderen ähnlichen Objekten zeigt der "Diamond Ring" jedoch keine
schnell expandierende kugelförmige Hülle, sondern nur einen sich langsam
ausdehnenden Ring. "Wir beobachten hier zum ersten Mal das Endstadium einer
solchen Gasblase in einer besonders flachen Wolkenstruktur", erklärt der Leiter
der Studie, Simon Dannhauer vom I. Physikalischen Institut der Universität zu
Köln. "Die Blase ist sozusagen 'geplatzt', weil Gase in die dünneren Bereiche
der Umgebung entweichen konnten. So blieb lediglich die besondere flache Form
übrig."
Computersimulationen zeigen, dass die Blase anfangs in alle Richtungen wuchs
und später senkrecht zur Wolke entweichen konnte. Übrig blieb die heute
sichtbare Ringstruktur des "Diamond Ring". Das Alter dieser kosmischen Formation
wird auf etwa 400.000 Jahre geschätzt – im Vergleich zur Lebensdauer
massereicher Sterne ist das ein sehr junges Stadium. Sebastian Vider von der
Universität zu Köln führte diese Computersimulationen auf dem neuen
Supercomputer RAMSES aus. Die Blase aus ionisiertem Kohlenstoff wurde einst von
einem heißen Stern mit der rund 16-fachen Masse unserer Sonne aufgeblasen.
Dieser Stern heizt das Gas und den Staub soweit auf, sodass es leuchtet.
Technisch sind solche Beobachtungen sehr anspruchsvoll und waren nur mithilfe
des fliegenden Observatoriums SOFIA (Stratospheric Observatory for Infrared
Astronomy) möglich. Mit SOFIA, einer umgebauten Boeing-Maschine, deren Flughöhe
oberhalb von 13 Kilometern liegt, konnten Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler einen Wellenlängenbereich des Lichts beobachten, der von der
Erde aus nicht zugänglich ist. So konnten die Forschenden die Bewegung des Gases
präzise messen: Der Ring dehnt sich mit etwa 1,3 Kilometern pro Sekunde aus –
das entspricht rund 4700 Kilometern pro Stunde und ist im Vergleich zu ähnlichen
Blasen sogar recht langsam.
Die Entdeckung liefert wertvolle Einblicke, wie die Strahlung und Winde
junger Sterne ihre Umgebung formen und damit auch die Geburt neuer Sterne
beeinflussen. "Der 'Diamantring' ist ein Paradebeispiel dafür, wie gewaltig der
Einfluss einzelner Sterne auf ganze Wolkenkomplexe sein kann", sagt Dr. Nicola
Schneider von der Universität zu Köln. "Solche Prozesse sind entscheidend für
das Verständnis der Sternentstehung in unserer Milchstraße", ergänzt Kollege Dr.
Robert Simon.
Ein kleiner Wermutstropfen für Romantiker bleibt trotzdem. Die Studie zeigt
auch, dass was von der Erde wie ein "Diamantring" aussieht, in Wirklichkeit aus
zwei einzelnen Objekten besteht. Es scheint lediglich so, als wäre der
"Diamant", ein Haufen von jungen Sternen, Teil des Rings. In Wirklichkeit liegt
er einige hundert Lichtjahre davor. Über die Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der
Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen ist.
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