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Wie Roboter zusammen Wassereis auf dem Mond nachweisen
könnten
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
18. November 2025
Im Rahmen der Polar-Explorer-Kampagne wurden jetzt
Messwerkzeuge und Roboter getestet, die Wassereis auf dem Mond finden könnten.
Wenn Menschen auf den Mond zurückkehren, brauchen sie Ressourcen: Aus Wassereis
würden sich Raketentreibstoff oder Trinkwasser herstellen lassen. Die Tests
fanden unter realitätsnahen Bedingungen in der LUNA-Halle in Köln statt.

Die beiden Rover LRU2 (links) und LRU1 sind
in der LUNA-Halle unterwegs. LRU2 richtet mit seinem
Roboterarm das LIBS (Laser-Induced Breakdown Spectroscopy)
aus, das sich in der goldfarbenen Box befindet. LIBS verwendet
einen gepulsten Laser, um zum Beispiel einen Stein zu
analysieren.
Foto: DLR (CC BY-NC-ND 3.0) [Großansicht] |
Dass es Wassereis auf dem Mond gibt, ist sehr wahrscheinlich. Zum Beispiel im
Südpol-Gebiet, wo manche Krater noch nie Sonnenlicht gesehen haben. In diesen
"Kältefallen" versteckt sich womöglich seit Milliarden von Jahren Wassereis.
Können Menschen das Wasser nutzen, wenn sie auf den Mond zurückkehren? Ist das
Wasser fest eingefroren im Mondstaub, ist es chemisch gebunden oder befinden
sich sogar Eisschichten in den schattigen Kratern, an der Oberfläche oder im
Untergrund? Es gibt eine Menge offener Fragen.
Um den Antworten näher zu kommen, hat das Deutsche Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) zusammen mit mehreren Universitäten getestet, wie sich Wasser
auf dem Mond aufspüren lässt. Schauplatz war die LUNA-Anlage in Köln, wo
robotische und astronautische Mondmissionen realitätsnah vorbereitet werden
können. LUNA bietet Forschenden unter anderem eine 700 Quadratmeter große
Fläche, die mit Mondstaub-Simulat gefüllt ist. Das Material ist dem Regolith auf
dem Mond täuschend ähnlich und eignet sich deswegen zum Testen von
Messwerkzeugen und Robotern.
"Wenn wir Wassereis auf dem Mond finden und kartieren wollen, müssen wir auf
der Oberfläche sehr beweglich sein. Deswegen hatten wir zwei Rover im Einsatz,
die mit speziellen Instrumenten unterwegs waren. Die Kombination von
unterschiedlichen Methoden bringt Vorteile und erwies sich auch hier als
besonders zuverlässig", erklärt Nicole Schmitz vom DLR-Institut für
Weltraumforschung. Sie hat die Polar-Explorer-Kampagne gemeinsam mit dem
LUNA-Team geleitet. Die ersten Ergebnisse stehen schon fest: Die Forschenden
waren erfolgreich – sie haben das simulierte Wassereis in der LUNA-Halle
gefunden und kartiert. Die gewonnenen Daten werden nun detailliert ausgewertet.
Die Deep-Floor-Area in der LUNA-Halle ist drei Meter tief und bis zum Rand
mit Regolith gefüllt. In ihr ist nicht nur eine Lava-Höhle verborgen, sondern
auch unzählige Acrylglas-Elemente. Für die eingesetzten Radar-Instrumente
erscheinen diese wie pures Wassereis, das sich unter der Oberfläche versteckt:
Der Kontrast zwischen purem Eis und Mond-Regolith ähnelt stark dem zwischen
Acrylglas und LUNA-Regolith. Genau das erkennt ein Radar. Eine seismische Quelle
(PASS – Portable Active Seismic Source) hat für die Polar-Explorer-Kampagne
zusätzlich messbare Schwingungen erzeugt, die das simulierte Wassereis im Boden
sichtbar gemacht haben. Dazu wurde vorher ein Glasfaserkabel ausgelegt, das auch
auf dem Mond verlegt werden könnte. Die Struktur bildete ein eigenes
geophysikalisches Netzwerk für das sogenannte Distributed Acoustic Sensing
(DAS). Winzige Verformungen der Glasfaser zeigen Bewegungen des Bodens an, die
auf die Struktur des Untergrunds schließen lassen.
Auch in Mondgestein wurde bereits Wasser nachgewiesen, das zum Beispiel im
Kristallgerüst von Mineralkörnern oder in vulkanischem Glas eingeschlossen sein
kann. Zur Detektion des Wasserstoffs in Gesteinsproben haben die Forschenden ein
sogenanntes LIBS (Laser-Induced Breakdown Spectroscopy) eingesetzt. LIBS
verwendet einen gepulsten Laser, um aus dem Probenmaterial eine kleine
Plasmawolke zu erzeugen. Das Licht des Plasmas liefert Informationen über die
elementare Zusammensetzung des Materials. Das LIBS steckt in einer Nutzlast-Box,
ein Roboterarm hält es direkt auf das Ziel. Der Roboterarm wiederum gehört zu
LRU2 (Lightweight Rover Unit 2), einem Rover aus dem DLR-Institut für Robotik
und Mechatronik.
LRU2 kann mit seiner Ausrüstung nicht nur Laser-Boxen halten, sondern auch
Proben einsammeln und seine Aufgaben autonom ausführen und berechnen. Er bildet
ein Rover-Team mit LRU1. LRU1 kartiert die Mondoberfläche visuell und in 3D.
Dazu nimmt er die Oberfläche mit einer multispektralen Stereo-Panorama-Kamera
auf, die an seinem breiten "Kopf" gut zu erkennen ist. Solche Kameras sehen weit
mehr als "nur" Farben. Sie messen Bilddaten in Wellenlängenbereichen, die weit
über das hinausgehen, was das menschliche Auge wahrnehmen kann. Auf dem Mond
können so Informationen über die mineralogische Zusammensetzung der Oberfläche
erfasst, kartiert und quantifiziert werden. Nebeneffekt: Der Rover findet mit
dem Geländemodell auch die für ihn sicherste Strecke zum Ziel.
Für die Polar-Explorer-Kampagne hat LRU1 einen Anhänger mit einem Bodenradar
hinter sich hergezogen und den Untergrund "durchleuchtet". Verknüpft mit den
Daten der Kamera erhalten die Forschenden eine dreidimensionale Darstellung des
untersuchten Gebiets, sowohl von der Oberfläche als auch vom Untergrund. Bei
einer Mondmission wären die Instrumente natürlich nicht auf einem Anhänger,
sondern fest im Inneren des Rovers verbaut.
Die Kampagne geht zurück auf ein Missionskonzept, das die Forschenden des DLR
der Europäischen Weltraumorganisation ESA vorgeschlagen haben. Das
Missionskonzept könnte ausgewählt werden, um mit dem Argonaut-Lander in Zukunft
zum Mond zu fliegen. Ein Modell des Argonaut-Landers steht in der LUNA-Halle. Es
handelt sich um ein Raumfahrzeug, das Infrastruktursysteme, Instrumente und
Ressourcen bereitstellen soll. "Im Rahmen dieses Missionskonzepts haben wir nun
erstmals alle Elemente zusammengebracht: Die Teams mit den Rovern und
Instrumenten haben den kompletten Betriebsablauf getestet. Sie haben gezeigt,
dass alle Elemente parat sind und funktionieren", erläutert Schmitz.
LRU1 und LRU2 kennen sich aus mit unwegsamem Gelände: Sie haben sich schon
bei Trainingsmissionen auf dem Vulkan Ätna in Italien bewährt: LRU1 und LRU2
haben bei der ARCHES-Mission im Team mit anderen Robotern die Gegend erkundet
und Proben genommen. "Auch jetzt in der LUNA-Halle haben die Rover autonom
navigiert, Hindernisse umfahren sowie die passenden Instrumente ausgewählt und
eingesetzt. Alle unsere Ziele in der Polar-Explorer-Kampagne wurden erreicht“,
sagt Dr. Martin Görner vom DLR-Institut für Robotik und Mechatronik. Die Rover
sind außerdem mit den schwierigen simulierten Lichtverhältnissen
zurechtgekommen: In den Polarregionen des Mondes steht die Sonne immer nur flach
über dem Horizont und blendet die Kamerasysteme. Ein Sonnensimulator in der
LUNA-Halle erzeugt diesen Effekt.
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