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Merkurtransit und Mars in Opposition
von
Stefan Deiters astronews.com
1. Mai 2016
Der kleinste Planet des Sonnensystems kommt im Mai groß
raus: Am 9. Mai wandert der Merkur nämlich als winziger dunkler Punkt über die
Sonnenscheibe - ein Ereignis, das man mit bloßem Auge allerdings nicht sehen
kann, aber von Astronomen auf der ganzen Welt verfolgt werden wird. Außerdem
erreicht der Mars seine Oppositionsstellung und es locken die Sterne des
Frühlings.

Blick nach Südosten gegen 23 Uhr am 21. Mai 2016. Bild: astronews.com / Stellarium [Großansicht] |
Nachdem der April seinem Ruf als Monat mit eher wechselhaftem Wetter alle
Ehre gemacht hat, versprechen die Meteorologen zumindest für den Beginn dieses
Monats Temperaturen, die sich auch nach Frühling anfühlen.
Auch am Abend bleibt es - nicht nur wegen der Sommerzeit - immer länger hell. So
muss man sich etwas gedulden, bis die Sonne untergegangen ist und die ersten
Sterne am Himmel sichtbar werden. Dafür wird man dann mit den Sternbildern des
Frühlings und einigen Besonderheiten belohnt.
Das Frühlingsdreieck aus den Sternen Arktur im Sternbild
Bärenhüter (Bootes), Spica im Sternbild Jungfrau und Regulus im Löwen ist gut zu
sehen [Findkarte]
und sogar der Sommer ist am Himmel schon auszumachen: So erscheint im
(Nord-)Osten langsam das Sommerdreieck, das aus den Sternen
Deneb im Sternbild Schwan, Wega in der Leier und Altair im Adler besteht [Findkarte].
Der Große Wagen - ein Teil des Sternbilds Großer Bär
- ist das ganze Jahr über am nächtlichen Himmel zu sehen. Die Konstellation
befindet sich nämlich nahe
genug am Himmelspol und steht im Mai hoch am Himmel. Verbindet man bei
diesem Sternbild die beiden der Deichsel abgewandten Sterne zu einer Linie,
weist diese den Weg zum Polarstern, der am Ende der Deichsel
des Kleinen Wagens liegt.
Hoch im Osten steht zurzeit das Sternbild Bärenhüter
(Bootes) mit seinem Stern Arktur, der Teil des Frühlingsdreiecks ist. Das
Sternbild erinnert entfernt an eine Eistüte: Das Eis zeigt etwa in Richtung
Nord-Ost, Arktur ist an der Spitze zu finden. Der hellorange leuchtende Stern
ist - die Sonne nicht mitgezählt - der dritthellste Einzelstern am Himmel. Ein
Grund dafür ist seine relative Nähe von nur rund 34 Lichtjahren. Zudem hat
Arktur einen 25 Mal größeren Durchmesser als unsere Sonne. Das System aus Alpha
Centauri A und Alpha Centauri B ist, mit bloßem Auge betrachtet, nicht auflösbar
und erscheint zusammen heller als Arktur. Die beiden Einzelkomponenten sind es
allerdings nicht.
Eine andere Besonderheit von Arktur ist mit bloßem Auge nicht auszumachen:
Arktur gehört zu den am schnellsten am Himmel wandernden Sternen seiner
Größenklasse. Jedes Jahr bewegt er sich um 2,3 Bogensekunden auf das Sternbild
Jungfrau zu. Zum Vergleich: Der Vollmond bedeckt am Himmel etwa 1.800
Bogensekunden oder einen halben Grad.
Wer über ein Fernglas oder ein kleines Teleskop verfügt, kann versuchen, den
Kugelsternhaufen M3 zu finden, der im Sternbild
Jagdhunde liegt. Er gehört mit zu den schönsten Sternhaufen am
nördlichen Himmel und findet sich rund 12 Grad nordwestlich des Sterns Arktur an
der Grenze zum Sternbild Bärenhüter. Mit dem Fernglas sieht man allerdings nicht
viel mehr als einen verwaschenen Punkt.
M3 wurde von Charles Messier am 3. Mai 1764 entdeckt und ist das dritte
Objekt in Messiers Katalog - deswegen auch der Name M3. Der Kugelsternhaufen ist
rund 33.900 Lichtjahre von der Erde entfernt und besteht aus über einer halben
Million Sternen. Der Haufen hat einen Durchmesser von ungefähr 200 Lichtjahren,
die Hälfte seiner Masse findet sich allerdings innerhalb der inneren 22
Lichtjahre.
Der Mai hat auch für Planetenfans einiges zu bieten. Und das liegt nicht etwa
daran, dass unser sonnenfernerer Nachbar Mars am 22. Mai seine
Oppositionsstellung zur Sonne erreicht. Grund ist Merkur,
der im April am Abendhimmel zu sehen war und nun am 9. Mai in unterer
Konjunktion zur Sonne steht. Damit befindet er sich genau zwischen Erde und
Sonne.
Am 9. Mai kann man das sogar sehen: Von 13.12 Uhr bis 20.41 Uhr MESZ wandert
er nämlich als kleiner dunkler Fleck über die helle Sonnenscheibe. Es kommt zu einem
Merkurtransit. Mit bloßem Auge lässt sich das Ereignis
allerdings nicht beobachten und man sollte auch auf keinen Fall mit einem
Teleskop in die Sonne blicken, ohne 100-prozentig sicher zu sein, dass man zuvor
einen geeigneten Sonnenfilter vorschriftsmäßig angebracht hat. Am besten
versucht man den Transit in einer Volkssternwarte zu verfolgen, die in ganz
Deutschland entsprechende Beobachtungsnachmittage anbieten.
Während sich der Rote Planet Mars im Sternbild Skorpion seine
Oppositionsstellung erreicht und damit die ganze Nacht über zu sehen ist, hat
sich unser sonnennäherer Nachbarplant Venus vom Nachthimmel
ganz zurückgezogen. Der Gasriese Jupiter befindet sich im
Sternbild Löwe und ist in den frühen Morgenstunden nicht mehr zu sehen. Der Ringplanet Saturn
wird im Juni seine Oppositionsstellung erreichen, ist also fast schon die gesamt
Nacht über zu sehen. Er befindet sich im Sternbild Schlangenträger.
Für Sternschnuppenfreunde bietet der Mai eher weniger - es sei
denn, sie halten sich in südlicheren Breiten auf. Dort sind nämlich die
Mai-Aquariden, die aus dem Sternbild Wassermann zu kommen scheinen, ein
recht auffälliger Sternschnuppenstrom, der sein Maximum am 6. Mai erreicht. Sie
gehen auf den Kometen Halley zurück. Das Maximum der Eta-Lyriden wird
am 8. Mai erwartet. Es wird dabei allerdings mit nur etwa fünf Meteoren pro
Stunde gerechnet.
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