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Das Geheimnis der gelben Bälle
von Stefan Deiters astronews.com
3. Februar 2015
Freiwillige des Milky Way Project sind beim Durchsehen von
Tausenden von Bildern des NASA-Infrarotweltraumteleskops Spitzer auf
eigentümliche Strukturen gestoßen, welche Astronomen bislang nicht aufgefallen
waren. Bei diesen "Gelben Bällen" dürfte es sich um eine frühe Phase
in der
Entstehung eines massereichen Sterns handeln.

Die frühe Entwicklung eines massereichen
Sterns in Spitzer-Aufnahmen: Aus dem stellaren
Embryo umgeben von Staub (oben) wird ein "gelber
Ball" (Mitte) und schließlich eine Blase mit
grünem Rand und rotem Zentrum (unten).
Bild: NASA / JPL-Caltech [Großansicht]
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Manchmal sehen die Augen von vielen doch einfach mehr: Teilnehmer des Milky
Way Projects, bei dem Nutzer über eine Webseite Beobachtungen des
NASA-Weltraumteleskops Spitzer nach bestimmten Besonderheiten durchsehen können,
sind bei ihrer Arbeit auf eigentümliche Strukturen gestoßen, die sie Yellowballs, also
"gelbe Bälle", genannt haben.
Natürlich sind die Objekte in Wirklichkeit nicht gelb. Bei den
Spitzer-Aufnahmen handelt es sich ja um Infrarotbeobachtungen und zur
Darstellung dieser für das menschliche Auge nicht sichtbaren Strahlung werden
bestimmte Infrarotwellenlängen einfach verschiedenen Farben zugeordnet.
"Unsere Freiwilligen begannen über diese Yellowballs zu diskutieren, die
sie immer wieder auf den Bildern aus unserer Milchstraße sahen und dadurch sind
wir erst auf sie aufmerksam geworden", erinnert sich Grace Wolf-Chase vom
Adler-Planetarium in Chicago. Die "gelben Bälle" haben eine Größe, die den
Durchmesser unseres Sonnensystems um viele Hundert bis mehrere Tausend Mal
übersteigt.
"Nach dem Hinweis durch die Freiwilligen haben wir die Yellowballs
analysiert und festgestellt, dass sich durch sie die frühen Phasen in der
Entstehung von massereichen Sternen entdecken lassen", erläutert Charles Kerton
von der Iowa State University. "Diese Entdeckung ist nur durch die einfache
Frage 'Hmmm, was ist denn das?' möglich geworden."
Das Milky Way Project ist eines von mehreren
"Bürgerwissenschafts-Projekten", die sich über die Zooniverse-Webseite aufrufen
lassen. Hintergrund vieler ähnlicher Projekte ist, dass man mithilfe einer großen Zahl von
Freiwilligen Datenbestände analysieren kann, die ein Wissenschaftler allein
nie bewältigen würde. Für manche Auswertungen bietet das menschliche Auge
nämlich noch immer Vorteile
gegenüber einer automatischen Analyse mit einem Computerprogramm.
Schon früher waren Teilnehmer von Zooniverse-Projekten auf bislang unbekannte
Objekte gestoßen: So entdeckten sie 2009 "Grüne-Erbsen-Galaxien", bei denen es
sich offenbar um eine bis dahin noch unbekannte Klasse von kompakten Galaxien
handelt, in der gerade große Mengen an Sternen entstehen (astronews.com
berichtete).
Beim Milky Way Project durchsuchen die Freiwilligen Aufnahmen, die das
Weltraumteleskop Spitzer in der Scheibe unserer Galaxie gemacht hat. Hier sind
inmitten von faszinierenden Strukturen aus Staub und Gas nicht nur die "gelben
Bälle" zu sehen, sondern auch grüne Blasen mit einem roten Zentrum.
Diese Blasen
entstehen durch neugeborene massereiche Sterne, die ihre Umgebung durch
intensive Winde und Strahlung praktisch freigeblasen haben. Die grünen Ränder
bestehen aus organischen Molekülen, der aufgewärmte Staub im Zentrum erscheint
rötlich.
Insgesamt wurden über 5.000 dieser grünen Blasen im Rahmen des Projekts
identifiziert. Doch immer wieder wurden auch gelbe Bälle entdeckt. Gelbe
Bereiche stehen dabei in der Regel für Regionen, in denen sich grüne und roten
Bereiche überlappen. Die Untersuchung der Astronomen ergab, dass die
Yellowballs für einen Entwicklungszustand stehen, der zeitlich vor den grünen Blasen
mit rotem Zentrum liegt.
"Die gelben Bälle stellen die fehlende Verbindung dar zwischen sehr jungen
Sternenembryos, die sich in dunklen Filamenten befinden und jungen Sternen, die
bereits Blasen machen", so Wolf-Chase. "Könnte man die Zeit rückwärts laufen
lassen, würden sich aus den Blasen gelbe Bälle entwickeln", ergänzt Kerton.
Die
gelben Bälle erscheinen nämlich deswegen gelb, weil die organischen Moleküle,
die auf den Spitzer-Bildern grün erscheinen, noch nicht weit genug von den jungen Sternen
in die Umgebung geblasen wurden. Sie überlagern sich also mit dem warmen und
rötlich erscheinenden Staub, so dass sich die Farbe gelb ergibt.
Bislang wurden über 900 dieser gelben Bälle entdeckt. Die Astronomen wollen
sich nun die Verteilung dieser Strukturen genauer anschauen. Einige scheinen
sich an den Rändern von Blasen zu befinden, was darauf hindeuten könnte, dass
massereiche Sterne die Entstehung weiterer Sterne in ihrer Umgebung auslösen
können. "Diese Ergebnisse zeigen einmal wieder, wie wichtig solche
Bürgerwissenschafts-Programme sind", so Wolf-Chase.
Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler in einem Fachartikel, der
in der Zeitschrift Astrophysical Journal erschienen ist.
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